Top Pop von der Roots-Rock Röhre Soulsister Shelby Lynne

Dies ist vermutlich das Pop-Album, welches Amy Winehouse hätte machen können, wenn sie 10 Jahre länger im Geschäft geblieben und nicht drogensüchtig so früh gestorben wäre:

Das originelle, authentische und absolut abwechslungsreiche Pop-Album mit mächtig viel Retro- und Soul Faktor, mit dem jeder Hörer glücklich werden kann. Aufgedreht und glitzernd wie im Opener „Your Lies“, dramatisch und soulig wie im 2. Titel „Leavin'“, wo Lynne aus Drumbox, Synstrings und unglaublich souligem Gesang das kleine Pop-Soul Ding macht. Schwerer StampfRockPop im 3. Titel „Life is bad“ – nicht so glatt wie Shania Twain, nicht so schlicht wie Sheryl Crow. Danach bei „Thought It Would Be Easier“ eine flüssig-sahnige TR-808 Drumbox und dezente Jazzakkorde auf der Stratocaster und dazu dieser allumfassend soulige Gesang von Lynne. Ganz tief und weich die Leadstimme wie Weiterlesen

Suit Yourself – rückwärts mit dem Stöckelschuh

Suit Yourself ist vermutlich Shelby Lynne’s bestes Album, eine Kombination von beeindruckendem Songwriting, gekonntem Gitarrenspiel der Sängerin und anrührendem, herzergreifendem Gesang. Und doch klingt es so, als wäre das Album mal eben im Vorbeigehen im heimischen Wohnzimmer aufgenommen worden. Der Vergleich mit der durch harte Arbeit erworbenen Leichtigkeit der Schauspielerin und Tänzerin Ginger Rogers sei daher erlaubt.

Shelby Lynne hat ein paar Besonderheiten: Sie sieht zwar gut aus und hat eine Stimme, die von vielen Hörern als „erotisch“ beschrieben wird. Sie ist aber vor allem eine stilsichere und erfahrene Musikerin, die neben ihrem scheinbar völlig entspannten tiefen Gesang auch exzellent Gitarre spielt und deren Songs so clever und raffiniert aufgebaut sind, dass es kaum ein Hörer merkt. Und sie greift immer wieder ganz tief in die Retrokiste, um aus Weiterlesen

Der Zeit weit voraus mit Tiefe, Schwärze und Orgel

… war dieses Bandprojekt Brian Auger & Julie Driscoll: Streetnoise (1970) wie viele andere Musiker aus den Jahren 1966-1970 auch:

Eine unwiderstehliche und intensive Mischung aus (modalem!) Jazz, Soul, Blues und Avantgarde brachte Brian Auger zustande mit der unglaublich charismatischen Sängerin Julie Driscoll und anderen Musikern, die später in anderen britischen Combos berühmt wurden. Der treibende und harmonisch ausgefallene Titel „Tropic of Capricorn“, das tiefschwarze Cover „When I was a young girl“, das programmatisch schmerzhafte „Czechoslovakia“, „Light My Fire“ so abgrundtief intensiv und rabenschwarz-sexy wie kaum eine andere Version dieses vielgespielten Titels. Man mag kaum auf einzelne Titel eingehen – jede Interpretation und vor allem auch die Eigenkompositionen sind über jeden Zweifel erhaben und gehören zum Besten, was im Grenzbereich zwischen den genannten Musikstilen in den letzten 40 Jahren zu hören war. Dieses Album glüht wie ein Komet, kein Wunder, dass die Band sich kurz darauf in alle Himmelsrichtungen zerstreute.

Über die merkwürdigen Umstände der Entstehung dieses Ausnahmealbums ist bei Amazon und in den Liner-Notes schon viel geschrieben worden. Den großen Zeitdruck hört man den scheinbar oft im first take entstandenen Aufnahmen teilweise etwas an. Aber wenn Brian Auger die tiefen Register seiner Orgel dazu bringt, buchstäblich die Wände wackeln zu lassen. Wenn Julie Driscoll raunt und ihre Stimme in die tiefsten Lagen zwingt, wenn Drummer Clive Thacker ebenso kraftvoll wie präzise den Grenzbereich zwischen Hardrock (entstand mit Jeff Beck’s Formation etwa zeitgleich) und Jazz auslotet. Das klingt unfassbar modern, absolut zeitlos und ist übrigens auch (play it loud) sehr gut und durchsichtig aufgenommen. DR = 8 (was man beim Hören nicht glauben mag – so laut und leise wie das Album wirkt).

Ein Album für alle, die sich nicht vor intensiver Musik fürchten und wissen wollen, wie weit die moderne Musik schon 1970 war. Und die auch komplexe Harmonien oder heftige Interpretationen vertragen.

Rating: ★★★★★

Willy is gone

Willy DeVille hat mich immer wieder fasziniert. Das Pathos, die Originalität und die Tiefe – seit dem Erstling seiner früheren Band Mink DeVille finden seine Titel immer wieder mein Ohr. Und heute beim Bügeln fasziniert eines seiner letzten Alben

mich so, dass die Wäsche liegen bleibt. Allein schon der Titel „Muddy Waters rose…“ – das ist wirklich Post-Blues und PostvonAllem. Und kurz danach „Slave To Love“: Von Schmalzlocke Brian Ferry hätte ich das nie hören wollen, aber hier ist es verzweifelt und düster. Verschleppte südamerikanische Rhythmen, trashige Schepper-Drums und knarzige Vocals – aber Willy lebt nicht mehr. Er starb im August 2009.

Retro-Soul-Rock vom Meister der Latino-Ballade


Rating: ★★★★½
Willy DeVille hatte sich seit dem Debütalbum seiner Band Mink DeVille als der ultimative King der Ballade etabliert. Romantischer, männlicher, verletzter und theatralischer klang davor und danach kaum ein anderer. Nach den ersten drei Alben wechselte die Band zum Label Atlantic, bekam mit Jack Nitzsche einen erfahrenen Produzenten und heraus kam:

Eine härtere Gangart. Saxophone und eine sehr präzise rockende Band untermalen DeVille als romantischen Rocker. Keyboards und Akkordeon umrahmen den energetischen Gesang DeVilles. Schwere Drums und altmodisch zerrende Gitarren, auch Marimbas sorgen für bodenständigen Groove.

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Neville Brothers – Best Sound by Daniel Lanois


Die Neville-Brothers haben Aaron Neville, eine der auffälligsten Stimmen des Soul und sie hatten für ihre überragenden Alben „Yellow Moon“ und „Brothers Keeper“ Daniel Lanois als Produzenten. Und der sorgte für einen unglaublichen Sound: Hallfahnen, die traurig mit dem Saxofon verwehen, Delays, die den Rhythmus mit bestimmen, Gitarren, die so scharf und sahnig klingen, als wäre die Endstufenröhre des Fender-Amp direkt an das Gehirn des Hörers angeschlossen. Interessanter, abwechslungsreicher und markanter kann Soul-Pop kaum klingen. Die Zusammenstellung ist gelungen. Wer nicht „Yellow Moon“ – ein Ausnahmealbum – im Regal hat, wird mit diesem Sampler sicher glücklich.
Rating: ★★★★☆

Frauenpower pur – Motown von Patti Labelle und Laura Nyro


Rating: ★★★★½

Dieses Album beginnt mit einem der ungewöhnlichsten Vokalarrangements: „I Met Him On Sunday“ ein alter Motown-Hit der Shirelles, wird von 4 sehr unterschiedlichen, sehr kraftvollen Frauenstimmen gesungen wie von einer Doowop-Gruppe – jede Frau singt eine Zeile. Eine rhythmisch präzise Begleitgruppe füllt den Sound etwas auf – die Fröhlichkeit und musikalische Begeisterung der Sängerinnen springen sofort auf jeden Hörer über.

Die aufstrebende Singer/Songwriterin Laura Nyro, später bekannt geworden mit ihren sehr experimentellen Alben und Labelle, eine zu diesem Zeitpunkt schon eher stagnierende Gesangsgruppe um Patti Labelle und Nona Hendryx fanden sich 1971 unter etwas merkwürdigen Umständen zu dieser Produktion zusammen. Tagelang saßen die vier Frauen im Studio und probten, ohne eine Note aufzunehmen. Erst kurz vor Ultimo, quasi „One-Take“ entstand dieses ungewöhnliche Album. Die Frische des Gesangs, die zupackenden Arrangements, die hörbare Heiterkeit der Musikerinnen und deren fantastische Stimmen sorgen für Gänsehaut und Überraschung beim Hörer. Begeisterung für die Hits der eigenen Kindheit und der Background der 4 Sängerinnen als Doowop-Straßenmusikerinnen werden hörbar und sorgen für ein Ausnahmealbum.

Die Neville Brothers im Klangrausch von Daniel Lanois

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Rating: ★★★★★

Die Neville-Brothers mixen Reggae, Funk, R&B und Soul zu einer interessanten abwechslungsreichen Mixtur. Gekonnter Gesang, ob nun einstimmig wie in dem unglaublichen „Yellow Moon“ von Aaron Neville mit seiner hohen weichen Stimmer oder als Satzgesang – es klingt immer ebenso elegant wie urwüchsig.

Zu einem Ausnahmealbum wird dies aber erst durch die überragende Produktion von Daniel Lanois mit Hilfe seines alten Mitstreiters Brian Eno: Wie hier ein wunderbar durchsichtiger, angenehmer Sound mit ausgefallenen Delay- und Halleffekten kombiniert wird, wie die Gesangsstimmen und einsam wehendes Saxophon per Hallfahne auch in den Rhythmus eingebunden werden – das hört sich einfach unglaublich an und ist einfach ein perfekter Mix. Ausschließlich mit analogem Equipment aufgenommen, ist dies eine Klangperle ohnegleichen. So und nicht anders wünscht man sich viele andere Produktionen.

Soulsyndicate am 05.10.2007

Bassist Oliver OstendorfWie der Website von Soulsyndicate zu entnehmen ist, spielen die Jungs ihren tanzbaren Soul im

Zosch, Fr. 05.10, 22:Uhr

und ich tanze um diese Zeit noch ganz ernsthaft Cha-Cha. Wo das Zosch ist? Keine Ahnung.

Eigentlich wollte ich der Welt nur mal zeigen, wie ein stoischer Bassist (hier: Oliver Ostendorf) im letzten Drittel eines anstrengenden Live-Gigs guckt.

Mavis Staples und Ry Cooder – hier fehlt der Groove

Spiritualität und melancholischer Gospel – Civil Rights und Kirche,

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Rating: ★★★★☆
Wenn Gesang etwas mit Seele und Herz zu tun hat, dann ist die fast 70jährige Mavis Staples der Beweis: Traditionals wie die wunderbar kraft- und hoffnungsvoll interpretierten „We Shall Not Be Moved“ oder „Eyes On The Prize“ atmet sie förmlich aus und legt eine Kraft in ihren Gesang, die bei modernen Sängerinnen nur selten zu finden ist. Mit ihrer tiefen, manchmal richtig raunenden und röhrenden Stimme und unterstützt von großartigen Chören (Ladysmith Black Mambazo und Freedom Singers) interpretiert sie traditionelles Liedgut mit einer emotionalen Tiefe, dass dem Zuhörer buchstäblich die Tränen kommen. Sie erinnert in ihren kurzen eigenen Zeilen daran, was die Bürgerrechtsbewegung erreicht hat (und was nicht) – „In My Eyes“.

War das 2004 erschienene Album „Have A Little Faith“ von Staples eine Art Comeback und Meilenstein mit seinen luftigen Arrangements und seinem rockigen Soul-Feeling, so werden diesmal noch erdigere Töne angeschlagen.

Die von Ry Cooder mit Drummer Jim Keltner und seinem Sohn Joachim produzierte Begleitung wird jedoch der Tiefe und Phrasierungskunst von Staples nicht immer gerecht. Drums und Percussion holpern (an Jim Keltner liegt das erfahrungsgemäß nicht), die viel zur Begleitung verwendete Slidegitarre von Cooder ist zu laut, schneidend, mittig und passt nicht immer zum jeweiligen Song. Und einer der Höhepunkte des Albums „Jesus On The Mainline“ gerät trotz der fantastischen Interpretation der Sänger teilweise völlig aus den Fugen. Das Schlagwerk holpert und die Gitarre wirkt gegenüber dem lockeren und freien Rhythmus der Sänger statisch und deplaziert. Das hat Ry Cooder auf seinem Frühwerk „Paradise And Lunch“ und vor allem auf seinem nicht als CD erhältlichen Live-Album von 1988 mit Willie Greene und Co. wesentlich intensiver und vor allem groovender hinbekommen. So wird leider die Intensität und Tiefe von Mavis Staples durch eine etwas holprige Produktion geschmälert. Trotzdem: Ein weiteres Ausnahmealbum der großartig singenden „Bürgerrechts-Oma“!

Mavis Staples ist eine Überraschung

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Rating: ★★★★☆

Mavis Staples hat diese extrem tiefe Altstimme, fast wie ein männlicher Bariton. Sie singt von Glaube, Hoffnung, Respekt und kann nie leugnen, dass die Staples Singers ihre Wurzeln in der Bürgerrechtsbewegung hatten. Ihre Stimme ist nicht gewaltig wie die von Aretha Franklin, sondern lebt von Ausdruck und Phrasierung. Ein bewegendes Erlebnis, diese fast 70jährige Sängerin zu hören.

Noch besser an diesem Album sind die Grooves: Fette, schwere Rhythmen, die direkt aus der Soundkiste alter Soulplatten von Stax und Motown zu kommen scheinen. Feine akustische Gitarren, grollender Bass, altmodisch funkig kracht das Fender-Rhodes und selbst Hammond-Orgel, Mundharmonika und sparsame Percussions lassen der Musik viel Raum zum Atmen und das Ganze geht richtig ab. Ein feiner, transparenter Sound krönt die wohl beste R & B Produktion der letzten Jahre.

Dirty Dozen Brass Band – Funeral For A Friend (2004)

Wenn katholische Franzosen und Afroamerikaner Musik machen ,

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Rating: ★★★★★
… kommt so ein wunderbares Album heraus. Die Dirty Dozen Brass Band aus New Orleans spielt hier 2004 mit wechselnden Sousaphonisten ein Album nur mit Standards, Kirchenmusik und Gospel ein. Das wohl interessanteste und schönste Album dieser außergewöhnlichen Band.

Das Album verzaubert, es reißt den Hörer mit und rührt zu Tränen.

Das klingt, als wäre der katholische Kirchenchor mit Afro-Beats infiziert. Synkopisch, oft traurig, immer mitreißend und mit dem fantastischen Sound von 6 – 8 Blechbläsern geht es hier durch die amerikanische Musik „New-Orleans Style“. Da zuckt der Bass, da tremolieren die Bläser, da bleibt kein Auge trocken. Und dank einer hervorragenden Produktion testen pumpende Bässe des Sousaphons und messerscharfe Bläser auch jedes Gehör und jede Stereoanlage bis zum Anschlag. Ein wunderbares Album! Rezension bei Amazon.