Joe Jackson – Jumpin Jive (1981)

Swing mit Punk gemixt – tolle Bläser, witzige Songs, 31. Oktober 2006
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Rating: ★★★★☆

„You Run Your Mouth And I Run My Business, Brother“ ein Song über sich hassende Brüder, zeigt ganz gut, wo es hier lang geht: Rasende, komplizierte Bläsersätze (mit auch exotischen Bläsern wie Bassklarinette, Tuba, French Horn), witziger Text, schnelles Tempo und damit ganz im Stil der 40er Jahre, wenn es damals Punker gegeben hätte.

Fast jeder Song hat Ohrwurmqualitäten. Die Bläser spielen in rasendem Tempo um die Wette, teilweise nur noch von der sehr präzisen Rhythmusgruppe um Graham Maby zusammen gehalten. Und dadurch kommt nie die gepflegte Langeweile auf wie bei vielen genretypischen Aufnahmen aus dem Swingbereich. Robby Williams und alle Möchtegern-Crooner drehen sich im Grabe um, wenn sie JJ schmalzen, scatten und croonen hören. Toll sowohl für Pop, als auch für Jazz-Freunde. Und für 10 EUR ein absolutes Muss!

Joe Jackson – Look Sharp (1979)

Punk mit zynischen Texten – Joe Jackson startet durch, 31. Oktober 2006
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Rating: ★★★★★
Dieses Album war der Durchbruch für Joe Jackson, der später mit seinen Stilwandlungen Fans und Gegner verwirrte. Dies hier ist Punkrock – rau, rotzige, ultrapräzise Gitarren, ein wuchtiger Bass und einige wenige Klavierpassagen, die an melodischem Einfallsreichtum an Mozart erinnern.

Grandiose, schmutzige kleine Songs über verblödete Omas, die in ihren Wohnugnen versauern (Sunday Papers), schüchterne Männer am Fenster (Is She Really Going Out With Him), verblödete Paare (Happy Loving Couples) und alles, was das Leben so bietet. Viel Wortwitz, durch die rohe und direkte Art ein Album mit extremem Langzeitwert und übrigens auch toll zum Englisch lernen. Vergleichbar eigentlich nur mit Elvis Costello’s Erstling „My Aim Is True“ – ein einzigartiges Album.

Wunderbarer Jazz-Chanson, toller Sound,

Madeleine Peyroux – Dreamland (1996)

Ein großartiges Debüt-Album der damals noch ganz jungen Madeleine Peyroux: Gradlinige Arrangements (Marc Ribot sorgt für einfühlsame, abwechslungsreiche Gitarrenbegleitung) und ein wunderbarer, müheloser und sehr sauber phrasierender Gesang. So locker, gekonnt und dennoch sexy, dass Assoziationen an die junge Ella Fitzgerald und Bessie Smith wach werden. Eine ganz charakteristische Stimme, die immer selbstverständlich klingt, selbst bei so schwierigen Titeln wie dem „La Vie En Rose“ von Edith Piaf.

Der Stil der Musik ist Bar-Jazz, aber ohne die zum Teil verkrampften Ausflüge in den Pop, die viele neue Produktionen mit jüngeren Sängerinnen versuchen. Ein rundum gelungenes Album mit tollem transparentem Sound der überwiegend akustischen Instrumente.

Geradezu greifbare Gitarren, verhauchtes Akkordeon. Toll. 5 Punkte auch für den Tonmeister.

Working Week – Working Nights (1985)

Brillianter Bläser-Pop aus den 80ern, 25. Oktober 2006
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Rating: ★★★★½
Wenn zwei talentierte und ausgebuffte Bläser mit Jazz-Hintergrund mit einer ausdrucksvollen Sängerin mit Soul-Hintergrund ein gediegenes Pop-Album machen, hört sich das genau so an. Eine Scheibe, die keinerlei Staub angesetzt hat und wohl in 20 Jahren noch modern ist: Feinste Bläsersätze, die selbst auf meinem Vinyl gut und durchsichtig rüber kommen. Rollender Bass und eine Sängerin, die unsentimental, mit viel Druck und leicht metallischer Altstimme den Songs jeden Kitsch nimmt.

Inner City Blues ist zwar ein Standard, aber selten so gut arrangiert wie hier. Sweet Nothing windet sich mit unisono gespielten Passagen und fließendem Tempo in jeden Gehörgang – da verblassen Sade und ähnliche Retortenbands aus den 80ern wohl für immer. Ethno Einflüsse werden perfekt in ein modernes Popgewand umgesetzt.

Habe dieses zauberhafte Album gerade auf Viny wieder entdeckt und kann es nur jedem empfehlen, der Bläser und Gesang mag.

Jeff Beck – Drown in my own tears

Das Konzert von Jeff Beck im letzten Sommer hat mich scheinbar bleibend beeindruckt. Also auf zu Youtube, kurze Suche und TREFFER:

Jeff Beck Drown in my own tears

Wie der große kleine Mann diesen abgenudelten Klassiker interpretiert, das ist wirklich große Kunst.

Peter Finger – Blue Moon

Flinker Finger ohne musikalischen Plan , 15. Oktober 2006

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Rating: ★★☆☆☆

Peter Finger ist sicherlich ein brillianter Gitarrist. Und lässt das auch -vor allem bei den schnelleren Songs- jede Sekunde des Stücks spüren. Aber die ausnahmslos eigenen Stücke (Songs wäre das falsche Wort) lassen musikalische Struktur und Spannung vermissen.

Da werden rasende Läufe abgefeuert, raffinierte Rhythmen gegeneinander gesetzt – alles, was das Gitarristenherz vielleicht begehrt. Aber spätestens bei den langsameren Stücken (wie dem hoffnungsvollen „Sinn ohne Worte“) gerät die Interpretation daneben: Jede, aber auch wirklich jede langsame Note wird zu einem jammernden Vibrato verquält. Die dynamischen Bögen wirken planlos und beliebig. Und die Substanz der Stücke rettet das Ganze nicht. Hier fehlt ein externer Produzent oder Ratgeber und Kompositionen mit Tiefgang. So ist der musikalische Eindruck zerrissen, unfertig, bemüht virtuos. Die CD beschränkt sich damit leider (wie schon beim Kauf befürchtet) auf die Demonstration technischen Könnens.

Als musikalischen Gegenentwurf (musikalischer, wenn auch weniger virtuos) empfehle ich Pat Metheney’s „One Quiet Night“.

Diana Krall – Blond, kommerziell und hier ganz nachdenklich

Dianna Krall macht Pop mit Jazz-Outfit oder umgekehrt.  Die meisten mir bekannten Musiker (vor allem Frauen) hassen sie wegen der klischeehaften Vermarktung ihrer Tonträger – Schlitz im Kleid und tiefer Ausschnitt auf das Sofa geräkelt mit Weichzeichner. Das wäre so ein typisches Krall-Cover. Dabei ist dies (nach Meinung vieler Kenner des Gesamtwerks) ein besonders nachdenkliches und wenig kommerzielles Album der Künstlerin.

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Rating: ★★★☆☆

Aber zur Musik. Krall hat ihre Lektionen gelernt und nicht umsonst jahrelang Unterricht bei großartigen Musikern und Musikpädagogen genommen. Ihr Klavierspiel ist enorm funky, sparsam und immer geschmackvoll. Gut zu hören beispielsweise auf dem Joni Mitchell Cover , wo das Original an Stimmung, Spannung und Stils fast noch übertroffen wird. Ihr Gesang ist mit einer stark timbrierten Altstimme (was viele Menschen angenehm und erotisch finden) nicht platt oder kurzatmig, wie bei vielen weniger geschulten Sängerinnen aus demselben Fach, sondern immer kontrolliert, etwas spröde und klingt sehr konzertant. Handwerklich bessere Musik als diese – wird man in diesem Genre kaum finden.

Und trotzdem: Alles wirkt irgendwie schaumgebremst. Ich habe beim Hören Assoziationen von Bar-Jazz, Auftragsmusik, Hintergrundmusik – es fehlt mir die Spannung, die Dynamik und manchmal auch das etwas weniger Kommerzielle. Für Hörer, die <richtigen> Jazz nicht gewöhnt sind, ist dies jedoch ein hervorragender Einstieg. Und auf dem Cover zeigt die Künstlerin uns zum Glück auch nicht das ganze Programm.

Herwig Mitteregger – Die besten Songs 1983 – 1993

Top Pop – Sahne Texte nah am Schlager , 11. Oktober 2006
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Rating: ★★★★☆

Herwig Mitteregger ist ja eigentlich Österreicher. Daher vielleicht diese lakonischen, knappen, treffenden Texte, die nahe an der Alltagssprache sind und trotzdem Bilder erzeugen, die einfach einmalig sind.

Er ist auch 10 Jahre Profimusiker gewesen, als seine Solokarriere begann. Das führt zu einem Produktionsniveau, welches im Sound modern und im Arrangement unglaublich sicher und geschmackvoll ist. Seine knalligen elektronischen Drums und die nuschelige Stimme halten diese breite Palette von Liebesliedern, Beobachtungen, Kurzdramen, Chansons und Schlagern zusammen. Im Gegensatz zu ähnlichen Produktionen: Nicht so bemüht wie Manfred Maurenbrecher, nicht so kitschig und verquast wie Grönemeyer, nicht so belanglos und beliebig wie Danzer, Ambros und Co.

Für mich mit Abstand die besten deutschen PopNahAmSchlager-Songs eines deutschen Solokünstlers. Herr Mitteregger hätte als Schlagerproduzent ein Vermögen verdienen können – gut, dass er Rocker geblieben ist.