Zyxel NSA325_V2 – preiswertes, energiesparendes NAS mit kleinen Macken

Ich habe zwei  (die V1 zu Hause und die V2 im Büro, jeweils mit der aktuellen FW 4.70). Für einige Einsatzzwecke ist dies (die Hardware-Unterschiede V1 und V2 sind minimal) ein sehr gutes Gerät. Preiswert ist es sowieso. Im Einzelnen:

Die Lautstärke: Ja, auch meine im Januar 2014 gekaufte NSA325V2 hat einen Lüfter, den man nach zwei bis 3 Betriebstagen (zuerst war sie ganz leise) in einem ruhigen Zimmer deutlich hört (es ist ein an- und abschwellendes Geräusch, das deutlich über dem Geräuschpegel eines normalen Rechners liegt). Das Gerät ist allerdings auch mit diesem billigen Lüfter deutlich leiser als meine V1 zu Hause (die steht in der Abstellkammer, wo ein NAS eigentlich auch hingehört). Im Büro geht das Geräusch tagsüber im normalen Geräuschpegel unter, abends und nachts ist es deutlich hörbar. Ich werde den Lüfter tauschen gegen einen NB Lüfter 80×80 mm. Es ist leider kein Standardformat (80*80 mm und weniger als 20 mm tief muss er sein). Aber die 8 EUR ist es mir wert. Bei einem Gerät mit diesen Features für weniger als 110 EUR erwarte ich keine Geräuschfreiheit oder wohnzimmertaugliche Geräuschwerte.

Ein NAS ist ein NAS (und sollte nicht mit einem Server verwechselt werden). Die NSA325 V1 läuft zu Hause völlig problemlos als Mediaserver (anders als früher eine Synology DS 212j): Die in der Firmware enthaltene Squeezecenter Software hat den aktuellen Stand und versorgt drei Clients (Squeezebox) aus einer mehr als 20.000 Titel umfassenden Musiksammlung problemlos und auch gleichzeitig. Filme gehen über den eingebauten Twonky Server völlig problemlos, alle vorhandenen Formate werden gestreamt. Allein für die PC-Version des Twonky-Media Server habe ich vor Jahren schon mehr als 20 EUR gezahlt. Die Nutzer sind zufrieden.

Auch als Fileserver ist die Software brauchbar, wenn man keine besonderen Anforderungen stellt. Als Dateiserver im Büro (nur für Backups via Samba CIFS und Rsync) habe ich lediglich eine Festplatte installiert. Hier glänzt die kleine Box V2 mit praxistauglichen Übertragungswerten. Selbst große Backups (Festplatten-Images mit mehr als 20 GB Größe) werden in akzeptabler Zeit übertragen; die Schreibgeschwindigkeiten liegen zwischen 30 – 60 MB/s – das ist für ein Einsteiger-NAS ein hervorragender Wert. Beim Sichern/Schreiben vieler kleiner Dateien (das Datenverzeichnis unseres Fileservers hat mehr als 150.000 Dateien zwischen 15 kb und 100 MB Inhalt) bricht die Performance brutal ein; die Daten tröpfeln dann mit 0,5 – 10 MB/s durch das Netzwerk. Das ist aber bei so einem Gerät absolut normal. Mehrere simultane Zugriffe (2-3 Clients lesend/schreibend) verkraftet die kleine Box auch noch und teilt die Zugriffe gleichmäßig an die Clients auf. Mehr sollte man bei einem solchen Gerät nicht erwarten.

Genial ist der geringe Stromverbrauch: Die nur mit einer 500 GB WD Festplatte bestückte V2 im Büro verbraucht im Idle 9 Watt und bei Zugriffen weniger als 12 Watt. Zum Vergleich verbraucht ein leistungsfähigeres NAS auf Basis eines HP Proliant N36L mit einer vergleichbaren Festplatte mehr als 30 Watt und ein anderer Mini-Server mit einem Intel ATOM D525 Mainboard und einer Festplatte verbraucht 29 Watt im Idle-Modus. Hinzu kommt, dass in der Firmware-Version 4.70 WOL stabil implementiert ist. Mit einem Magic-Packet lässt sich das Gerät von unserem Fileserver nachts aufwecken, macht die Backups und wird danach über Zeitplan schlafen gelegt. All das läuft jetzt seit zwei Wochen völlig stabil.

Auch genial sind die Möglichkeiten, welche sich einem Linux-Enthusiasten über das „Aufbohren“ der Firmeware mittels ffp (Fonz‘ Fon Plug – ein nachrüstbares und in der Zyel-Firmware bereits vorbereitetes Parallel-Linux auf Slackware-Basis) bieten. Wer sich damit etwas beschäftigt und sich durch unendliche Massen von teilweise etwas kryptischen How-To’s und Erfahrungsberichten kämpft (und etwas experimentiert) bekommt zusätzliche Features nachgerüstet wie eine Erweiterung der Samba-Funktionen (über die zyxel_utils), eine rasend schnelle rsync-Spiegelung auch großer Datenbestände (ohne die kindischen Beschränkungen, die der eigene Backup-Dienst der Zyxel-Firmeware hat (ebenso wie bei anderen kommerziellen NAS-Systemen). Aber Vorsicht: Alle diese Änderungen passieren auf der Kommandozeile, die Änderungen lassen sich nicht einfach sichern und sind bei einem Firmware-Update ganz schnell weg.

Die Nachteile müssen erwähnt werden: Die Dateirechte beim Filesharing lassen sich nicht flexibel handhaben; die Dateifreigaben der Zyxel-Firmware beherrschen weder den Import von Benutzern aus einer Samba Domain oder gar AD, es gibt keine Home-Verzeichnisse für angemeldete Benutzer und auch einfache Funktionen wie das Ausblenden von Verzeichnissen (browsable = no) lassen sich nur sehr aufwändig über ffp nachrüsten. Alle erweiterten Konfiguarationsänderungen (auch die Anlage eigener Dateifreigaben) werden standardmäßig nicht gesichert. Die Daten in einem eigenen Verzeichnis sind zwar nicht weg, müssen aber über ffp mittels Kommandozeile umkopiert und danach die eigenen Verzeichnisse neu angelegt werden. Ich empfehle daher, wenn irgend möglich nur die Standard-Freigaben zu verwenden. Die vorbelegten Verzeichnisse Music, Video, Photo lassen sich im Kontrollpanel deaktivieren, wenn Medienserver usw. nicht verwendet werden. Das Verzeichnis „Public“ hat aber alle Rechte für Jedermann – in einem Netzwerk mit abgestuften Rechten nicht die optimale Lösung, aber dafür einfach. Größtes Manko: Die eingebauten Backup-Möglichkeiten sind mehr als bescheiden. Die von Zyxel „Backup-Planer“ genannte Anwendung kopiert nur auf extern an das NAS angebundene Laufwerke, auf ein anderes Zyxel-NAS oder auf ein internes Laufwerk – alles keine besonders tollen Lösungen, wenn man das NAS mit Daten richtig voll packt. Richtig schlimm ist das aber nicht: Da die Windows-Anbindung sehr schnell arbeitet, sichere ich die Videos mit Windows über das Netzwerk auf ein externes Laufwerk an einer Windows Station und die Musikdateien kommen in umgekehrter Richtung. Eine Software wie SyncBack leistet das schnell und problemlos. Für den Heimbereich also durchaus ok.

Tipps: Man sollte das kleine Gerät nicht mit Anwendungen vollpacken. OwnCloud ist zwar vorhanden, unterstützt aber in der derzeitigen Version keine Kalender/Adressen und stellt m.E. auch ein erhebliches Sicherheitsrisiko dar, weil mit den originalen Benutzer-Accounts gearbeitet wird. Überhaupt würde ich ein Einsteiger-NAS, dessen Firmware nicht so häufig aktualisiert wird, keinesfalls ins Internet stellen. My Cloud hört sich zwar toll an, kann aber durch Konfigurationsfehler oder nicht gepatchte Bugs ganz schnell die Hackerbande direkt auf das NAS im Wohnzimmer holen. Der Zeitplaner („Energieeinstellungen“) ist instabil – bei Konfigurationsänderungen kommt es manchmal zu einer Reboot-Schleife (Reboot An oder Reboot Aus), die nur ziemlich aufwändig mit einem angepassten USB-Stick und dem Löschen von Systemverzeichnissen beheben lässt. Machbar, aber nichts für Einsteiger. Vor allem sollte man das Gerät erst komplett einrichten (Anwendungen installieren, Festplatten-RAID einrichten, den Sync abwarten), danach diese Konfiguration sichern und dann erst die Daten (Videos, Musik, WasAuchImmer) per Netzwerk auf das NAS spielen. Und sichern immer vom NAS zum PC. Als alleiniger Fileserver ist das Ding definitiv unbrauchbar. Die Backup-Möglichkeiten sind zu bescheiden und kleine, aber gemeine Firmware-Bugs wie im „Energieplan“ können schnell dazu führen, dass das ganze Gerät neu aufgesetzt werden muss.

Wer aber nur ein Datengrab sucht, einen kleinen Backup-Tank oder einen robusten Medienserver, ist mit diesem kleinen NAS wirklich gut und preiswert bedient. Erst für weit mehr als 200 EUR gibt es vergleichbare Geräte anderer Hersteller, die Daten ebenso schnell und robust ausliefern. Wer sich mit Linux auskennt und etwas Kommandozeile nicht scheut, findet hier die ideale Plattform für Experimente oder auch exotische Anwendungen. Und das alles mit sehr bescheidenem Energiebdarf. Ein praxistaugliches Konzept.

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