Bemühter Jazzrock von Joni Mitchell mit wenigen Highlights


Rating: ★★½☆☆

Mit diesem Album und dem kurz davor entstandenen „The Hissing Of The Summer Lawns“ verabschiedeten sich die meisten Fans aus dem Lager der Folkies von der bis dahin überragend souveränen Songwriterin Joni Mitchell. Dies war das vierte Album nach den überragenden „Court And Spark“ sowie „Hejira“ und dem ambitionierten „Hissing Of..“ mit energischen Schritten zum Jazz-Rock und das letzte Album der Künstlerin, welches GOLD bekam. Nicht ganz zu unrecht aus heutiger Sicht:

Die lyrische Dichte und der Witz früherer Songs werden ersetzt durch schier endlose, wortreiche Tiraden über relativ beliebige Themen. Dazu einen wuchtigen, vom Bassisten Jaco Pastorius und den offenen Gitarrenakkorden Mitchell’s dominierten Lounge-Jazz. Zwar leisteten die Studio-Profis Alex Acuna und Don Alias (dr) ganze Arbeit und sorgten für einen sehr flüssigen, eleganten Rhythmusteppich. Der Ausnahmebassist Jaco Pastorius trägt mit seinem „fetten“ und stark in den Vordergrund gemischten Fretless-Bass den Sound auf eine abwechslungsreiche und elegante Weise (wie etwa mit den perkussiven tiefen Schlägen auf dem Titelsong). Doch die Beliebigkeit der melodischen Themen und Texte klingt, als wolle Mitchell Sound, Konzept und Stil ihrer überragenden Vorgängeralben im neuen Genre auf niedrigem Niveau kopieren.

Trotzdem ragen einige Songs wirklich heraus: Der Titelsong besticht durch die elegante und wuchtige Begleitung von Pastorius. Mit „Dreamland“ bringt Mitchell zu einem unglaublich dichten, schweren Samba-Beat schöne Assoziationen zu Ferien, Winter und Abreise zu Gehör. Mit den bündigen, satt arrangierten „Off Night Backstreet“ sowie „Otis And Marlena“ beweist sie Gespür für echte Pop-Jazz Hits, bleibt aber insgesamt zaghaft und unentschlossen.

Und wenn in dem schlicht überflüssigen, sich über mehr als 16 Minuten erstreckenden „Paprika Pleins“ Belanglosigkeiten ausgebreitet oder in „The Silky Veils Of Ardour“ fast kreischend gesungene Esoterik verbreitet wird, dann sind dies eben Tiefpunkte im Gesamtwerk einer überragenden Künstlerin.

Erst mit dem anspruchsvollen Jazz-Album „Mingus“ von 1979 und dem eleganten und glatten Jazz-Rock von „Wild Things“ (1982) fand Joni Mitchell wieder zu einer geschlossenen Darstellung von Lyrik und Musik zurück.

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