Spliff – 85555, Sagenhaft gewitzter Deutschrock und Top-Produktion

Kaum eine CD einer deutschen Band umfasst so eine Bandbreite an interessanten, witzigen und spannenden Songs. Auch jenseits von Zeitgeist (davon hat dieses Album reichlich): Die Songs haben Hit-Qualitäten ohne Ende. Die Texte sind schlicht genial (“ich kenne ein Land, wo alte Männer regiern, da kann man nicht bleiben, weil da darf nichts passiern”) und niemals gleiten die Songs in dumme Gefühligkeit a’la Grönemeyer oder platten Schlager ab.

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Rating: ★★★★★

Allein für das Songwriting gibt es bei mir schon 5 Punkte.  Aber: Die Band hat einen unverwechselbaren, auch heute noch modernen Sound. Tolle Keyboards (Georg Heil) mit unverwechselbaren Sounds, Bernd Potschka spielt eine unglaublich kühle und schwere Rockgitarre, Manne Präker sorgt für kleine Verschiebungen im Bass und Herwig Mitteregger, der wohl die meisten Texte zu verantworten hat, hält mit knalligen Drums das Ganze zusammen.  Und dann noch: Eine Sahne-Produktion. Toller Sound. Dichte Hallräume, erlesene Studioeffekte, da merkt man die 15 Jahre Band- und Produzentenerfahrung, welche die Musiker später mit großem Erfolg auch anderen Interpreten angedeihen ließen. Für mich eines der besten deutschen Rock-Alben (mit Hang zum Poop) – auch heute noch.

Michael Jackson, Bad – Top Produktion, Meilenstein, hörenswert

Nach Thriller kam BAD und dann? Nun ja: Auch dieses Album setzt (wie das noch ungleich innovativere Album Thriller) Maßstäbe, aber in anderen Bereichen.

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Rating: ★★★★★

Mit “Man In The Mirror” wird hier ein Song-Genre geschaffen, das ich mal als PowerBalladenHymne bezeichnen möchte und seither zigfach ohne große Veränderung kopiert wurde: Leises Schnipsen, raffinierte Bassdrum, bedächtiger Gesang (mit einem tollen Text übrigens, der von Selbstzweifeln, Überwindung und Triumph erzählt) und dann von Strophe zu Strophe mit knalligem, dichten Sound eine gospelartige Hymne, bei der allein schon die mächtigen Chöre vorher in dieser Form nicht gehört wurden.

Auch ansonsten zeigt die dichte und raffinierte Produktion, dass seit dem Erstling Thriller die Samplertechnik weiter gekommen ist. Manchmal sind die Soundeffekte fast schon zu aufdringlich, ordnen sich aber immer dem Song unter. Und “Leave Me Alone” sowie das rohe, rotzige “Another Part Of Me” nehmen mit ihrem erdigen, rauen Sound die späteren Funk-Orgien von Prince und Anderen vorweg.

Schon wegen der Produktion lohnt sich diese Scheibe für jeden, der Pop hört.

Die Top Produktion im R&B, Meilenstein,

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Rating: ★★★★★
Thriller ist ein Meilenstein. Eine solche Produktion mit grandiosen Samples, tighten Beats und rasanten Studiotricks hatte die Welt Anfang der 80er Jahre noch nicht gesehen.

Die Songs haben jeder für sich ein ganz charakteristisches Sounddesign, höchstmöglichen Wiedererkennungswert und Michael Jackson klingt noch wie der Peter Pan der schwarzen Musik (und nicht wie eine Karikatur). Die Songs decken stilistisch eine enorme Vielfalt ab bis hin zum glatten, durch Paul Mc Cartney veredelten Popsong. Und die dichten druckvollen Synthieflächen von Billie Jean reichen aus, um jede bessere Steroanlage zu testen und beim Hörer Gänsehaut hervorzurufen.

Die Videos zu dieser Produktion setzten ebenso Maßstäbe wie das Songwriting. Es gibt an dieser Platte nicht auszusetzen, eine der 10 besten Pop-Produktionen überhaupt.

Auf die Interviews mit Quincy Jones, dem Mann an den Reglern hätte ich persönlich verzichten können. Aber dies ist eben eine Fan-Edition.

Little Village – Rasante Rhythmusarbeit und tolle Songs

Little Village war ein Studioprojekt der renommierten Musiker Ry Cooder (g), John Hiatt (voc,g), Nick Lowe (b) und Jim Keltner (dr). Die Vier bringen hier eigene Songs überwiegend aus der Feder von John Hiatt, die mit allen Genres der amerikanischen Folklore flirten. Das instrumentale Niveau ist durchweg beeindruckend. Ein beeindruckend kraftvoller und transparenter Sound, perfekte Rhythmusarbeit von Lowe und Keltner sowie unglaublich variable Gitarrenarbeit von Ry Cooder sorgen für Spannung und Abwechslung.

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Auch die Songs selbst haben viel Substanz und zum Teil anspruchsvolle, aber auch witzige Texte. Hervorzuheben sind:

“Do You Want My Job” – eine bitterböse Anklage auf Umweltverschmutzung und Globalisierung, die im zuckersüßen Gewand einer südamerikanischen Ballade daherkommt und daher konsquent als langsamer Rumba (!) gestaltet ist.  “Inside Job” – kraftvoller transparenter Rock mit spannendem Text.  “Fool Who Knows” – eine poppige Rocknummer mit Ohrwurmqualitäten und toller Rhythmusarbeit.

Kein Wunder, dass diese vier Musiker von Kritikern hoch gelobt und als Studiomusiker mehr als gefragt waren.

Little Feat, Sailin' Shoes – Meilenstein im Songwriting einer guten Band

Little Feat war (und ist teilweise auch ohne den bereits 1979 verstorbenen Lowell George) eine Band, die außergewöhnlich gehaltvolle Songs schuf. Auf ihrem zweiten Album zeigt die Band hier bereits, in welcher Liga ihr Songwriting spielt; die Qualität der Songs ist grandios – es fehlt teilweise nur noch an der auf späteren Alben zu bewundernden perfekten Umsetzung des Materials als Band.

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Rating: ★★★★☆
Hervorzuheben sind
– Easy To Slip, eine gleißende, schnelle Southern-Rock Nummer
– Cold, Cold, ein schwerer Rocksong mit vertrackten Synkopen und tollem Text
– Willin’, der ultimative und tollste aller Fernfahrer-Songs, unerreicht und wahrscheinlich eine der 10 besten Country Hymnen überhaupt
– Apolitical Blues, ein SlowBlues mit witzigem, satirischem Text, genau richtig für Freunde des frühen Frank Zappa

Und dies ist nur die Spitze des Eisbergs – ein Song ist besser als der andere. Little Feat decken hier praktisch die gesamte Bandbreite der amerikanischen Rockmusik ab und schaffen ein Rockalbum, das auch nach 30 Jahren noch interessant und hörenswert ist. Und die Songs sind zu Recht von zahllosen Bands gecovert worden.

Einen Punkt Abzug gibt es nur für die (historische) Aufnahme mit starkem Bandrauschen und das manchmal etwas unausgewogene, leicht holprige Zusammenspiel der Band. Auf späteren Alben und Live erreichte die Band allerdings bald darauf ein Niveau auch im Zusammenspiel, von dem fast alle anderen Bands heute noch träumen.

Miles Davis – You're Under Arrest

Man Miles Goes Pop – aber wie, 9. September 2006
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Rating: ★★★☆☆
Ein unglaublich treibendes, funkiges, spannendes, nervöses…. Popalbum. Ja, dies ist kein Jazz mehr. Und geht ab wie die Lucie.

Eine schier unglaubliche Rhythmusgruppe (am Bass ist hier Darryl Jones zu hören, der sich seither wohl bei den Rolling Stones täglich langweilt) knallt den Funk raus und MD streut sparsam, mit perfektem Timing und unglaublich pointensicher seine knappen Trompeteneinwürfe.

Time After Time ist ein absolutes Highlight, besser als das Original, melancholisch, verwehend, die Improvisation eines alternden Jazzmeisters über einen zeitlosen Popsong. Aber die geräuschhaften “street scenes” und der sparsame Song “katia” sowie ein anderer Pop-Klassiker “Human Nature” sind auch Perlen. Einen Punkt Abzug, weil nicht alle Songs so gut und gültig sind wie die hier genannten-; teilweise zerfasert die Platte in Geräuschcollagen und Fragmenten – da wurden in meinen Augen Plattenminuten gefülltt.

MD hatte wohl bereits gesundheitliche Probleme, als diese Platte gemacht wurde. Wenige Jahre später sah ich ihn im Konzert – immer noch die perfekte Band, aber Trompete spielen ging kaum noch.

So hat die Platte bei aller Vitalität auch einen Hauch von Abschied und Schmerz in sich.