Übergriffe in Dessau

Wie das Lawblog meldet, fand kürzlich in Dessau wieder einmal einer dieser wirklich riskanten Polizeieinsätze statt (zum Beispiel: vier Polizisten werfen sich auf einen unbewaffneten Mann). Dessau ist auch die Stadt, wo etwa jedes Jahr Menschen mit Farbiger Haut im Polizeigewahrsam aus Versehen verbrennen oder auch auf der Straße geschlagen/erschlagen werden.

Auch die Neonazis scheinen in  Dessau ganz groß zu sein. Wie schön, dass ein Mitglied unserer Familie dort arbeitet.

Die Neville Brothers im Klangrausch von Daniel Lanois

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Rating: ★★★★★

Die Neville-Brothers mixen Reggae, Funk, R&B und Soul zu einer interessanten abwechslungsreichen Mixtur. Gekonnter Gesang, ob nun einstimmig wie in dem unglaublichen “Yellow Moon” von Aaron Neville mit seiner hohen weichen Stimmer oder als Satzgesang – es klingt immer ebenso elegant wie urwüchsig.

Zu einem Ausnahmealbum wird dies aber erst durch die überragende Produktion von Daniel Lanois mit Hilfe seines alten Mitstreiters Brian Eno: Wie hier ein wunderbar durchsichtiger, angenehmer Sound mit ausgefallenen Delay- und Halleffekten kombiniert wird, wie die Gesangsstimmen und einsam wehendes Saxophon per Hallfahne auch in den Rhythmus eingebunden werden – das hört sich einfach unglaublich an und ist einfach ein perfekter Mix. Ausschließlich mit analogem Equipment aufgenommen, ist dies eine Klangperle ohnegleichen. So und nicht anders wünscht man sich viele andere Produktionen.

Zwei sehr gute Sänger mit einem Weichspüleralbum

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Rating: ★★½☆☆

Robert Plant und Alison Krauss können gut, nein sehr gut singen und haben als Interpreten das kleine Fitzelchen Style, das aus einer schönen Stimme einen guten Sänger macht. So war ich sehr gespannt auf das Album Raising Sand, wurde aber leider heftig enttäuscht. Eine grauenhaft weichgespülte Produktion mit dumpfem, matschigem Sound. Das kling, als wollte der Produzent eine Gruppe Hörgeschädigter nicht aus dem Schlaf wecken. 

Langsame, dumpf abgemischte Tracks mit dröhnigen Bässen untermalen eine sehr abwechslungsreiche Mischung aus modernen Songs (Tom Waits u.a.), die von den Sängern  verhalten, vorsichtig und mit viel Ausdruck dargeboten werden. Da wurde der Sound dem Zeitgeist geopfert. Der Produzent T-Bone Burnett sollte sich eventuell mal bei Interpreten wie Jennifer Warnes oder Rickie Lee Jones umsehen, wie schöne Stimmen richtig in’s Licht gesetzt werden. So aber: Uninteressanter Weichspülpop für Freunde der Hintergrundmusik.

Uninteressanter Sampler ohne Yazoo mit grauenhaftem Sound

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Rating: ★★☆☆☆

Alison Moyet hatte unzweifelhaft mit Yazoo und Vincent Clarke ihre große Zeit. Aber was kam in den 10 Jahren danach? Leider nicht viel Gutes.

Eine sehr umfangreiche Zusammenstellung von Songs der britischen Soul-Röhre, die aus nachvollziehbaren Copyright-Gründen den Schwerpunkt aber ganz klar auf den späteren Soloalben der Künstlerin bei Sony hat. Und diese Titel sind leider (unabhängig vom kommerziellen Erfolg) unterdurchschnittlich. Eine völlig beliebig wirkende Zusammenstellung von Synthiepop-Stücken unterschiedlicher Produzenten, im typischen 80er “Digital-Sägesound” mit starker Kompression nervtötend abgemischt und Moyet singt dazu auf eine wirklich ermüdende, eintönige Art. Immer volle Pulle, ohne jede Nuancierung oder Abstufung – klingt wie “Hauptsache laut mit Synthiebegleitung”. Offenbar war nur der stille Klangtüftler Clarke in der Lage, die Sängerin in wirklich abwechslungsreichen Synthiepop einzubinden und dafür zu sorgen, dass Moyet auch mal leisere Töne anschlägt. Und so ist es bezeichnend, dass das gesanglich beste Stück Moyets “Ode To Boy” nicht auf dem Sampler enthalten ist.

Fazit: Entbehrlich! Die wenigen guten Titel von Yazoo lohnen die Anschaffung nicht.

Donnernde Bläser, Wucht und Traurigkeit

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Rating: ★★★★☆

Joe Jackson hatte nach seinem gefeierten Album “Night And Day” hier ein ganz minimalistisches Konzept versucht. One-Take mit Bläsern, Drums und Band in einer alten Turnhalle, aufgenommen mit wenigen von der Decke hängenden Mikros. – Gelungen!

Es geht los mit krachenden Drums und Bläsern in “The Verdict” so fett, wie ich vorher noch nie und seitdem selten Bläser gehört habe (die Holzwände des Aufnahmeraums tun dem Sound gut). Dramatisch werden Schuld und Sühne abgehandelt, danach geht es weiter mit einem ironischen, verhaltenen, fast gespenstisch dünn instrumentierten “Cha Cha”, der trotzdem viel südamerikanisches Flair hat. “Not Here, Not Now” eine todtraurige Ballade zur stimmungsvollen Untermalung durch eine billige Rhythmbox wird von dem extrem funkigen “You Can’t Get What You Want” abgelöst. Hier kann die glänzend aufgelegte Band mit Vinnie Colaiuta (dr) und Graham Maby (bg) so richtig fetzen. Tolles Gitarrensolo im BeBop-Stil und danach gleich das stampfende, von knallenden Drumschlägen in ein geradezu zwanghaftes Korsett gezwängte “Go For It” mit wilden unisono spielenden Bläsern.

Danach wird es dann etwas flacher, bis das ironisch-traurige “Be My Number Two” für mich jedenfalls das Album beschließt.

Joe Jackson hat nicht umsonst jahrelang die musikalische Schulbank im Konservatorium gedrückt. Nach dem Flirt mit Punk (Look Sharp) und Swing/Punk (Jumpin’Jive) und dem großen Rundumschlag von “Night And Day” sollte es hier großes Drama werden und dicker Sound. Beides gelungen. Und möge sich bitte niemand beklagen über die teilweise spürbare kalte Perfektion des Albums. Joe Jackson ist nie herzlich gewesen in seiner Musik.

Dies ist artifizieller Pop auf höchstem Niveau. Und auch wer nur mal seine Stereoanlage testen will, kann dies mit “Body And Soul” mit viel musikalischer Freude tun.