No Country – müder Kommerz von zwei Ausnahmekünstlern

[amazonjs asin=B000EXZ9P4]
Rating: ★½☆☆☆

Nein, dies ist keine Country Platte. Country ist Steave Earle, Dixie Chicks, Emmylou Harris, Loretta Lynn oder Hank Williams. Dies ist eine auf Mainstream und Radiotauglichkeit für warme Sommerabende designte Produktion, bei der offensichtlich Herr Knopfler die ungute Idee hatte, die wohl renommierteste Sängerin des Country zu benutzen, um einen Crossover-Effekt zu erzielen.

Müde Songs, fast ausnahmslos Slow-Motion, durchschnittliche Gitarrenarbeit des Herrn Knopfler, dessen E-Gitarrenspiel sich anhört wie ein britischer Bluesrocker, der einen VHS-Kurs Country belegt. Das Schlagzeug schleppt (ist wahrscheinlich alles aus der Ferne produziert) und die wenigen Momente, wenn Emmylou mal nicht nur die Backings für Herrn Knopfler, sondern selbst vortragen darf, sind viel zu selten.

Emmylou Harris wäre gut beraten, mal wieder selbst eine Platte zu machen. Wer Country will, halte sich zum Beispiel an die oben stehenden Künstler.

Richard Hawley – Late Night Final (2002)

Der klassische Pop-Songwriter für stille Stunden,

[amazonjs asin=”B00005Q3ZG” locale=”DE” title=”Late Night Final”]

Rating: ★★★★☆

Richard Hawley ist ein britischer Gitarrist aus Sheffield, auf den ich über sein drittes Album Cole’s Corner gestoßen bin. Er produziert hier durchgängig ruhige, stark der klassischen Songstruktur verhaftete Stücke, die sich durch einen sehr warmen, extrem gitarrenlastigen und geräuschhaften Sound sowie die heisere nuschelnde Stimme des Künstlers auszeichnen.

Mir gefallen einfach die Sounds. Da werden Hawaigitarre und verfremdete Jazzbesen durch die Echokammer genudelt, singen Megafone mit klassischen Acoustikgitarren um die Wette und immer hört es sich etwas an wie Daniel Lanois, als der noch richtige Songs gemacht hat und nicht depressiv klingende Soundcollagen. Feine Stücke, interessante Sounds, auch ganz gute Texte und immer etwas zu gut für den Hintergrund. Nur wegen des etwas zurückhaltenden Gesamtkonzepts gibt es keine vollen 5 Punkte, der Mann könnte mehr!

Bluegrass nach vorn – handgemachtes Sommeralbum

[amazonjs asin=B000FFL3AQ]

Rating: ★★★½☆

Die Del McCoury-Band legt hier DAS Sommeralbum des Jahres 2006 für Freunde handgemachter Musik vor. Zwei helle Stimmen im Satzgesang, eine perfekt eingespielte Band mit Kontrabass und diversen Saiteninstrumenten und Auswahl frischer, überwiegend schnell und treibender Songs klingen, als hätte Elvis Presley seine Sun-Sessions in 2006 mit Hilfe modernerer Musiker eingespielt. Lassen Sie sich durch das Etikett Bluegrass nicht abschrecken: Das ist handgemachter Roots-Rock aus der Country-Ecke und für jedes Autoradio brauchbar; erfrischend und handwerklichlich perfekt. Übrigens: Wie bei dieser Sorte von Musikern üblich eine Produktion, die klangtechnisch keine Wünsche offen lässt.

Etwas befremdend allerdings für mich die christlichen Texte: “It’s Suprising, what the Lord can do. Make a sinner almost new..” – das ist die christliche Waschanlage für Gebrauchtwagen, die mich als weniger christlichen Menschen nicht so anspricht. Andererseits erreicht die uralte Geschichte von David und Goliath “Five Flat Rocks” doch ein gospelhaft Intensität, die bemerkenswert ist.

Lucinda Williams – Car Wheels On A Gravel Road

Singer/Songwriter Meisterwerk von Lucinda Williams, 15. Juli 2006
[amazonjs asin=B000007Q8J]
Rating: ★★★★★

Lucinda Williams gehört zur lebendigen “neuen” Country- und Roots-Rocker Szene in den USA wie auch der Produzent dieser CD Steve Earle. Sie schreibt ihre Songs ausnahmslos selbst über Themen wie Trennung, Einsamkeit und auch den ewig schwätzenden Langeweiler. Mit rauer, brüchiger Stimme, eingebettet in feine, extrem abwechslungsreiche Gitarrenarbeit und einer erlesenen Auswahl von Songs. Eine unglaublich durchsichtige und durchhörbare Produktion mit exzellenten Begleitmusikern, vor allem Steve Earle, der einige Songs im Duett mit bestreitet.
Dies ist eine CD für Texthörer, Gitarrenfreunde, Chansonliebhaber, Romantiker und auch Rootsrocker – fantastisch!