Angelika Winkler singt in der Kulturbrauerei

Die Schauspielerin Angelika Winkler ist den meisten Menschen aus Ihrer beklemmenden Darstellung gebrochener Frauen bekannt („Edith’s Tagebuch“). Umso erstaunlicher, die Schauspielerin als Sängerin mit einem Programm von wenigen Gedichten und vielen Chansons im Theater Ramba Zamba zu hören.

Hoch konzentriert und begleitet von Klavier und Geige (Daniel Heinzmann, Dragan Radosavieviech) setzt die Schauspielerin mit wenigen Gesten den Rahmen für sehr anspruchsvoll arrangierte- (und schwer zu singende) Chansons. Erstaunlich, was gute Schauspieler auch im Fach Gesang so „drauf haben“. Das Publikum ist fasziniert und die junge behinderte Mitspielerin lockert wunderbar naiv das doch etwas schwerblütige Programm etwas auf. – Sehenswert, hörenswert! Rating: ★★★½☆

Randy Newmann mit Gitarre – eine musikalische Perle

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Rating: ★★★★½

Lyle Lovett ist in Europa weniger als Musiker bekannt denn als Ex-Ehemann von Julia Roberts und interessanter Schauspieler in einigen Filmen von Robert Altmann (The Player, Short Cuts, Cookie’s Fortune) – völlig zu Unrecht. Mit einem ganz bösen Humor, genauer Beobachtung und sehr reduzierter, dafür umso eindringlicherer Sprache entwirft er hier in 18 Songs eine kleine Welt für sich.

Liebe zum Pinguin, das fette Mädchen und warum Lyle Lovett jeden liebt (der Titelsong) bestechen als Songs durch Überraschungseffekt, Authentizität und erinnern mehr an Randy Newman, Townes Van Zandt und ähnliche Singer/Songwriter als an Country, worunter Lovett üblicherweise abgelegt wird.

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Maxim Gorki Theater – Horn's Ende von Christoph Hein

Das ist Theater pur:

Das Maxim Gorki Theater hat diesen Roman von Christoph Hein unglaublich effektvoll umgesetzt. Was dem Kritiker des Kulturradio zu überzogen und zu launig war, hat mir außerordentlich gut gefallen:

Schauspieler, die auch an den Rand des Klamauk gehen dürfen. Eine beängstigend körperliche Darstellung einer Behinderten, eine polnische Ziehtochter des Arztes (überragend Anja Schneider), die so hilflos und degradiert wirkt in ihrer physischen Stärke und Schönheit. Stellvertretende Bürgermeister, die vor Angespanntheit fast zu erstarren scheinen und gegen Ende des Stücks auf Bücherstapeln laufen. Kernige Frauenrollen. Ein wunderbarer Theaterabend!

Die nächsten und letzten Vorstellungen sind am 19.03.08 und 04.04.08 jeweils um 19.30 Uhr. Es lohnt sich.

Veröffentlicht unter Bühne

Pinnacle Showcenter 250HD – solider Streaming-Client für Filme mit schwachem WLAN

Pinnacle ShowCenter 250HD Digital Media Adapter mit Wlan, LAN und USB-Anschluss zur Wiedergabe von Videos in HD-Qualität bis 1080i

Rating: ★★★★☆

Das ShowCenter 250HD ist ein „Streaming-Client“, also ein Netzwerk-Abspielgerät für Video, Audio und Bilder. Es ist -was die Anzahl der verschiedenen abspielbaren Videoformate angeht- in diesem Marktsegment führend. Er benötigt als Datenquelle einen UPnP-kompatiblen Server (hier: TwonkyVision auf WindowsXP) und streamt dann brav und in für meine Begriffe guter Bildqualität alle normalen auf dem PC liegenden Videodateien. Die Anschlüsse sind für unsere Bedürfnisse ausreichend, ein HDMI-Anschluss ist allerdings nicht vorhanden.

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Frauenpower pur – Motown von Patti Labelle und Laura Nyro

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Rating: ★★★★½

Dieses Album beginnt mit einem der ungewöhnlichsten Vokalarrangements: „I Met Him On Sunday“ ein alter Motown-Hit der Shirelles, wird von 4 sehr unterschiedlichen, sehr kraftvollen Frauenstimmen gesungen wie von einer Doowop-Gruppe – jede Frau singt eine Zeile. Eine rhythmisch präzise Begleitgruppe füllt den Sound etwas auf – die Fröhlichkeit und musikalische Begeisterung der Sängerinnen springen sofort auf jeden Hörer über.

Die aufstrebende Singer/Songwriterin Laura Nyro, später bekannt geworden mit ihren sehr experimentellen Alben und Labelle, eine zu diesem Zeitpunkt schon eher stagnierende Gesangsgruppe um Patti Labelle und Nona Hendryx fanden sich 1971 unter etwas merkwürdigen Umständen zu dieser Produktion zusammen. Tagelang saßen die vier Frauen im Studio und probten, ohne eine Note aufzunehmen. Erst kurz vor Ultimo, quasi „One-Take“ entstand dieses ungewöhnliche Album. Die Frische des Gesangs, die zupackenden Arrangements, die hörbare Heiterkeit der Musikerinnen und deren fantastische Stimmen sorgen für Gänsehaut und Überraschung beim Hörer. Begeisterung für die Hits der eigenen Kindheit und der Background der 4 Sängerinnen als Doowop-Straßenmusikerinnen werden hörbar und sorgen für ein Ausnahmealbum.

Amy Winehouse – zu kurz, zu banal, zu schlecht gesungen

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Rating: ★★★☆☆

Ich bin bekennender „Nicht-Fan“ von Amy Winehouse. Ihr Gesang ist in meinen Ohren nicht (wie viele Zeitgenossen finden) aufregend oder gar erotisch, sondern einfach nur bemüht ordinär. Doch wir wollen dem Album nicht Unrecht tun. Wenn eine Plattenfirma so viel Geld für eine Künstlerin ausgibt, dann lohnt sich das in diesem Fall schon:

Kein Zweifel- dies ist ein gut gemachtes Pop-Album! Abwechslungsreiche, gekonnte Arrangements quer durch die Musikstile der 60er Jahre: Motown, Orchesterpop etwas Soul – da ist für jeden etwas dabei. Nur die Sängerin hat nicht die große, abwechslungsreiche und druckvolle Stimme, die es für ein wirklich überragendes Album brauchen würde.

Der unangenehme starke Cockney-Akzent. Die verschleiften, bemüht rotzigen Vokale, der geringe Stimmumfang – irgendwie habe ich immer den Eindruck, dass Amy Winehouse versucht, besonders verrucht zu klingen wie ein 13jähriges Mädchen aus einem Casting-Wettbewerb. Trotzdem ein gelungenes Pop-Album, das gegenüber dem Debütalbum „Frank“ von Winehouse zudem einen wesentlich besseren Sound und abwechslungsreichere Basis-Tracks hat.

Robert Altmann gemächlich mit großartigen Schauspielern

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Rating: ★★★★☆

Robert Altmann entwirft hier eine Pastorale auf dem Land. Jeder kennt jeden seit Jahren und jeder hat ein Geheimnis und schmutzige Wäsche.

Glenn Close versucht, einen Selbstmord der alten Cookie wie Mord aussehen zu lassen. Charles S. Dutton spielt den zu Unrecht verdächtigten Freund der verstorbenen Oma so bärig, versoffen, liebevoll und entspannt, dass eigentlich jeder Verdacht von vorn herein lächerlich zu sein scheint. Liv Tyler kommt als chaotische, nach Catfish (Wels) stinkende Sexbombe zurück in ihre Heimatstadt, alle sitzen zusammen im Gefängnis, spielen Scrabble und die Jüngeren haben Sex. Durch die Kulissen schleicht Lyle Lovett, einer der eindrucksvollsten Nebendarsteller überhaupt als lüsterner Manny, der immer der schönen Liv Tyler an die Wäsche will.

Und jeder hat mit jedem etwas zu tun. Aber die doch recht komplizierte Handlung will ich hier nicht verraten, das wäre unfair.

Die Schauspieler dürfen übertreiben, was einigen Szenen sehr gut tut. Die Schauspieler bekommen ausreichend Zeit für Ihre Szenen (was das gemächliche Tempo des Films bestimmt). Die Abfolge der Szenen, die gekonnten Schnitte, die wunderbar archaisch-bluesige Musik von David Steward (ja, das ist der von den eurythmics) und eindrucksvolle Bilder in warmen Farben. Ein unauffälliger und schöner Film, bei dem der Zuschauer auch beim zweiten und dritten Sehen noch Neues entdecken kann. Und außerdem geeignet für alle Altersstufen.