Buddy Miller & Band Of Joy

Gestern habe ich auf zdf.kultur Robert Plant mit seiner „Band Of Joy“ gesehen und gehört. Sie stellten bei TheArtistsDen ihr Album von 2010

vor. Das Album ist wirklich gut und hörenswert. Aber es ist von so miserabler Soundqualität, so matschig und ohne jede Dynamik (DR = Dynamic Range 7)  aufgenommen, dass ich es sicherlich nicht häufiger als zwei mal von Konserve hören werde. Robert Plant muss einen massiven Gehörschaden haben oder ich bin von besseren Aufnahmen verwöhnt. Auch sein letztes Album, das (was Musik, Gesang und Interpretation angeht) wunderbare Raising Sand war dumpf und matschig aufgenommen und im Vergleich etwa zu den Produktionen von Daniel Lanois nur mit Dröhnung zu ertragen. Vielleicht gibt Robert Plant ja endlich mal die Verantwortung für Sound und Aufnahme an einen fähigeren Produzenten ab.

Ganz anders der Live-Auftritt: Man mag Robert Plants exaltierte Handgymnastik rund um das Mikrofon finden, wie man will – der Mann ist ein Weiterlesen

Van Halen siegt im Loudness-War

Das neue Album der wieder mit Sänger David Lee Roth vereinten Hardrocker von Van Halen ist ein wunderbares Beispiel dafür, wie man Musik durch schlechte Aufnahme und Mixdown völlig kaputt machen kann.

Die Band rackert sich ab. Die Musik (was man hören kann) ist wirklich inspiriert. Wir hören einen unglaublich interessanten Sänger, einen völlig ausgefuchsten Gitarristen, einen ziemlich wilden Drummer und mit Wolfgang VH (der Sohn des Edward) einen dynamischen, vitalen Bassisten. Aber leider hören wir nichts. Nichts. Das gesamte Album ist zusammengematscht und komprimiert in einem Maße, dass man es auf einem 5 cm kleinen Kofferradio- Weiterlesen

David Lindley & El Rayo X – Win This Record (1982)

Talk To The Lawyer – Afghanistan, CIA und all der Rest.

Dieses 1982 erschienene zweite Soloalbum von David Lindley mit seiner eigenen Band „El-Rayo-X“ ist insgesamt schneller, härter und kommerzieller angelegt als das musikalisch alles überragende Erstwerk „El-Rayo-X“. Die Band hatte nach dem relativ großen Erfolg des Erstlings ausgedehnte Touren absolviert. Dadurch wurde das Zusammenspiel dichter und komplexer.

Der Satzgesang der Band ist komplex und soundfüllend wie selten auf einer Rockplatte. Drummer Ian Wallace knallt eine Rythmusarbeit hin, dass sich die Drumcomputer der 80er anhören wie Spielzeugboxen. Und so spielt sich eine grandios aufgelegte Band durch ein buntes Programm aus Klassikern wie Etta James „Something Got A Hold On Me“, dem heftig groovenden „Brother John“ der Neville Brothers. Man besingt mit „Talk To The Lawyer“ (meinem Lieblingssong des Albums und eine Eigenkomposition) die zweifelhaften Freuden eines Staates mit CIA, Einberufungsbefehlen nach Afghanistan und ohne Anwalt. „Twist And Shout“ – bekannt von Jerry Lee Lewis bis zu den Beatles wird mit peitschendem Rhythmus und aufgedrehtem Gesang so lange durch den Wolf gedreht, bis hier der Partykracher so richtig raus kommt.

Nicht eine Sekunde schlechte Laune; aufgedreht, fröhlich und auf überragend hohem musikalischen Niveau geht es durch die Hinterhöfe der Rockmusik. Die Slide-Gitarre von Lindley singt und jubiliert besser denn je. Und warum dieses Album ebenso wenig wie der Erstling der Band nie in die Charts kam? Weil damals leider die ganze Welt David Bowie, Tina Turner, Queen und ähnliche Stadionrocker hören wollte. – Schade! Ein auch heute noch absolut zeitgemäßes Album. Am Strand, im Auto, beim Joggen – mit dieser Band macht das Leben Spaß und die Musik wird keine Sekunde langweilig oder altbacken.

Starproduzent Greg Landanyi sorgte für einen dichten, angenehmen und durchhörbaren Sound. Bei den Stimmen hört man mit einer guten Anlage oder Kopfhörer buchtstäblich jede der bis zu 6 singenden Lippen. Ein Top-Album und im Wahlkampf 2009 in Deutschland ist meine persönliche Hymne „Better Talk To The Lawyer“ aktueller denn je.

Rating: ★★★★★

Rolling Stones – Exile On Main Street (1972)

Groovende Band mit Experimenten – das beste experimentelle Album der Stones, 29. April 2007

Rating: ★★★★★
Diese Album liefert die selben fetten Grooves wie „Sticky Fingers“ und spielt genau so mit den Stilarten der amerikanischen Musiktradition. Es ist insgesamt experimenteller („Casino Boogie“, „Ventilator Blues“) und hat zu meiner persönlichen Freude wesentlich mehr akustisch begleitete Titel. „Torn And Frayed“, „Sweet Black Angel“ und „Sweet Virginia“ sind zwar nicht geeignet für einen Sänger wie Mick Jagger, der sich eher bei erdigen Rock-Nummern wohl fühlt. Aber diese fast folkloristischen Ausflüge in die Gefilde von Grateful Dead gefallen heute noch und sind gelungen und zeitlos.

Und mit „Happy“ hat das Album auch noch einen zeitlosen Top-10 Hit – was will man mehr?

Rolling Stones – Sticky Fingers

Yes – The Stones can rock: Eines der besten Gitarren-Rock Alben, 29. April 2007

Rating: ★★★★★

Ich bin kein Stones-Fan und werde auch keiner mehr. Aber mit diesem Album und dem ebenfalls fantastischen „Exile On Main Street“ setzten die ehemals britischen Blues-Rocker Maßstäbe:

Mit „Sway“, „Brown Sugar“ und „Can’t You Hear Me Knocking“ wird die Sparte Blues-Rock bedient, dass es eine Freude ist. Krachende Riffs, pumpender Bass und ein energischer Sänger lassen keinen Zweifel aufkommen, in welche Richtung dieses Album marschiert. Keith Richards bedient die Rhythmusgitarre so vorbildlich, dass bestimmt 10 Jahre lang alle Gitarristen dieser Welt versuchten, solche Grooves aufzubauen.

Auch die Sparte „traditioneller Blues“ wird angemessen bedient: „Sister Morphine“ bleibt ein vorbildlicher Song mit feiner Instrumentierung und „You Gotta Move“ ist ein gelungener Zwitter zwischen Hymne und Slow-Blues. Und mit „Dead Flowers“ wird sogar die Sparte Country-Rock auf hohem Niveau bedient.

Amerikanischer und urwüchsiger haben die Stones wohl nie geklungen. Und zeitloser auch nicht.

The Allman Brothers – One Way Out Live At The Beacon (2004)

Wahnsinnig gutes Ensemblespiel einer geschrumpften Band, 10. März 2007

Rating: ★★★★☆

Die Allman Brothers Band lebt – und wie! Ja, es ist tatsächlich wie ein Wunder, wenn eine wirklich gute Band nach Ihrer „großen Zeit“ vor 35 Jahren noch musiziert. Duane Allman, der stilbildende Gitarrist und der ebenfalls überragend gute Bassist der Originalbesetzung sind tot. Beide können nicht vollständig ersetzt werden. Das in heutigen Ohren doch recht zeitgeistige Gegniedel des früheren Gitarristen Richard „Dicky“ Betts werde ich jedenfalls nicht vermissen. Statt dessem übernimmt Greg Allman, ein charismatischer Sänger und origineller Keyboard mit seinen auch neuen Kompositionen das Ruder und steuert mit einer einer ansonsten komplett erneuerte Band in dieses Jahrtausend.

Und die Band marschiert wie ein geschmeidiges Uhrwerk. Mit den Brüdern Trucks (Derek mit seinen erst 28 Jahren an der bedienten Slidegitarre und Butch, der an den Drums für einen unglaublich geschmeidigen und komplexen Rhythmus sorgt) wurde bestmöglicher Ersatz für die alten Bandmitglieder gefunden.

2 Drummer ergänzen sich mit einem auch sehr gediegenen Bassisten zu einer unglaublich kompakten Rhythmusmaschine. Eine Band, die mitten im 4/4 Rocksong auf locker geshuffelten 3/4 mit Swing-Feeling „umsteigt“, wie hier zu hören ist – das ist einfach toll. Das Repertoire ist großartig. Die Hits der Band wie „Whipping Post“ haben bis heute nichts an Originalität und Klasse verloren. Und auch die neueren Kompositionen von Greg Allman überzeugen.

Im Vergleich zu modernen Blues-Epigonen wie Eric Clapton mit ihrem oft statischen Feeling ist dies einfach die Champions-League. Das singt und groovt wie die Hölle von Alabama und wird nicht eine Sekunde langweilig. Durch die im Vergleich zu den Alben der 70er verbesserten Instrumente (die Drums und Becken hören sich abwechslungsreicher an, die Bässe druckvoller und die Gitarren zerren nicht so bemüht wie vor 35 Jahren) bekommt der Sound noch eine Verbesserung mit.

Da stört es wenig, dass Duane Allman einfach noch ausdrucksvoller und „heißer“ gespielt hat. Und dass die 8-Minuten Soli der Band auch heute manchmal etwas lang werden.

Little Feat – Waiting For Columbus (Deluxe Edition) – 1978

Lust auf das beste Live-Album einer Rockband in Top Edition?, 24. November 2006

Rating: ★★★★★

Auch als nicht neutraler Fan dieser Band: Es ist schon immer das anspruchsvollste, musikalisch abwechslungsreichste, vielseitigste, packendste und schönste Live-Album einer Rockband gewesen. Der Abschluss einer Entwicklung, die 1971 mit Der Allman Brothers Band (Live At The Fillmore East) begann. Und auf diesem Nivau wird es das nie wieder geben. Weil keine Band der Welt heutzutage genug Speed und ähnliche Drogen nimmt, um wochenlang zu üben und zu jammen, bis 6 Musiker „laufen“ wie eine gut geölte Nähmaschine.

Diese Edition ist jeden Euro wert: Schon das Booklet verrät interessante Details zur Entstehung des Albums. Zum Beispiel wurden zwar einige Gesangsspuren ausgetauscht wegen Tuningproblemen. Aber Drums (der Trommler Richard Heyward wird endlich einmal angemessen gewürdigt) und Keyboards (der Tastenzauberer Bill Payne) sind Original und ohne Overdubs. Und das bei diesem Niveau und Schwierigkeitsgrad…

Ich erfahre Neues über die Entstehung dieses Ausnahmealbums (Proben, Abmischung, die verwendeten Instrumente). Und freue mich an der überarbeiteten Abmischung und dem fetten, durchsichtigen Sound (mehr Details, feinere Bässe und wirklich schneidende Höhen von Lowell George’s Slidegitarre).

Und dann die zusätzlichen Songs. Wunderbar. „One Love Stand“ oder „A Day At The Dog Races“, den wohl experimentellsten und schnellsten Rocksong aller Zeiten in einer Live-Version – großartig. Und als Zugabe für alle Zweifler dann noch „Red streamliner“ vom Studioalbum Hoy Hoy.

Das ist wie 10 Pakete zu Weihnachten. Das Album sollte in keiner Sammlung fehlen. Und Du wirst es in zwanzig Jahren noch mit Freude hören.

Spliff – 85555, Sagenhaft gewitzter Deutschrock und Top-Produktion

Kaum eine CD einer deutschen Band umfasst so eine Bandbreite an interessanten, witzigen und spannenden Songs. Auch jenseits von Zeitgeist (davon hat dieses Album reichlich): Die Songs haben Hit-Qualitäten ohne Ende. Die Texte sind schlicht genial („ich kenne ein Land, wo alte Männer regiern, da kann man nicht bleiben, weil da darf nichts passiern“) und niemals gleiten die Songs in dumme Gefühligkeit a’la Grönemeyer oder platten Schlager ab.

Rating: ★★★★★

Allein für das Songwriting gibt es bei mir schon 5 Punkte.  Aber: Die Band hat einen unverwechselbaren, auch heute noch modernen Sound. Tolle Keyboards (Georg Heil) mit unverwechselbaren Sounds, Bernd Potschka spielt eine unglaublich kühle und schwere Rockgitarre, Manne Präker sorgt für kleine Verschiebungen im Bass und Herwig Mitteregger, der wohl die meisten Texte zu verantworten hat, hält mit knalligen Drums das Ganze zusammen.  Und dann noch: Eine Sahne-Produktion. Toller Sound. Dichte Hallräume, erlesene Studioeffekte, da merkt man die 15 Jahre Band- und Produzentenerfahrung, welche die Musiker später mit großem Erfolg auch anderen Interpreten angedeihen ließen. Für mich eines der besten deutschen Rock-Alben (mit Hang zum Poop) – auch heute noch.

Little Village – Rasante Rhythmusarbeit und tolle Songs

Little Village war ein Studioprojekt der renommierten Musiker Ry Cooder (g), John Hiatt (voc,g), Nick Lowe (b) und Jim Keltner (dr). Die Vier bringen hier eigene Songs überwiegend aus der Feder von John Hiatt, die mit allen Genres der amerikanischen Folklore flirten. Das instrumentale Niveau ist durchweg beeindruckend. Ein beeindruckend kraftvoller und transparenter Sound, perfekte Rhythmusarbeit von Lowe und Keltner sowie unglaublich variable Gitarrenarbeit von Ry Cooder sorgen für Spannung und Abwechslung.

Auch die Songs selbst haben viel Substanz und zum Teil anspruchsvolle, aber auch witzige Texte. Hervorzuheben sind:

„Do You Want My Job“ – eine bitterböse Anklage auf Umweltverschmutzung und Globalisierung, die im zuckersüßen Gewand einer südamerikanischen Ballade daherkommt und daher konsquent als langsamer Rumba (!) gestaltet ist.  „Inside Job“ – kraftvoller transparenter Rock mit spannendem Text.  „Fool Who Knows“ – eine poppige Rocknummer mit Ohrwurmqualitäten und toller Rhythmusarbeit.

Kein Wunder, dass diese vier Musiker von Kritikern hoch gelobt und als Studiomusiker mehr als gefragt waren.

Little Feat, Sailin' Shoes – Meilenstein im Songwriting einer guten Band

Little Feat war (und ist teilweise auch ohne den bereits 1979 verstorbenen Lowell George) eine Band, die außergewöhnlich gehaltvolle Songs schuf. Auf ihrem zweiten Album zeigt die Band hier bereits, in welcher Liga ihr Songwriting spielt; die Qualität der Songs ist grandios – es fehlt teilweise nur noch an der auf späteren Alben zu bewundernden perfekten Umsetzung des Materials als Band.

Rating: ★★★★☆
Hervorzuheben sind
– Easy To Slip, eine gleißende, schnelle Southern-Rock Nummer
– Cold, Cold, ein schwerer Rocksong mit vertrackten Synkopen und tollem Text
– Willin‘, der ultimative und tollste aller Fernfahrer-Songs, unerreicht und wahrscheinlich eine der 10 besten Country Hymnen überhaupt
– Apolitical Blues, ein SlowBlues mit witzigem, satirischem Text, genau richtig für Freunde des frühen Frank Zappa

Und dies ist nur die Spitze des Eisbergs – ein Song ist besser als der andere. Little Feat decken hier praktisch die gesamte Bandbreite der amerikanischen Rockmusik ab und schaffen ein Rockalbum, das auch nach 30 Jahren noch interessant und hörenswert ist. Und die Songs sind zu Recht von zahllosen Bands gecovert worden.

Einen Punkt Abzug gibt es nur für die (historische) Aufnahme mit starkem Bandrauschen und das manchmal etwas unausgewogene, leicht holprige Zusammenspiel der Band. Auf späteren Alben und Live erreichte die Band allerdings bald darauf ein Niveau auch im Zusammenspiel, von dem fast alle anderen Bands heute noch träumen.

Zappa konnte Live am besten

… denn der genialische Tüftler stand sich bei seinen Studiowerken häufiger selbst im Weg. Erst mit seinen sorgfältig zusammen gestellten Bands konnte der Maestro zeigen, was in seinen Songs für Substanz steckt auch jenseits der provokanten Experimente.

Rating: ★★★★☆

Hier hatte er gerade eine neue Band zusammen gestellt, mit zwei gnadenlos guten Sängern richtige „Rampensäue“ dabei und die Mothers grooven wie Hölle. Für mich die beste Live-Band der frühen Siebziger, völlig abgedrehte (aber lustige) Texte und eine auf den Punkt reagierende, homogene Band. Rasante Tempowechsel, irrwitzige Gesangseinlagen („Happy Together“ gefolgt von „Tears began to fall“) und vor allem die unfasslich konzentrierte Live-Atmosphäre sind einfach Klasse.

Eines meiner 10 Rock-Livealben für die Insel.

Anderer Anspieltipp aus dieser Zeit ist „Just Another Band From LA“.

Little Feat – Dixie Chicken (1973)

Schmelz, Druck und DIE Band

Rating: ★★★★★

Dixie Chicken ist eine meiner 10 Platten für die Insel (im Wechsel mit der ebenfalls fantastischen Live-Scheibe „Waiting for Columbus“. Die Aufnahmequalität ist historisch, aber die Songs – diese Songs…

Two Trains ist ein Einstieg für Leute, die auch von ungeraden Metren nicht verwirrt werden. Leicht akademisch, aber „very steamy southern style – man“. The „Fat Man in The Bathtub“ dürfte bekannt sein. Federnder Rhythmus, lustiger Text a’la Zappa und der coolste Einsatz von Cowbells überhaupt. Kein Wunder. Teile der Band haben sich im Clan von Frank Zappa kennen gelernt.

Dixie Chicken mit seinem vertrackten Rumba-Shuffle begeistert die Fans der Band live ohne Ende und gehört mit seinem witzigen Text (man denke nur an „From Dusk Till Dawn“) zu den Highlights des intelligenten Rock. Hier in einer mehr akademischen und noch stärker vom Fender-Rhodes des Tastengottes Bill Payne dominierten Version.

Aber ich liebe die Feats und Lowell George liebt so schön und unglücklich. „Roll Um Easy“ ist mit der intimen Gitarrenbegleitung einer der tollsten Torch-Songs überhaupt.

Dies ist sicherlich keine Platte für Freunde des Mainstream. Aber wer Rock auch jenseits der 4/4 mag, findet hier DIE Songperlen der 70er – have fun….