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Norah Jones langweilte mich

Risikoarme Musik für Stimmungshörer – angenehm und nicht weiter interessant,

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Rating: ★★☆☆☆

Ganz chauvinistisch gefragt: Kann eine schöne Frau langweilen? Mit diesem Album allerdings.

Es beginnt mit einem langsamen Walzer – Gitarre mit Cello und Gesang, mittleres Tempo (Wish I Could). Die schlichten Harmonien erinnern an Leonard Cohen. Das Tempo bleibt gleichmäßig und langsam, die Melodien schlicht bis zur Beliebigkeit. Es ist selten, dass ich mich durch ein Album zappe. Hier war es anders nicht auszuhalten.

Das reißt jedenfalls mich ebenso wenig vom Hocker wie das zaghafte zweite Album von Jones. Hier wird Musikdesign betrieben. Gleichmäßige Dynamik und sehr gleichförmige Tempi lassen einen Song wie den anderen erscheinen. Den letzten spannenden und ansprechenden Song der Künstlerin hörte ich auf ihrem letzten Album (“Creepin’ In” – eine nette Up-Tempo-Nummer mit der glänzend aufgelegten Dolly Parton).

Dieses Album ist sehr gut geeignet für Menschen, die bei Musik nicht gern Überraschungen erleben. Und hat einen sehr angenehmen, ausgewogenen Sound. Ideal zum Autofahren oder als Musik zum Entspannen. Mehr aber auch nicht. Wahrscheinlich verhindert eine einflussreiche Plattenfirma nach dem überragenden kommerziellen Erfolg des Debütalbums hier mit Erfolg künstlerische Eigenständigkeit.

Es ist erstaunlich. Zusammen mit anderen Künstlern ist Mrs. Jones eine selbstsichere, souveräne und wegen ihrer schönen Stimme faszinierende Interpretin. Mit Bonnie Raitt live, mit Herbie Hancock im Studio oder auch mit Dolly Parton auf ihrem zweiten Album “Feels Like Home” wirkt sie wie befreit vom Druck, die brave sanfte Traumverkäuferin der Plattenfirma sein zu müssen und liefert wirklich feine Musik ab.

Volkhochschulkurs in Jazz mit Spaßfaktor

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Rating: ★★★½☆

Ry Cooder tut hier, was er immer tat: Vergessene Volksmusik entdecken. Und landet beim Jazz von Jelly Roll Morton und Bix Beiderbecke sowie hawaianischen Hochzeitsmärschen. Mit ungewöhnlicher Instrumentierung (Tuba, Klarinetten, Vibraphon und viel Gebläse), elegantem Acoutic-Guitar Spiel und einem perfekten Gesangsquartett für die Vocalparts (man höre nur “Nobody”) entsteht hier eine musikalisch andere Welt – Jazz mit vielen Synkopen, seltsamen Arrangements und witzigen Texten (“Shine”). Ein fast schon erzieherischer Ansatz. Bis auf den völlig unbekannten Gitarristen Spence, dessen wilde Synkopen Cooder als Gitarristen sehr beeinflusst haben, sind alle Komponisten der Titel verstorben. Aus den Liner-Notes Cooders erfahren wir viele Details zu Komponisten und Werk. Das ist liebevoll gemacht fast wie eine Fan- oder Klassikedition.

Dem Popfreund wird es nicht gefallen. Und doch ist dies eine der ersten “Pop-Jazz” Platten, technisch perfekt gemacht mit hohem Repertoirewert. Versuchen Sie mal, gute Aufnahmen von Bix Beiderbecke zu bekommen. Und die erlesene Songauswahl wie etwa das lustige und aufwändig arrangierte “Big Bad Bill” sorgen für Langzeitwert. Und dieses Album hat Gesangsparts vom anderen Stern. Sänger Bobby King und sein Vocalquartett sorgen für Gänsehaut mit ihren warmen, weichen und enorm druckvoll gesungenen Parts

Wilder Ritt durch Pop und Acapella – Produzenten-Meisterstück

Rating: ★★★★★

Dieses Album brachte mich zum Acapella. Mit 10 sehr eigenen, extrem kunstvollen, überproduzierten und fantastisch künstlichen Stücken nur mit der eigenen Stimme und ganz vielen Effekten singt und arrangiert sich der Meisterproduzent durch die gesamte Bandbreite von Rock, Pop und Soul. Und schafft es dabei, jedes einzelne Stück authentisch, originell und kunstvoll zu bringen.

“Johnee Jingo” beschwört Afrika und schwarze Musik, “Pretending To Care” schmachtet sich durch die klassische Power-Pop Ballade. Der Kracher “Hodja” (ein echter Top-10 Hit) klingt kräftiger und gospeliger als 95 % der schwarzen R&B-Nummern der 80er Jahre. In “Something To Fall Back On” macht Rundgren mit komplexen 4-6stimmigen Chorsätzen Donald Fagen Konkurrenz. Er rührt in “Honest Work” mit einer schlichten Ballade im Stil der klassischen Folksongs zu Tränen. Und lässt zuletzt noch mit “Mighty Love”, einer klassischen Beach-Boys Nummer mit viel Gospel-Feeling die Pop-Perlen funkeln.

Total überproduziert, mit aberwitzigen Arrangements, einem sicheren Gefühl für die verschiedenen musikalischen Stilarten ist dies wie etwa das fast gleichzeitig entstandene “Back On The Block” von Quincy Jones eine echt tolle Produzentenplatte – manchmal anstrengend, immer interessant, abwechslungsreich sowieso und absolut stilsicher. Da stört es wirklich wenig, dass Todd Rundgren mit Sicherheit nicht die tollste Stimme der Welt hat.

Julia Hülsmann lässt es krachen

Julia Hülsmann lässt es krachen – tolle Randy Newman Cover,
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Wir kennen das Julia Hülsmann Trio als zurückhaltend, fast ernst mit anderen Sängern wie Rebecca Backen und Roger Cicero. Aber hier lassen Sie es so richtig krachen:Wohl inspiriert durch die fantastisch druckvolle und rauhe Stimme der Sängerin Anna Lauvergnac schwingen sich vor allem auch die ständigen Begleiter von Julia Hülsmann, der bodenständig, oft grollend spielende Kontrabassist Marc Muellbauer und immer verspielt und fordernd Heinrich Köbberling (dr) zu Rhythmusattacken und funkigen Passagen auf. Da werden Randy Newman’s Songs – im Original oft elegisch und getragen – zu bösartig rockigen (Let’s Burn Down The Cornfield), ironisch verspielten (Mama Told Me Not To Come) oder vertrackt zappelnden- (You Can Leave Your Hat On, Baltimore) Kabinettstückchen aus der Ecke “Fusion meets Modern Jazz + Rock Singer”.

Beeindruckend auch die kompositorische Leistung von Julia Hülsmann: Wie sie das (politisch unkorrekte-) “Short People” als Instrumental kurzerhand in ein 8-Minuten Feuerwerk aus kleinteiligen Rhythmen zerlegt, das ist überragend. Überragend auch das unglaublich bediente, funkige Spiel der Bandleader am Fender-Rhodes. Herbie Hancock und Donald Fagen lassen grüßen; das ist wohl die rockigste Platte dieser anspruchsvollen Jazzmusiker überhaupt.

Nur die letzten drei Songs fallen leider deutlich ab. Ansonsten bringen diese Interpretationen (ähnlich wie Holly Cole’s Album “Temptation”, aber wesentlich anspruchsvoller) Randy Newmann und seine einmaligen Kompositionen sicher in’s 21. Jahrhundert. Geht ab wie die Luzie und überzeugt auch den anspruchsvollsten Jazzfreund!

Carmel – The Drum is everything (

Stilbildendes Jazz-Pop Album mit kleinen Schwächen, 9. Januar 2007

Rating: ★★★☆☆

Carmel war ein Bandprojekt um die Sängerin Carmel Mc Court und die exzellenten Musiker Gerry Darby (dr) und James Paris (upright bass). Mit diesem erstmals 1984 veröffentlichten Album brachten diese Drei, begleitet von dem exzellenten Organisten Peter Saunders auf zum teil recht brachiale Weise (“I Thought I Was Going Mad”) Pop, Punk, Lounge-Jazz und Bebop zusammen:

Treibender Kontrabass, nervöse, zappelige Drums, fette Hammond-Orgel und ein sehr transparentes Klangbild. Damit war die Gruppe Vorreiter und Inspiration für viele andere Musiker aus diesem Genre, etwa das Holly Cole Trio.

Die Musik geht “gut ab”, ist teilweise tanzbar mit einem echten Hit (“More, More, More”) und interessant zu hören wegen der Virtuosität der Musiker. Nur die etwas schrille, teilweise regelrecht blechern aufgenommene Stimme der Sängerin nervt etwas.

Kammermusik und Jazz mit tollem Gesang,

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Rating: ★★★★☆

Julia Hülsmann komponiert unglaublich raffiniert und spielt so überlegt und zurückhaltend Klavier, dass es manchmal an Klassik erinnert. Die linke Hand fast nicht zu hören, die Rechte arbeitet sich durch faszinierende Variationen und Auflösungen der musikalischen Themen. Nur das entspannte und konzentrierte Spiel ihrer langjährigen Begleiter an b und dr sorgen dafür, dass diese zum Teil musikalisch sehr anspruchsvollen Stücke nicht in reine Kammermusik abgleiten.

So aber wird es spannender Jazz, teilweise sogar richtig groovy. Vor allem am E-Piano verliert das Spiel von Julia Hülsmann die fast körperlose Leichtigkeit und Zurückhaltung und wird kraftvoll und dynamisch. Da bekommt das kleine Trio dann die Wucht und den Drive einer “großen” Band.

Cicero mit seiner geschulten und glatten Stimme gibt den Crooner überhaupt. Was ihm hier an technischen und musikalischen Schwierigkeiten zugemutet wird, ist schon fast mörderisch. Jedoch bleibt seine Interpretation immer entspannt und bringt die sehr vertrackten Melodien locker zur Geltung – ein ideales Zusammenspiel.

Ein Album mit hohem Langzeitwert für Liebhaber anspruchsvoller Jazzmusik. Und hört sich einfach schön an.

The Nylons – One Size Fit's All

Rasender Acapella-Pop auf höchstem Niveau, 2. November 2006

Dies ist mit Verlaub das vermutlich beste A-Capella Pop-Album aller Zeiten.

Die vier singenden Kanadier singen sich nur mit Begleitung einer Drumbox durch eine Auswahl überwiegend eigener Songs in einer Perfektion, mit einem Tempo und so viel Sangeslust – bisher unerreicht auch in den zahlreichen späteren Alben dieser heute noch aktiven Band.

Wo andere Gruppen dieser Art mit 5, 6 und neuerdings bis zu 10 Stimmen antreten, macht es diese Band mit 4 – ein Gewinn für die Arrangements. Jede Stimme bleibt klar erkennbar, keine schwammigen Akkorde und äußerste rhythmische Präzision. Die Songs überwiegend up-tempo: Heavenly Bodies und Up The Ladder mit rasanten Tempowechseln, wilden Falsettstimmen und viel Schwung. Prince Of Darkness überzeugt mit einer sehr schnellen und intim wirkenden Stimmführung in höchstem Tempo. Aber auch ganz klassisch mit “Romance” und dem rasend schnellen, witzigen “Bumble Boogie” zeigen die vier Herren, was mit Acapella alles geht. Und bleiben dabei immer musikalisch – hier wird niemals stimmliche Effekthascherei betrieben, wie dies leider bei vielen Alben dieser Art der Fall ist.

Wer Acaplla mag, muss dieses Album besitzen.

Rasanter Acapella Pop mit Stil und Perfektion

Rating: ★★★★★

Dies ist mit Verlaub das vermutlich beste A-Capella Pop-Album aller Zeiten.  Die vier singenden Kanadier singen sich nur mit Begleitung einer Drumbox durch eine Auswahl überwiegend eigener Songs in einer Perfektion, mit einem Tempo und so viel Sangeslust – bisher unerreicht auch in den zahlreichen späteren Alben dieser heute noch aktiven Band.

Wo andere Gruppen dieser Art mit 5, 6 und neuerdings bis zu 10 Stimmen antreten, macht es diese Band mit 4 – ein Gewinn für die Arrangements. Jede Stimme bleibt klar erkennbar, keine schwammigen Akkorde und äußerste rhythmische Präzision. Die Songs sind überwiegend up-tempo: Heavenly Bodies und Up The Ladder mit rasanten Tempowechseln, wilden Falsettstimmen und viel Schwung. Prince Of Darkness überzeugt mit einer sehr schnellen und intim wirkenden Stimmführung in höchstem Tempo. Aber auch ganz klassisch mit “Romance” und dem rasend schnellen, witzigen “Bumble Boogie” zeigen die vier Herren, was mit Acapella alles geht. Und bleiben dabei immer musikalisch – hier wird niemals stimmliche Effekthascherei betrieben, wie dies leider bei vielen Alben dieser Art der Fall ist.

Wer Acaplla mag, muss dieses Album besitzen.

Wunderbarer Jazz-Chanson, toller Sound,

Madeleine Peyroux – Dreamland (1996)

Ein großartiges Debüt-Album der damals noch ganz jungen Madeleine Peyroux: Gradlinige Arrangements (Marc Ribot sorgt für einfühlsame, abwechslungsreiche Gitarrenbegleitung) und ein wunderbarer, müheloser und sehr sauber phrasierender Gesang. So locker, gekonnt und dennoch sexy, dass Assoziationen an die junge Ella Fitzgerald und Bessie Smith wach werden. Eine ganz charakteristische Stimme, die immer selbstverständlich klingt, selbst bei so schwierigen Titeln wie dem “La Vie En Rose” von Edith Piaf.

Der Stil der Musik ist Bar-Jazz, aber ohne die zum Teil verkrampften Ausflüge in den Pop, die viele neue Produktionen mit jüngeren Sängerinnen versuchen. Ein rundum gelungenes Album mit tollem transparentem Sound der überwiegend akustischen Instrumente.

Geradezu greifbare Gitarren, verhauchtes Akkordeon. Toll. 5 Punkte auch für den Tonmeister.

Diana Krall – Blond, kommerziell und hier ganz nachdenklich

Dianna Krall macht Pop mit Jazz-Outfit oder umgekehrt.  Die meisten mir bekannten Musiker (vor allem Frauen) hassen sie wegen der klischeehaften Vermarktung ihrer Tonträger – Schlitz im Kleid und tiefer Ausschnitt auf das Sofa geräkelt mit Weichzeichner. Das wäre so ein typisches Krall-Cover. Dabei ist dies (nach Meinung vieler Kenner des Gesamtwerks) ein besonders nachdenkliches und wenig kommerzielles Album der Künstlerin.

Rating: ★★★☆☆

Aber zur Musik. Krall hat ihre Lektionen gelernt und nicht umsonst jahrelang Unterricht bei großartigen Musikern und Musikpädagogen genommen. Ihr Klavierspiel ist enorm funky, sparsam und immer geschmackvoll. Gut zu hören beispielsweise auf dem Joni Mitchell Cover , wo das Original an Stimmung, Spannung und Stils fast noch übertroffen wird. Ihr Gesang ist mit einer stark timbrierten Altstimme (was viele Menschen angenehm und erotisch finden) nicht platt oder kurzatmig, wie bei vielen weniger geschulten Sängerinnen aus demselben Fach, sondern immer kontrolliert, etwas spröde und klingt sehr konzertant. Handwerklich bessere Musik als diese – wird man in diesem Genre kaum finden.

Und trotzdem: Alles wirkt irgendwie schaumgebremst. Ich habe beim Hören Assoziationen von Bar-Jazz, Auftragsmusik, Hintergrundmusik – es fehlt mir die Spannung, die Dynamik und manchmal auch das etwas weniger Kommerzielle. Für Hörer, die <richtigen> Jazz nicht gewöhnt sind, ist dies jedoch ein hervorragender Einstieg. Und auf dem Cover zeigt die Künstlerin uns zum Glück auch nicht das ganze Programm.

Country Girls für Jeden

Rating: ★★★☆☆

Diese Compilation ist ein guter Querschnitt durch den zeitgenössischen Country, soweit dieser von Frauen interpretiert wird. Die Auswahl der Songs deckt die gesamte Bandbreite dieses jetzt auch in Europa zunehmend populären Musikstils ab:

Von der traditionellen Bluegrass-Nummer über die (für mich immer wieder unerträgliche-) Schmachtballade mit Geigen und Texten wie “Frau gehört an den Herd und wartet nur auf den Cowboy” bis hin zu großartigem, textlich und stimmlich ambitionierten Contemporary-Country. Und letzteres ist nach Dolly Parton, Emmylou Harris und den alten Damen für mich die große Freude.
Ganz großartig und perfekt wie meistens Deanna Carter (ja, die Tochter von June C.). On The Cover Of The Magazine ist einfach witzig, toll arrangiert und und vor allem auch durch wirklich bediente und perfekte Gitarrenarbeit geadelt. Und wer Country für blöd und langweilig hält, soll doch bitte einfach mal diese kleine Perle nachträllern. Wir sprechen uns wieder 🙂

Auch Sioubhan Maher-Kennedy und diese (wie heißt Sie noch?) Braut von Bruce Springstein kommen modern und gut rüber.

Für einen Sampler (der ja immer einige Durchhänger hat) – kaufenswert!

Linda Ronstadt – Country Rock goes Jazzy Tunes

Rating: ★★★★☆

Linda Ronstadt war mir bisher eher weniger und nur aus der Country-Rock Ecke bekannt. Durch Zufall komme ich an diese Scheibe und bin angenehm überrascht:
Souveräne Songauswahl, nett instrumentiert (auch mit Celli und Geigen)und eine angenehme, unangestrengte Altstimme, der jedenfalls ich die vielleicht 30 Jahre Gesangs- und Bühnenerfahrung anhöre. Natürlich ist die Dame kein Gesangswunder wie die großen Diven des Jazz. Aber ausdrucksstärker und variabler als Norah Jones und Co. ist das allweil.
Besonders gut gefallen mir die rein akustische, teilweise durch Flügelhorn und geschmackvolle Streicher angereicherte Begleitung. Und so locker und gekonnt habe ich den abgedroschenen Cry Me A River lange nicht gehört. Miss Otis Regrets (eine alte Mills Brothers Nummer) kommt elegant und balladesk, wie das diesem Song angemessen ist.
Fazit: So entspannt und gekonnt können das vielleicht nur Country-Folks – Kammerjazz der angenehmen Art.

Persuasions Sing The Beatles (Chesky)

Die Persuasions sind nicht nur eine Acapella und Vocal Legende, sondern auch in der Lage, die legendären Beatles komplett neu zu Gehör zu bringen. So habe ich Beatles Songs jedenfalls noch nicht gehört.

Es gibt Vocal-Groups, die mehr auf Schönklang achten (King’s Singers) oder die wesentlich ausgefeiltere Arrangements haben (wie die Nylons). Aber keine Vocal Group hat diesen magischen Groove, diese Wärme, Souveränität und vor allem so viel Stil! Minimalste Grooves (Rocky Raccoon), lockere, zum Teil fast punkige Interpretationen oft gehörter Titel und eine tolle Auswahl der Titel. Ein Punkt Abzug nur für die manchmal etwas einfallslose Führung der mittleren Stimmen. Aber die Jungs machen das eben seit 30 Jahren so. Der Sound ist wie immer bei dieser Gruppe natürlich, intim und ein Leckerli für jeden Stimmen-Freak.

Ich kenne viele Acapella-Interpretationen von Beatles Songs. Diese hier sind anders: Intim, ohne aufwändige Stimmführungen, eher minimalistisch und sehr sehr bewegend. Aufgenommen in der Ecke einer Kirche auf ein Stereo-Mikro in “One-Take” zeigen die Persuasions ihre ganze Erfahrung und singen am Stück ihre Art von Beatles. Kein Schönklang und keine “Best of” Sammlung.

Und die Platte gewinnt, wenn Sie in einem Zug gehört wird. Der magische Groove der Gruppe wird immer intensiver und zum Schluss hat man das Gefühl eine Gospel Session mit Musik von Mozart in einer Produktion von Frank Zappa unter Beteiligung von Donald Fagen zu hören – einmalig!