Yazoo – You And Me Both (1983)

Highlight vom Mozart der Synthies Vince Clarke und der großen Alison Moyet


Rating: ★★★★★

Ein herausragendes Album in der Sparte Pop/Elektronik der 80er Jahre, die wirklich nicht arm waren an Duo-Projekten dieser Art. Nicht nur eine Folge von Hits, sondern sehr anspruchsvolle und streng durchkomponierte und extrem fantasievolle Musik von Vincent Clarke, der die damals noch recht beschränkten Möglichkeiten der Elektronik voll ausreizte und in einem Interview bekannte, niemals dasselbe Pattern (eine kleine abgespeicherte Phrase) zwei Mal zu verwenden – das hört man:

So abwechslungsreich und fantasievoll hat keiner der Zeitgenossen an seinen Instrumenten herumgeschraubt. Wobei das Ergebnis sich immer dem Song und der gewünschten Wirkung unterordnet. Clarke vermeidet bei seinen Arrangements auch alle anderen Sünden der elektronischen Musik: Kein Matsch (wenige Stimmen mit originellen Sounds bleiben klar durchhörbar), kein Bombast (jeder Song verwendet wenige, aber sehr charakterische Sounds), keine Breitwand (alle Stimmen werden sehr polyphon und gegenläufig geführt – hört sich manchmal an wie Bach oder die gefälligeren Stücke von Mozart) und vor allem keine Wiederholung (wirklich: kein Refrain kommt exakt so aus dem Sequenzer wie der vorhergehende). Für die digitale Dünne und den teilweise etwas blechernen Sound der damaligen Synthesizer kann Clarke nichts – die damals üblichen Geräte hörten sich leider hell, spitz und “digital” an.

Clarke liefert damit den meist in hellen Klangfarben gehaltenen Rahmen für eine der schönsten Altstimmen des Pop. Alison Moyet ist mit ihrem großen Volumen und Stimmumfang und ihrer dramatischen Phrasierung eine zeitlos interessante und gute Sängerin. Zwar fehlen ihr definitiv die leisen Töne. Dafür aber erzeugen ihre Interpretationen, beispielsweise das düstere, nur von tiefen percussiven Synthesizerschlägen untermalte “Ode To Boy” Gänsehaut. Und Hymnen wie “Walk Away From Love” oder der Opener des Albums mit dem druckvollen, sicheren Gesang von Moyet und der abwechslungsreichen, stimmigen Begleitung Clarkes gehören zum Besten, was Elektronik und Stimme im Pop hervorgebracht haben.

Das Projekt Yazoo musste zwangsläufig an den unterschiedlichen musikalischen Vorlieben der beiden Künstler (artifizieller Elektropop hier und erdiger R&B Richtung Jazz dort) scheitern. Und ist doch ein gutes Beispiel dafür, wie sich sehr unterschiedliche Musiker befruchten und Großes schaffen können.

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