John Hiatt und sein Traumalbum

John Hiatt hatte mit seinem Album Bring the family (1987)

eine außergewöhnliche Basis. Gerade vom Alkohol weg wurde er von einem A&R Manager gefragt, was seine Traumband für ein Soloalbum wäre. Nick Lowe (b), Ry Cooder (g) und Jim Keltner (dr) war seine Antwort und diese Drei waren (bei einem so guten Songwriter wie Hiatt nicht verwunderlich) sofort bereit, mit ihm in’s Studio zu gehen. Und heraus kam (nach nur vier Tagen Studioarbeit) dieses Ausnahmealbum, mit welchem Hiatt für die nächsten dreißig Jahre seinen Ruf als erwachsenster aller Song-Writer im Rock festigte.

Hier passte Alles: Faszinierende Rocker und Balladen über die auch ernsten Themen des Lebens. Hiatt wird nie kitschig (allenfalls bei der ironischen Ballade „Lipstick Sunset“) und behandelt doch Trennung, Treue und Familie auch von der dunklen Seite. Ebenso eindrucksvolle wie zuückhaltende Slide-Licks von Ry Cooder, dessen bestes Rockalbum dies in meinen Ohren ist. Der völlig stoische und doch immer irgendwie heiter dahin hüpfende Bass des als Bassist doch ziemlich unbekannten Nick Lowe. Und vor allem und immer wieder die variable, spannende, raumfüllende und entspannte Trommelei meines Lieblingsdrummers Jim Keltner. Wie der hier im Rocker „Memphis in the meantime“ Spannung durch eine schwere, leicht gegen die Band verschobene Snare erzeugt. Wie er mit kleinen Glöckchen oder kurzen Figuren auf dem Becken Akzente setze. Und vor allem, wie Keltner gerade hier alle langweiligen und vorhersehbaren Aktionen eines normalen Drummers einfach komplett weg lässt. Es gibt keine „normale“ Schlagzeugarbeit mit Bumm auf die Zwei, sondern im Zweifel wird alles ausgelassen, was die Akzente und Phrasen der anderen Instrumente stören könnte.

So entsteht (vor allem in der unbedingt hörenswerten und vorzugswürdigen Remastered-Version der CD) ein filigranes Klangbild aus fettem Bass, knurrender Slide-Gitarre, luftigen Drums und etwas Piano, das die knarzige Stimme von Hiatt perfekt umrahmt. Besser kann so ein Singer-Songwriter Rockalbum eigentlich kaum klingen. Und die Zusammenarbeit der vier Musiker war so spontan gelungen und erfolgreich, dass sie mit dieser Besetzung als „Supergroup“ Little Village gleich noch ein Ausnahmealbum einspielten.

Little Village

 

Rating: ★★★★★ DR = 11

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