Kat Edmonson – Way Down Low (2013)

Kat Edmonson, die noch junge Sängerin mit der kratzigen, extrem modulationsreichen Stimme, ist meine große Hoffnung im Grenzbereich von Pop und Jazz.

Auf diesem ihrem zweiten Album trägt Sie eigenes Songmaterial vor, dessen ironische, nachdenkliche und doch immer heitere Machart mich immer wieder zu kleinen Lachern zwingt. Wenn Sie beispielsweise in ihrem Song „Champagne“ über das gleichnamige Getränk sinniert und dessen Auswirkungen auf ihren eigenen Umgang mit dem anderen Geschlecht – ganz leicht, immer etwas distanziert und dazu mit den drolligsten sängerischen „Tricks“ – schon mal ein angetrunkenes Mädel singen hören? Sie deutet das nur ganz kurz an und gut ist. Es ist zum Kugeln (den Song gibt es übrigens auch bei YouTube). Nie wird es platt, nie sentimental und wenn die junge Texanerin mit breit rollenden Vokalen raunzt, dass sie irgendwie nicht für „diese Zeiten“ gemacht sei (I Just Wasn’t Made for These Times), dann glaubt man ihr das sofort. Zwar nicht ohne Mikrofon, aber als Jazz-Pop Sängerin hätte sie auch in den 50er oder 60er Jahren große Karriere gemacht.

Ihre Gesangstechnik ist ebenso originell wie songdienlich: Sie raunzt, gurrt, dehnt Vokale wie früher vielleicht Amy Winehouse, variiert geschickt das Tempo und wechselt Weiterlesen

Bobby King surprises after 55 years

This album

is my discovery of 2014 so far: Acompanied mostly by bass , guitar and some keyboards plays and sings the virtually unknown studio musician and producer Bobby King through a set of completely different and original songs: The driving swing of „Driftin‘ Now“ recalls not only because of Kings pleasant, slightly husky voice of Nick Lowe’s great „I Am over 50“ – albums. The witty, self-deprecating lyrics (the pop-rock number „Talkin ‚ To The Dog“, which could be a solid hit, if it had some airplay), the authentic production (deep Soul as the Grand Master Al Green at „Eight Wonder Of The World“) – always it sounds clever, relaxed and absolutely officially. King as the stylistically similar Lyle Lovett covers virtually every American music style from country to soul, dramatic ballad, swing – this album is for almost every musical taste. And always it is sounding clever, unique and completely relaxed. The well-known hustle in many first-albums by good musicians does not happen here. Any listener who is into artists like Shelby Lynne, Lyle Lovett, Nick Lowe and anyone who loves singer-songwriter stuff with more than one harmonic or melodic style will fall in love with this album.

Bobby King took more than 55 years to produce this excellent album – it’s his first one. A largely unknown studio musician, who also has one of the most common American names – so he is hardly found and known. A pity really. More of this, please!

Rating: ★★★★☆

Willie Nelson und das Wüstenalbum – Teatro (1998)

Überwiegend eigene Songs aus der langen Karriere von Willie Nelson werden durch die stimmige Produktion von Daniel Lanois zu einem sehr homogenen und überzeugenden Album.

Lanois hat schon Bob Dylan (Oh Mercy) und Emmylou Harris  (Wrecking Ball) zu besonderen, die Karriere der Künstler zierenden Alben verholfen. Das gelingt auch hier. Die von scheinbar zufällig dahin groovenden Drums und einem dezent treibenden Bass zusammen gehaltenen Songs mit ihren halligen, verspielten Gitarrenbegleitungen kommen ohne Ausnahme im Tex-Mex Sound daher: Rumba, Salsa, hier klingt es stark nach Mexico und Texas. Emmylou Harris begleitet auf fast allen Titeln den knorrigen Schräg-Gesang Nelsons. Sie kann das wunderbar, wie man schon etwa 25 Jahre früher auf Bob Dylans famosen Album „Desire“ bewundern konnte.

Durch die einfühlsame und stimmige Produktion, das gute Songmaterial und die begnadeten Backing-Vocals von Emmylou Harris eines der besten Alben von Willie Nelson.

Willie Nelson kann Cover – Across The Borderline (1993)

Willie Nelson macht auch hier sein eigenes Ding. Und puhlt dabei oft den Kern der Musik meisterhaft heraus. Bestes Beispiel bei der dieser von Anfang bis Ende lohnenden Zusammenstellung von Coverversionen bekannter Songs aus den 80ern und einigen eigenen Liedern ist bereits der Opener „American Tune“ von Paul Simon, der auch die Gitarrenbegleitung mit ihren vertrackten Modulationen spielt. Wie Nelson aus diesem exzellenten, aber im Original leider etwas sehr glatten Song ein nachdenkliches, bitteres Stück Musik macht mit Untertönen von Ärger und Zorn – das ist einmalig. Nur durch einige abrupte Temposchwankungen und etwas mehr „Feel“ im Gesang bekommt die gute Vorlage eine neue Dimension und eine interessante Note.

So ähnlich geht das auch bei vielen anderen Titeln. Die intergalaktische Ballade „Don’t Give Up“ von Peter Gabriel wird durch die verhaltene sparsame Begleitung ohne Weiterlesen

The Persuasions – Street Corner Symphony (1972)

Ein sagenhaftes, ein klassisches Acappella-Album:

Die Persuasions zelebrieren auf diesem 40 Jahre alten Album Acappella und wahren dabei ihren an Gospel und klassischem Soul orientierten Gesangsstil. Nicht der rasante stimmliche Overkill nach Art von Take 6 ist hier Maßstab, sondern die atmende, schlüssige Interpretation. Die ergreifende Interpretation des „Buffalo Soldier“, das humorvoll-erdige „The Man In Me“ und auch das abschließende Medley strahlen viel Ruhe und Souveränität aus. Und (die zum Teil heute noch singenden Bandmitglieder waren damals auf der Höhe ihrer stimmlichen Möglichkeiten) es klingt einfach wunderbar – hervorragende Interpretationen von wunderbaren Sängern, die sich und dem Zuhörer nichts beweisen Weiterlesen

Vergessene Perlen – Patty Griffin Silver Bell (2013)

Wenn so ein Album nach mehr als 10 Jahren aus den Archiven einer Plattenfirma auftaucht, ist irgend etwas falsch gelaufen:

Geplant war dieses Album als Nachfolger des rockigen und ziemlich sperrigen Albums „Flaming Red“ – es wurde bereits ca. 2000 aufgenommen. Durch den Wechsel des Labels blieben die im Studio von Daniel Lanois aufgenommenen Stücke über 10 Jahre im Archiv der Plattenfirma liegen – es ist der Wahnsinn.

Denn dies ist ein wirklich gutes Album. Es enthält mit „Truth #2“ einen der stärksten Songs Weiterlesen

Lowell George @34

A short intermission for one of the greatest songwriters and crooners in rockmusic – Lowell George, who died on june 29th 1979 from heart-attack at the age of 34 shortly after finishing his only solo album „Thanks, I’ll Eat It Here„. This song „20.000.000 things to do“ is taken from this album, which remains some kind of a legacy (and is on my „Top 10 Albums for the Island“ list forever).

RIP, George.

Countrysong rückwärts

Gestern im Admiralspalast lieferte Emmylou Harris mit Rodney Crowell und ihrer Band einen soliden Gig vor einem begeisterten Publikum ab. Gespielt wurden nach der Pause überwiegend Titel vom neuen Album der beiden, die sich seit 40 Jahren kennen.

Und doch musste ich hinterher immer an den Witz von Richard Belzer denken, der den Detective John Munch in der Fernsehserie Homicide spielte; frei übersetzt geht das so:

Weißt Du was passiert, wenn man einen Countrysong rückwärts abspielt?

Zuerst kommt der Hund zurück, dann kommt der Job zurück und zuletzt kommt die Frau zurück.

Es ist das Problem mit diesem doch sehr konservativen Genre. Die Themen sind beschränkt und es läuft vielfach genau so ab, wie der charismatische und obercoole Texaner Rodney Crowell nach mehreren solcher Songs lakonisch meinte:

And now another heartache-song. Emmy, i think we are doing entertainment by heartache here, right?

Eine großartige Band begleitet ein extrem professionelles Konzert (das übrigens auf die Minute pünktlich beginnt und ebenso exakt nach einer Stunde in die Pause geht), bei dessen Songmaterial allerdings der gemeine Witz von Richard Belzer durchaus zutreffend ist. Und als Harris unmittelbar nach der Pause solo zur eigenen Gitarre ein eigenes Lied singt, mit dem der Tod ihrer Freundin Kate McGarrigle beklagt wird, hätte allerdings auch der Zyniker John Munch die Luft angehalten. Harris ist eine der beeindruckendsten Sängerinnen der Gegenwart und braucht vielleicht nur noch Songmaterial, wo der Hund fortläuft, die Kinder rebellieren, der Sekt zu gut schmeckt und die Krankenversicherung nicht zahlt. Einfach wegen der Abwechslung.

John Fogerty

… hat ein Stimme, die mich immer wieder fasziniert. Direkt, ausdrucksvoll und anrührend. Natürlich erkennt man die Stimme sofort. Aber das ist es nicht allein. Egal, wie Levon Helm eine meiner männlichen Lieblingsstimmen. Hören?

Und ein großartiger Songwriter ist er auch. Da reicht schon „Lodi“ allein.

Songs nur für Erwachsene

Patty Griffin – Children Running Through (2007) *

Wer ein Album von Patty Griffin hört, kann sich auf was gefasst machen. Das klingt durchaus mal schneidend und scheppernd, da wird mal ein ganzes Lied die Begleitung auf der Gitarre geschrummelt („Getting Ready“), dass es klingt wie angesäuselte Jugendgruppe am Lagerfeuer. Und doch beeindruckt mich diese Sängerin immer wieder Weiterlesen

Weltlicher Gospel ohne Kirchenschmus

Patty Griffin – Downtown Church (2010) *

Eindrucksvoll: Patty Griffin versucht sich an (neben zwei eigenen Kompositionen) Gospel – man könnte auch sagen, dies ist ein Album mit spiritueller Musik ohne Kirche. Bereits im Opener „House Of Gold“ (Hank Williams) beeindruckt Griffin mit schwerem und atmenden Gesang zu einem tiefen, aber nicht unbedingt kirchlichen Text:

„People steal, they cheat and lie
For wealth and what it will buy
Don’t they know on the judgement day
That their gold and silver will melt away“

Wahre Worte, eindrucksvoll gesungen. Selbst ein Traditional wie „Wade in the water“ gelingt – es klingt immer intensiv und einmalig originell. Patty Griffins Stimme ist dunkler geworden über die Jahre, weniger schneidend und es fehlen meist die grellen Töne, welche auf ihren frühen Alben Gänsehaut und manchmal auch Entsetzen hervorriefen. „I smell a rat“ von Leiber/Stoller rockt Griffin so rotzig und gnadenlos, wie sie anschließend in „Waiting for my child“ nur zu einer leisen Orgel wie die Soul-Croonerin persönlich schmachtet. Viele Höhepunkte, eindrucksvolle Interpretationen und ein großartiger Sound. Das Album erinnert mich mit den enormen stimmlichen Möglichkeiten der Sängerin und der introspektiven Songauswahl an das großartige Album der großen Mavis Staples.

Das Album wurde in einer (Holz-?)kirche in Nashville aufgenommen und klingt mit seiner spärlichen Instrumentierung und seiner machtvollen Frontfrau eindrucksvoll gut. Wer Soul, Country, Gospel und guten Gesang mag, ist hier allemal richtig. Eines der reifsten Alben der begabten Frau Griffin. Durch die konsequente Songauswahl und die entschlossenen Interpretationen merkt man kaum, dass es ein Coveralbum ist.

Térez Montcalm – Connection (2009)

Die Sängerin mit der kratzigen Stimme kann Cover

Térez Montcalm ist die Sängerin mit der leisen kratzigen Stimme, die beim Singen gar viel Geräusche (Gurren, Knurren, Juchzen …) macht und (finde ich) recht gut Gitarre spielt. Ihre große Stärke sind ganz eigentümliche und einfühlsame Interpretationen bekannter und unbekannter Songs von Anderen, die sie durch ihren interessanten Gesangstil und anspruchsvolle Interpretation spannend und neuartig zu Gehör bringt.

Auf Ihrem schon 5. Album aus dem Jahr 2009 bleibt Montcalm diesem Rezept treu. Produziert und einfühlsam begleitet von dem Gitarristen Michel Cusson und Gastmusikern (hervorzuheben der atemberaubend musikalische und wilde Jazzgeiger Jan Luc Ponty bei „Le Requien Danse“, einer Eigenkomposition Montcalms) hebt Montcalm ihre Songs stilübergreifend und sehr abwechslungsreich auf das Podest. Immer spürt sie die Besonderheit eines Liedes auf (bei dem U2-Gassenhauer „Where The Streets Have No Name“ beispielsweise das vertrackte Versmaß und den originellen Rhythmus), immer findet sie (wie bei dem Chanson „C’est Magnifique“ von Cole Porter) eine eigene Musiksprache. Porters Lied zum Beispiel wird von Montcalm gedehnt, das „LaLaLaLa“ fast absurd langsam gegurgelt; der Song hört sich auf einmal ironisch und komödiantisch an und passt. Wenn Montcalm den Gassenhauer „My Baby Just Cares“ anstimmt, dann nimmt sie zwar ein echtes Swing-Tempo (und der Song groovt auch hier wie Hölle). Aber sie zerkaut und raunt die schwüle Schilderung ihres Mannes so verhalten, dass es nicht nur originell, sondern auch angemessen sexy klingt wie es sich für eine richtige femme fatale gehört. Nie klingt es wie nachgesungen oder wie eine lahme Interpretation eines guten Songs. Ebenso wie ihr Album Voodoo aus dem Jahr 2006 ist dies ein ebenso musikalisches wie unterhaltsames Album einer sehr interessanten Musikerin. Unbedingt empfehlenswert.
Rating: ★★★★☆

Klar stellar – Shelby Lynne

Dies ist ein sehr ungewöhnliches Cover- und Tribute-Album.

Wer einmal „Breakfast in Bed“ von UB40 mit Chrissy Hynde gehört hat, erkennt eine gute Band, zwei interessante Sänger und einen guten Song. Wenn Shelby Lynne diesen Song bringt, so verrucht und sexy und klagend wie die liebende und klammernde Frau nur klingen kann, wenn sie sich jeder Strophe langsam und fast genüsslich widmet, untermalt nur von sparsamer Begleitung und einem perfekten Hall, dann bekommt dieser ohnehin gute Song eine völlig neue Qualität.Der Hörer wird diese Interpretation Weiterlesen

Top Pop von der Roots-Rock Röhre Soulsister Shelby Lynne

Dies ist vermutlich das Pop-Album, welches Amy Winehouse hätte machen können, wenn sie 10 Jahre länger im Geschäft geblieben und nicht drogensüchtig so früh gestorben wäre:

Das originelle, authentische und absolut abwechslungsreiche Pop-Album mit mächtig viel Retro- und Soul Faktor, mit dem jeder Hörer glücklich werden kann. Aufgedreht und glitzernd wie im Opener „Your Lies“, dramatisch und soulig wie im 2. Titel „Leavin'“, wo Lynne aus Drumbox, Synstrings und unglaublich souligem Gesang das kleine Pop-Soul Ding macht. Schwerer StampfRockPop im 3. Titel „Life is bad“ – nicht so glatt wie Shania Twain, nicht so schlicht wie Sheryl Crow. Danach bei „Thought It Would Be Easier“ eine flüssig-sahnige TR-808 Drumbox und dezente Jazzakkorde auf der Stratocaster und dazu dieser allumfassend soulige Gesang von Lynne. Ganz tief und weich die Leadstimme wie Weiterlesen

Doris Day & The Horn

Wie überragend gut die Unterhaltungsmusiker der 50er Jahre waren, kann man in diesem 1954 enstandenen Album bewundern:

Doris Day, die bekannte Filmschauspielerin und weniger bekannte Swing- und Jazzsängerin trifft auf Harry James und seine Band. James mit seinen machtvollen, kräftigen und originellen Trompetensoli doubelte musikalisch Kirk Douglas, der die Hauptrolle des jungen Trompeters in dem (nach meiner Meinung nicht sehenswerten-) gleichnamigen Film spielt. Für Day war dieser Film die erste richtige Hauptrolle und Beginn ihrer dritten (!) Karriere als Filmschauspielerin.

Doris Day singt viel besser und interessanter, als man das von ihrem Signature-Song „Que Sera“ kennt. Für meinen Geschmack so interessant und stilsicher klingend wie Ella Weiterlesen

Voodoo Child ganz neu – Coverversionen aufregend zerlegt

Teréz Montcalm ist wie die ähnlich im Grenzbereich  zwischen Jazz, Soul, Pop und Irgendwas vagabundierende Holly Cole Francokanadierin. Und eine Könnerin im Interpretieren und Zerlegen fremder Musik.

Seit Rickie Lee Jones, deren Coverversionen bekannter und unbekannter Songs für mich wegen der Ausdrucksstärke immer die Messlatte bleiben, habe ich keine Sängerin mehr gehört, die sich mit so viel Gestaltungswillen und so viel sängerischem Charme über Musik Anderer hermacht. Wie Montcalm nicht nur „Sweet Dreams“ der Eurythmics, sondern auch „Voodoo Child“ von Hendrix oder bei dem z.B. bei James Taylor furchtbar glatt und fast belanglos klingenden Standard „How Sweet it is“ ihre Stücke zerlegt, zerknurrt, raunt, winselt und doch immer eine schlüssige Interpretation abliefert – das ist wirklich einzigartig. Holly Cole, eine andere Francokanadierin im selben Fach, hat sich Weiterlesen

Norah Jones – mit Anderen besser

Eine Zusammenstellung nur mit Kollaborationen von Norah Jones

Rating: ★★☆☆☆

ist keine schlechte Idee. Denn wer Norah Jones und ihre Plattenkarriere verfolgt hat, weiß um den seichten Kommerz, welcher ihren eigenen Alben anhaftet. Da wird gesoftet und geschliffen, bis es ganz einfach und so aufregend ist wie Nutella mit Weißbrot. Was mir spätestens seit dem wunderbaren „Creeping In“, einem rasenden heiteren Duett mit Dolly Parton auf Jones‘ zweitem Album „Feels Like Home“ (für mich der beste Titel auf diesem Album) klar wurde: Die Jones braucht andere, selbstbewusste Musiker, um sich mit ihren unbestreitbaren Fähigkeiten, ihrer markanten Stimme und dem eigenwilligen Piano entfalten zu können. Damit es nicht seicht wird. Wie Parton am Ende dieser wirklich atemberaubenden und live eingespielten Uptempo-Nummer kichert – so entspannt und eigenwillig möchte man Jones häufiger hören.

Und so zeigt diese Zusammenstellung die andere Seite der Hitparadenkünstlerin: „Ruler Of My Heart“ mit der Dirty Dozen Brass Band zum Beispiel – ein Weiterlesen

Levon Helm is dead

Levon Helm (by billboard.com)

About two weeks ago Levon Helm died. Levon was the man with that unique moving voice and the fat rock-bassdrum. He reached stardom with the band, could be heard singing 3 to 4 voice and nailing this whole hippie-company together in the legendary „The Last Waltz“ film by Martin Scorcese. Just a few solo-albums showed his gift of bringing a song across to the hearts of the listener. Even better he did in his solo album „Dirt Farmer“, where he discovered the old songs of his Arkansas home. He recorded this album after recovering from throat cancer. His studio burnt down. He had quite a load to bear in his later days.

And every time i hear this man sing, it moves me back and forth. Straight from the heart, like in his guest apearance in the great album „The Neighborhood“ by Los Lobos, where he sang „Little John Of God“. You can’t do better.

 

 

The Well (and what's behind)

Jennifer Warnes (mit Jackson Browne); www.jenniferwarnes.com

Manchmal fragt man sich schon, wie das kommt. Eine der gefragtesten Session-Sängerinnen der Welt, mehrfach mit Grammys und Oscars ausgezeichnet, macht nach fast 10 Jahren mal wieder ein eigenes Album und nennt das „The Well“ – wie wir aus diesem Artikel erfahren, aus gutem Grund.

Jennifer Warnes hatte tiefe persönliche Bindungen nach Austin/Texas. Sie fand dort (Jahre nachdem sie wieder nach Los Angeles zurück gezogen war) zu Doyle Bramhall, einer lokalen Musikerlegende, einem langjährigen Freund und Songschreiber der anderen texanischen Legende Stevie Ray Vaughn. Und nachdem sie festgestellt hatten, dass ihre Stimmen zu unterschiedlich sind (Warnes raucht und trinkt nicht, dafür aber Bramhall):

Her voice shimmered with sunlight, and he was all about barlight. „Yet we liked each other,“ says Warnes, „because he had what I could never have and I had what he could never have.“

entstand ein gemeinsames Projekt: Man traf sich am „Jacob’s Well“ einem größeren Quellsee bei Austin und beschloss, die Talente zusammen zu werfen. Und heraus kam (nach Lösung von einem lästig gewordenen Plattenvertrag) das großartige Album

Rating: ★★★★☆ DR = 11

dessen Höhepunkte der Titelsong von Warnes/Bramhall sowie das ergreifende Duett „You Don’t Know Me“ mit Doyle Bramhall sind. Aus dem schlichten Kalkül „Engelsstimme vs. Bar-Voice“ wird hier großes Ohrenkino. Und weil dieses Album auch sonst einige Überraschungen bietet (zum Beispiel ein wild arrangiertes Protestlied von und mit Arlo Guthrie), lohnt sich der Kauf als remastered 24 k Gold-Edition (erhältlich bei verschiedenen deutschen Spezialversandhäusern für ca. 35 EUR). Denn eine audiophile Perle ist dieses Album von Warnes ohnehin.

Doris Day singt nicht ganz jugendfrei

Doris Day ist den meisten Deutschen nur bekannt aus einer Vielzahl zum Teil obskurer und teilweise sehr zeitgeistiger Filme und Komödien der 50er und 60er Jahre. Mit und ohne Rock Hudson. Mit und ohne Alfred Hitchcock, mit dem Sie (in Ihrem ersten filmischen Auslandseinsatz) den berühmten Film „Der Mann der zu viel wusste (1957)“ drehte. Dort sang sie ihren ganz großen Hit „Que sera, sera“ und dieser wurde zu ihrem musikalischen Markenzeichen. Mit dieser wie betoniert sitzenden Blondfrisur, dem freundlichen Gesicht und diesem clean look ist sie gleichermaßen Ikone der 50er Jahre und Inbegriff der sauberen amerikanischen Hausfrau – patent, freundlich und sauber. Doris Day ist aber auch die ausgefuchste Sängerin mit der nicht mehr jugendfreien Sahnestimme – technisch perfekt, in allen Stimmlagen zu Hause, ausdrucksvoll und nur scheinbar naiv macht sie aus dem banalsten Broadway-Schlager eine stimmliche Verführung des Hörers – scheinbar naiv, bezaubernd sexy und technisch unauffällig brillant. Eine Jazz- und Popsängerin, von deren schöner Stimme und brillanter Interpretation der Hörer heute noch verzaubert sein kann.

Was kaum jemand weiß: Die Filmkarriere war (nach einer kurzen, durch Autounfall im Teenageralter vorzeitig beendeten Tanzkarriere) bereits die zweite Karriere der DD. Zuvor war sie, die 1924 Geborene, bereits die berühmteste und am meisten verkaufte amerikanische Sängerin der Nachkriegszeit. Und eine technisch wie künstlerisch beeindruckende Sängerin, die vor allem mit Jazzcombos und Big-Bands seit ihrem ersten Hit Weiterlesen

A Word About Jennifer Warnes

Nachdem ich gestern und heute zum wiederholten Male über das Album von Jennifer Warnes gestolpert bin – und wieder fasziniert, kam das Deja Vu: Mein bescheidenes Ich hatte bereits vor etwa 6 Monaten mal was Treffendes über diese Sängerin und deren wunderbare Stimme gesagt.

Da bleibt nur noch: Hören!

Can't Make You Love Me

„I can’t make you love me“ von Bonnie Raitt ist -wer langsamste Balladen mag- ein Song für die Ewigkeit. Und im Original bereits überirdisch. Umso mehr überrascht mich Bon Iver mit dieser Version – offiziell gut geheißen von Bonnie herself:

Und weil ich gestern den Film „Leonard Cohen – I’m Your Man“ ausschalten musste, weil ein Haufen minder talentierter Menschen mit und ohne Bart sich durch das Werk von Lennie quälten (und mich gleich mit) ist diese Coverversion der Trost.

Was eine interessante Stimme. Wie er die Obertöne des Klaviers einfach mitklingen lässt. Wieviel Zeit er sich nimmt. Großartig, Honey!

Bestmögliche Begleitung trifft Langsamkeit

Dies ist mit Sicherheit ein schönes Stück Musik schon wegen der grandiosen Begleitung. Als Folksongs begeistern mich die Interpretationen von Gillian Welch

Rating: ★★★½☆

jedoch nicht.

Hoch gelobt in der Presse reißt mich bei diesem Album eigentlich nur das perfekte Zusammenspiel von akustischer Gitarrenbegleitung und Gesang vom Hocker. David Rawlings begleitet so unaufgeregt, seine Tempi sind so fließend und seine Übergänge so Weiterlesen

Half the Perfect World

… ist der Titel des immerhin 4. Albums von Madeleine Peyroux. Und wie die Sängerin auf dem Cover (Blick in die Ferne, die klassische Pose der Melancholie) erscheinen auch die Titel. Meist langsam, immer leise und bis auf eine fette Orgel akustisch begleitet singt Peyroux Material von Leonard Cohen (einem anderen Experten für Melancholie), Chaplin und das wunderbare „River“ von Joni Mitchell zusammen mit K.D. Lang in einer Version, die so langsam, so verträumt wirkt wie ein ganz langsamer blauer Alptraum.

Man mag das langweilig oder zu verhalten finden. Ich jedenfalls bewundere den Weiterlesen

Norah Jones & Bonnie Raitt – Tennessee Waltz

Norah Jones ist eigen: Multiple Grammy-Gewinnerin, Millionen verkaufte Platten und <hmmm….> ihre eigenen Alben für mich immer etwas sehr kommerziell. Aber ich habe Jones noch nie schlecht auf der Bühne oder in einem Duett gehört. Ob mit der Dirty Dozen Brass Band (Medicated Magic – Ruler Of My Heart), mit Bonnie Raitt auf deren Live-Album (I Don’t Want Anything Change) oder nur mit ihrer eigenen Band: Jones ist immer bei sich, ziemlich sexy und sehr eigen.

Weiß nicht, warum: Die Stimme? Dieses gemütlich schunkelnde Wurlitzer-Piano? Oder einfach nur der fehlende Schmusefaktor der eigenen Alben. Selbst mit Dolly Parton und dem Titel „Creepin‘ In“ wurde es toll. Genug geredet, mit Bonnie Rait (in Atlantic City) war es ganz gut:

Man könnte auch sagen: Jones lohnt live immer.

The Roches – Nurds (1979)

Drei wunderbar singende Nervensägen
Mit ihrem zweiten Album Nurds reihen sich die drei singenden Schwestern 1979 in den Zeitgeist der feministisch, manchmal auch schräg singenden Gruppen dieser Zeit ein. Wilde Wechsel zwischen betörendem Schön-Gesang und schrägen Dissonanzen und die humorvollen, manchmal bitteren Texte lassen durchweg Spaß und Freude beim Hören aufkommen. Da geht es um die „Nurds“ ebenso wie um „Boat People“ und die „Feminine Position“ – immer mit einem leichten Grinsen und sehr kunstvoll gesungen.
Da die Drei exzellente Harmonie-Sängerinnen sind und interessante Stimmen haben, das Album sehr abwechslungsreich ist machen diese Songs auch heute noch viel Freude.

Das Album ist übrigens auch gut aufgenommen. Ein DR = 14 spricht für sich und den vorsichtigen Umgang mit Kompression.

Rating: ★★★★☆

Good Morning, Trio (Emmylou Harris, Linda Ronstadt, Dolly Parton)

Das Projekt Trio der drei großen Damen des Country war ebenso außergewöhnlich wie einmalig. Drei doch sehr unterschiedliche Künstlerinnen tun sich zu einem akustisch begleiteten Gesangstrio zusammen, bei dem jede Künstlerin Songmaterial und Lead-Stimme beisteuert. Das ganz begleitet von den besten akustischen Musikern der damaligen Zeit. Durch die wirklich sehr unterschiedlichen Stimmen der Drei und auch das sehr breit gefächerte Songmaterial entstand daraus mit dem Album Trio
eins der besten Country-Alben aller Zeiten. Zeitlos, modern und mit Interpretationen, die jede für sich so gekonnt, einfühlsam und angemessen daher kommen wie ein kleine schöne Perlen.

Das Nachfolgealbum Trio II war dann nicht mehr ganz so überragend in meinen Augen, obwohl die Damen weiterhin nichts von Ihren überragenden Fähigkeiten eingebüßt hatten.

Sehr schön zu sehen auf diesem uralten Video – die immer wieder überragende Linda Ronstadt singt die Wolken herunter und wird dabei begleitet von einer sehr reserviert-vollbusigen Dolly Parton, einer geradzu ergriffen sich zurückhaltenden Emmylou Harris und im Hintergrund schwingt Sam Bush die Mandoline zusammen mit einigen dezenten Herren, die gekonnt die Saiteninstrumente bedienen.

Ist doch ergreifend, oder?

Brian Wilson – Live (Tempodrom)

Brian Wilson tritt vor einem nur zu 1/4 gefüllten Tempodrom auf. Eine riesige Band – 10 Musiker, drei bis vier Gitarren, alle bis auf den Drummer und den Bassisten müssen singen. Musiker und der Mann am Mischpult haben sofort meinen Respekt: Sechstimmiger Gesang, zwei Stunden lang und ohne Noten. Wir reden hier nicht von Tralllala – Brian Wilson schreibt richtig schwierige, eng geführte, himmlisch schöne Gesangssätze. So schwer, dass seine Musik lange Zeit als live unspielbar galt.The Brian Wilson Band (Taylor Mills) Und so verwirrend schön, weil jede Stimme „stark“ geführt ist.  Der Sänger und der Hörer möchten ständig von einer einer Stimme auf die andere – springen, weil jede Stimme harmonisch und melodisch stark klingt und trägt.

Mit schwierigen Satzgesängen oder mit zwei 12-seitigen Gretsch-Gitarren (die natürlich pausenlos verstimmt sind) hat diese Band kein Problem. Nicht umsonst bezeichnet Paul McCartney diese- als die derzeit beste Tour-Band der Welt. Jeff Foskett bringt vom rechten Bühnenrand mit einer sehr straighten Gitarre und einer strahlend schönen Tenorstimme die Band immer wieder unter Kontrolle. Daneben singt mit Taylor Mills eine Frau, die (wie wir bei einer minimalen Solopassage hören können) mit einer wunderbar druckvollen, glatten Stimme „Sex in the voice“ singt wie sonst vielleicht nur Sheryl Crow. Links am Bühnenrand ackern zwei Heldentenöre um die Wette (Darian Sahanaja und Scott Bennett), während der Meister selbst zufrieden in der Mitte thront und seinen leisen, fast britischen Humor bei den Ansagen aufblitzen lässt. Bei mehreren Titeln (und den ganz hohen Solostimmen) lässt er Foskett und Sahanaja die erste Stimme, schließt die Augen und hört manchmal nur zu. Das dies eine überragend gute Band sein würde, war mir schon nach dem wunderbaren Album Live At The Roxy (2002) von Wilson klar.

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Frauenpower pur – Motown von Patti Labelle und Laura Nyro


Rating: ★★★★½

Dieses Album beginnt mit einem der ungewöhnlichsten Vokalarrangements: „I Met Him On Sunday“ ein alter Motown-Hit der Shirelles, wird von 4 sehr unterschiedlichen, sehr kraftvollen Frauenstimmen gesungen wie von einer Doowop-Gruppe – jede Frau singt eine Zeile. Eine rhythmisch präzise Begleitgruppe füllt den Sound etwas auf – die Fröhlichkeit und musikalische Begeisterung der Sängerinnen springen sofort auf jeden Hörer über.

Die aufstrebende Singer/Songwriterin Laura Nyro, später bekannt geworden mit ihren sehr experimentellen Alben und Labelle, eine zu diesem Zeitpunkt schon eher stagnierende Gesangsgruppe um Patti Labelle und Nona Hendryx fanden sich 1971 unter etwas merkwürdigen Umständen zu dieser Produktion zusammen. Tagelang saßen die vier Frauen im Studio und probten, ohne eine Note aufzunehmen. Erst kurz vor Ultimo, quasi „One-Take“ entstand dieses ungewöhnliche Album. Die Frische des Gesangs, die zupackenden Arrangements, die hörbare Heiterkeit der Musikerinnen und deren fantastische Stimmen sorgen für Gänsehaut und Überraschung beim Hörer. Begeisterung für die Hits der eigenen Kindheit und der Background der 4 Sängerinnen als Doowop-Straßenmusikerinnen werden hörbar und sorgen für ein Ausnahmealbum.

The Nylons – One Size Fit's All

Rasender Acapella-Pop auf höchstem Niveau, 2. November 2006

Dies ist mit Verlaub das vermutlich beste A-Capella Pop-Album aller Zeiten.

Die vier singenden Kanadier singen sich nur mit Begleitung einer Drumbox durch eine Auswahl überwiegend eigener Songs in einer Perfektion, mit einem Tempo und so viel Sangeslust – bisher unerreicht auch in den zahlreichen späteren Alben dieser heute noch aktiven Band.

Wo andere Gruppen dieser Art mit 5, 6 und neuerdings bis zu 10 Stimmen antreten, macht es diese Band mit 4 – ein Gewinn für die Arrangements. Jede Stimme bleibt klar erkennbar, keine schwammigen Akkorde und äußerste rhythmische Präzision. Die Songs überwiegend up-tempo: Heavenly Bodies und Up The Ladder mit rasanten Tempowechseln, wilden Falsettstimmen und viel Schwung. Prince Of Darkness überzeugt mit einer sehr schnellen und intim wirkenden Stimmführung in höchstem Tempo. Aber auch ganz klassisch mit „Romance“ und dem rasend schnellen, witzigen „Bumble Boogie“ zeigen die vier Herren, was mit Acapella alles geht. Und bleiben dabei immer musikalisch – hier wird niemals stimmliche Effekthascherei betrieben, wie dies leider bei vielen Alben dieser Art der Fall ist.

Wer Acaplla mag, muss dieses Album besitzen.

Persuasions Sing The Beatles (Chesky)

Die Persuasions sind nicht nur eine Acapella und Vocal Legende, sondern auch in der Lage, die legendären Beatles komplett neu zu Gehör zu bringen. So habe ich Beatles Songs jedenfalls noch nicht gehört.

Es gibt Vocal-Groups, die mehr auf Schönklang achten (King’s Singers) oder die wesentlich ausgefeiltere Arrangements haben (wie die Nylons). Aber keine Vocal Group hat diesen magischen Groove, diese Wärme, Souveränität und vor allem so viel Stil! Minimalste Grooves (Rocky Raccoon), lockere, zum Teil fast punkige Interpretationen oft gehörter Titel und eine tolle Auswahl der Titel. Ein Punkt Abzug nur für die manchmal etwas einfallslose Führung der mittleren Stimmen. Aber die Jungs machen das eben seit 30 Jahren so. Der Sound ist wie immer bei dieser Gruppe natürlich, intim und ein Leckerli für jeden Stimmen-Freak.

Ich kenne viele Acapella-Interpretationen von Beatles Songs. Diese hier sind anders: Intim, ohne aufwändige Stimmführungen, eher minimalistisch und sehr sehr bewegend. Aufgenommen in der Ecke einer Kirche auf ein Stereo-Mikro in „One-Take“ zeigen die Persuasions ihre ganze Erfahrung und singen am Stück ihre Art von Beatles. Kein Schönklang und keine „Best of“ Sammlung.

Und die Platte gewinnt, wenn Sie in einem Zug gehört wird. Der magische Groove der Gruppe wird immer intensiver und zum Schluss hat man das Gefühl eine Gospel Session mit Musik von Mozart in einer Produktion von Frank Zappa unter Beteiligung von Donald Fagen zu hören – einmalig!