Vergessene Perlen – Patty Griffin Silver Bell (2013)

Wenn so ein Album nach mehr als 10 Jahren aus den Archiven einer Plattenfirma auftaucht, ist irgend etwas falsch gelaufen:

Geplant war dieses Album als Nachfolger des rockigen und ziemlich sperrigen Albums „Flaming Red“ – es wurde bereits ca. 2000 aufgenommen. Durch den Wechsel des Labels blieben die im Studio von Daniel Lanois aufgenommenen Stücke über 10 Jahre im Archiv der Plattenfirma liegen – es ist der Wahnsinn.

Denn dies ist ein wirklich gutes Album. Es enthält mit „Truth #2“ einen der stärksten Songs von Griffin, der von den Dixie Chicks zum Hit gemacht wurde. Es hat mit „Perfect White Girls“ eine grandiose Gitarren-Trash Rumba, ein düsterer, perfekt im damaligen Stil von Lanois aufgenommener Titel mit wilden verzerrten Klängen. Auf dem Titelsong und „Boston“ krachen die Gitarren von Doug Lancio ohne Ende. Und dass Griffin sanfte Balladen kann, zeigt sie mühelos vor allem in der zweiten Hälfte des Albums. Was für eine starke Songwriterin sie ist, wusste man bereits von ihrem Debütalbum. Doch dieses Album zeigt, warum Griffin heute zu den musikalisch wie textlich vielseitigsten Songwriterinnen gehört. Eine Perle aus Griffins Umbruchphase, als es weg ging von der sparsamen Begleitung nur mit der eigenen Gitarre. Lohnend und abwechslungsreich wie beispielsweise -der Vergleich sei mir verziehen- mein Lieblingsalbum der Beatles Rubber Soul.

Rating: ★★★★½

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