Jennifer Warnes – Hunter (1993)

Traumhafte Stimme, großartiger Sound und bunt gemischtes Songmaterial,
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Rating: ★★★★½

Jennifer Warnes ist eine dieser ganz großen Sängerinnen, die mit ihrer Stimme fast Alles können: Säuseln, raunen, schluchzen aber auch strahlend laut und hoch druckvoll singen. Sie wurde berühmt durch ihre Arbeiten für Hollywood-Filme („Up Where We Belong“ mit Joe Cocker verkaufte Platin und brachte den Oscar) und veröffentlichte im Verlaufe ihrer 40jährigen Karriere relativ wenige eigene Alben.

Nach ihrer überragenden Zusammenstellung von Leonhard Cohen Songs („Famous Blue Raincoat“) stellt sie hier einige eigene Songs vor (wie den fantastisch arrangierten Titelsong des Albums) die sich eher in der keltischen Folktradition bewegen. Interessanter sind jedoch die Coverversionen: „Rock You Gently“ bringt mit raffiniertem leisem Latino Groove die Erotik von Marvin Gaye in sanfterer Form zu Gehör. In „Big Noise, New York“ einem Steely Dan Song erdet Warnes begleitet von Donald Fagen den kühlen, anspruchsvollen Pop dieses Songs durch ihre überragenden stimmlichen Fähigkeiten und lässt die Musik locker und wie selbstverständlich klingen. Auch „Pretending To Care“, ein Song von Todd Rundgren von dessen leider wenig bekannten Album „Acapella“ gewinnt mit aufwändigem Streicherarrangement und weil Warnes eben die recht schwierige Melodieführung stimmlich locker und ausdrucksvoll hin bekommt. Gerade bei diesem Lied wird aber auch deutlich, wo die Grenzen von Warnes liegen: Durch ihren hohen musikalischen und technischen Anspruch geht teilweise die Spontanität des Originals verloren. Wo Rundgren mit seinen eher beschränkten stimmlichen Möglichen schmachtet und mit den hohen Tönen kämpft, kommt bei Warnes alles wie selbstverständlich und so locker, dass es fast zu sanft scheint.

Zu der überragenden Produktion und dem fantastischen Sound (der allerdings zeitgeistig wie in den 90ern üblich etwas mittenarm ist) ist schon alles gesagt worden. Selten hat man Gelegenheit, ein so erlesene Auswahl von Musikern (Donald Fagen, Lenny Castro, Alec Acuna, Vinnie Colaiuta, Robben Ford, Jerry Hey und Van Dyke Parks) mit einem so differenzierten und guten Sound zu hören. Allein schon die feinsinnigen und treibenden Schlagzeug- und Percussion-Parts sind das Geld für die CD allemal wert. Eine zeitlose Pop-Perle, die Jeder zwischen 30 und 70 auch in 10 Jahren noch hören mag.