Kat Edmonson – Way Down Low (2013)

Kat Edmonson, die noch junge Sängerin mit der kratzigen, extrem modulationsreichen Stimme, ist meine große Hoffnung im Grenzbereich von Pop und Jazz.

Auf diesem ihrem zweiten Album trägt Sie eigenes Songmaterial vor, dessen ironische, nachdenkliche und doch immer heitere Machart mich immer wieder zu kleinen Lachern zwingt. Wenn Sie beispielsweise in ihrem Song „Champagne“ über das gleichnamige Getränk sinniert und dessen Auswirkungen auf ihren eigenen Umgang mit dem anderen Geschlecht – ganz leicht, immer etwas distanziert und dazu mit den drolligsten sängerischen „Tricks“ – schon mal ein angetrunkenes Mädel singen hören? Sie deutet das nur ganz kurz an und gut ist. Es ist zum Kugeln (den Song gibt es übrigens auch bei YouTube). Nie wird es platt, nie sentimental und wenn die junge Texanerin mit breit rollenden Vokalen raunzt, dass sie irgendwie nicht für „diese Zeiten“ gemacht sei (I Just Wasn’t Made for These Times), dann glaubt man ihr das sofort. Zwar nicht ohne Mikrofon, aber als Jazz-Pop Sängerin hätte sie auch in den 50er oder 60er Jahren große Karriere gemacht.

Ihre Gesangstechnik ist ebenso originell wie songdienlich: Sie raunzt, gurrt, dehnt Vokale wie früher vielleicht Amy Winehouse, variiert geschickt das Tempo und wechselt Weiterlesen

Pretending to Care

Todd Rundgren hat auf seinem famosen Album Acapella nicht nur die volle Palette des Pop in alle Richtungen erkundet. Sondern auch mit diesem bitteren und ergreifenden Song auch ein Lied komponiert, das ich durchaus in eine Reihe mit „Yesterday“ oder „God Only Knows“ stellen würde.

Kommt gut mit kleinem Orchester, aber die reine Acapella-Version auf seinem Album klingt noch künstlicher, poppiger. Das wäre mal ein Song für George Michael.

Top Pop von der Roots-Rock Röhre Soulsister Shelby Lynne

Dies ist vermutlich das Pop-Album, welches Amy Winehouse hätte machen können, wenn sie 10 Jahre länger im Geschäft geblieben und nicht drogensüchtig so früh gestorben wäre:

Das originelle, authentische und absolut abwechslungsreiche Pop-Album mit mächtig viel Retro- und Soul Faktor, mit dem jeder Hörer glücklich werden kann. Aufgedreht und glitzernd wie im Opener „Your Lies“, dramatisch und soulig wie im 2. Titel „Leavin'“, wo Lynne aus Drumbox, Synstrings und unglaublich souligem Gesang das kleine Pop-Soul Ding macht. Schwerer StampfRockPop im 3. Titel „Life is bad“ – nicht so glatt wie Shania Twain, nicht so schlicht wie Sheryl Crow. Danach bei „Thought It Would Be Easier“ eine flüssig-sahnige TR-808 Drumbox und dezente Jazzakkorde auf der Stratocaster und dazu dieser allumfassend soulige Gesang von Lynne. Ganz tief und weich die Leadstimme wie Weiterlesen

Doris Day singt nicht ganz jugendfrei

Doris Day ist den meisten Deutschen nur bekannt aus einer Vielzahl zum Teil obskurer und teilweise sehr zeitgeistiger Filme und Komödien der 50er und 60er Jahre. Mit und ohne Rock Hudson. Mit und ohne Alfred Hitchcock, mit dem Sie (in Ihrem ersten filmischen Auslandseinsatz) den berühmten Film „Der Mann der zu viel wusste (1957)“ drehte. Dort sang sie ihren ganz großen Hit „Que sera, sera“ und dieser wurde zu ihrem musikalischen Markenzeichen. Mit dieser wie betoniert sitzenden Blondfrisur, dem freundlichen Gesicht und diesem clean look ist sie gleichermaßen Ikone der 50er Jahre und Inbegriff der sauberen amerikanischen Hausfrau – patent, freundlich und sauber. Doris Day ist aber auch die ausgefuchste Sängerin mit der nicht mehr jugendfreien Sahnestimme – technisch perfekt, in allen Stimmlagen zu Hause, ausdrucksvoll und nur scheinbar naiv macht sie aus dem banalsten Broadway-Schlager eine stimmliche Verführung des Hörers – scheinbar naiv, bezaubernd sexy und technisch unauffällig brillant. Eine Jazz- und Popsängerin, von deren schöner Stimme und brillanter Interpretation der Hörer heute noch verzaubert sein kann.

Was kaum jemand weiß: Die Filmkarriere war (nach einer kurzen, durch Autounfall im Teenageralter vorzeitig beendeten Tanzkarriere) bereits die zweite Karriere der DD. Zuvor war sie, die 1924 Geborene, bereits die berühmteste und am meisten verkaufte amerikanische Sängerin der Nachkriegszeit. Und eine technisch wie künstlerisch beeindruckende Sängerin, die vor allem mit Jazzcombos und Big-Bands seit ihrem ersten Hit Weiterlesen

Honest Work (Todd Rundgren, Acapella 1985)

Ein Weihnachtslied der anderen Art. Todd Rundgren brachte mit Acapella (1985) ein bizarres, faszinierendes Album heraus. Acapella – nur mit der eigenen Stimme und Tonnen elektronischer Effekte. Brilliante Arrangements, Songs wie ein Kaleidoskop von Pop und Gospel, abwechslungsreich, rau und direkt wie kein anderes Album dieser Art. Was soll ich sagen, lest den Review oder hört Euch das Album an, auf dem auch solche Perlen wie „Pretending To Care“ enthalten sind.

Und ganz am Ende dieses Albums kommt mit „Honest Work“ ein kleines Lied über (keine) Arbeit und Hoffnungslosigkeit – dreistimmig, einfach und anrührend. Dieses war mein Weihnachtslied 2009 – live unter dem Weihnachtsbaum. Hier ausnahmsweise mal in zwei Versionen. Die erste ist authentisch – der Meister selbst live bei der Tour nach Erscheinen des Albums:

Die zweite Version ist die Studiofassung mit dem Plattencover:

Listen to the words.

Brian Wilson – Live (Tempodrom)

Brian Wilson tritt vor einem nur zu 1/4 gefüllten Tempodrom auf. Eine riesige Band – 10 Musiker, drei bis vier Gitarren, alle bis auf den Drummer und den Bassisten müssen singen. Musiker und der Mann am Mischpult haben sofort meinen Respekt: Sechstimmiger Gesang, zwei Stunden lang und ohne Noten. Wir reden hier nicht von Tralllala – Brian Wilson schreibt richtig schwierige, eng geführte, himmlisch schöne Gesangssätze. So schwer, dass seine Musik lange Zeit als live unspielbar galt.The Brian Wilson Band (Taylor Mills) Und so verwirrend schön, weil jede Stimme „stark“ geführt ist.  Der Sänger und der Hörer möchten ständig von einer einer Stimme auf die andere – springen, weil jede Stimme harmonisch und melodisch stark klingt und trägt.

Mit schwierigen Satzgesängen oder mit zwei 12-seitigen Gretsch-Gitarren (die natürlich pausenlos verstimmt sind) hat diese Band kein Problem. Nicht umsonst bezeichnet Paul McCartney diese- als die derzeit beste Tour-Band der Welt. Jeff Foskett bringt vom rechten Bühnenrand mit einer sehr straighten Gitarre und einer strahlend schönen Tenorstimme die Band immer wieder unter Kontrolle. Daneben singt mit Taylor Mills eine Frau, die (wie wir bei einer minimalen Solopassage hören können) mit einer wunderbar druckvollen, glatten Stimme „Sex in the voice“ singt wie sonst vielleicht nur Sheryl Crow. Links am Bühnenrand ackern zwei Heldentenöre um die Wette (Darian Sahanaja und Scott Bennett), während der Meister selbst zufrieden in der Mitte thront und seinen leisen, fast britischen Humor bei den Ansagen aufblitzen lässt. Bei mehreren Titeln (und den ganz hohen Solostimmen) lässt er Foskett und Sahanaja die erste Stimme, schließt die Augen und hört manchmal nur zu. Das dies eine überragend gute Band sein würde, war mir schon nach dem wunderbaren Album Live At The Roxy (2002) von Wilson klar.

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Culture Club – Feinster, naiver Pop

Heute hatte Allmusic das wunderbare Album Kissing to be clever der britischen Band Culture Club als Album of The Day. Als 1983 der wunderbare Konzermitschnitt aus dem Hammersmith Odeon „A Kiss Across The Ocean“ heraus kam, von dem heute nur noch über Youtube einzelne Ausschnitte erhältlich sind

da war ich fasziniert:
Ein ausgelassenes, heiteres und pausenlos kreischendes Publikum und eine recht farbenfrohe Band feiern die Pop-Weihnacht. So elegante,geschmeidige Popsongs. Ein Frontman, der so weiblich und androgyn erscheint wie sein großes Vorbild David Bowie (aber wesentlich besser singen kann). Das war nicht meine Welt damals, aber diese heiteren, verspielten Fans und eine richtig gute Pop-Band berühren mich auch heute noch. Und allein die Kompositionen auch: Der federnde Bass und die fröhlich pfeifende Harmonika in „Karma Chameleon“, der superelegant auf Pop getrimmte R&B von „I’ll Tumble 4 Ya“ – das hat mehr Stil als viele hundert andere Pop-Songs dieser Zeit.

Amy Winehouse – zu kurz, zu banal, zu schlecht gesungen


Rating: ★★★☆☆

Ich bin bekennender „Nicht-Fan“ von Amy Winehouse. Ihr Gesang ist in meinen Ohren nicht (wie viele Zeitgenossen finden) aufregend oder gar erotisch, sondern einfach nur bemüht ordinär. Doch wir wollen dem Album nicht Unrecht tun. Wenn eine Plattenfirma so viel Geld für eine Künstlerin ausgibt, dann lohnt sich das in diesem Fall schon:

Kein Zweifel- dies ist ein gut gemachtes Pop-Album! Abwechslungsreiche, gekonnte Arrangements quer durch die Musikstile der 60er Jahre: Motown, Orchesterpop etwas Soul – da ist für jeden etwas dabei. Nur die Sängerin hat nicht die große, abwechslungsreiche und druckvolle Stimme, die es für ein wirklich überragendes Album brauchen würde.

Der unangenehme starke Cockney-Akzent. Die verschleiften, bemüht rotzigen Vokale, der geringe Stimmumfang – irgendwie habe ich immer den Eindruck, dass Amy Winehouse versucht, besonders verrucht zu klingen wie ein 13jähriges Mädchen aus einem Casting-Wettbewerb. Trotzdem ein gelungenes Pop-Album, das gegenüber dem Debütalbum „Frank“ von Winehouse zudem einen wesentlich besseren Sound und abwechslungsreichere Basis-Tracks hat.

Zwei sehr gute Sänger mit einem Weichspüleralbum

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Rating: ★★½☆☆

Robert Plant und Alison Krauss können gut, nein sehr gut singen und haben als Interpreten das kleine Fitzelchen Style, das aus einer schönen Stimme einen guten Sänger macht. So war ich sehr gespannt auf das Album Raising Sand, wurde aber leider heftig enttäuscht. Eine grauenhaft weichgespülte Produktion mit dumpfem, matschigem Sound. Das kling, als wollte der Produzent eine Gruppe Hörgeschädigter nicht aus dem Schlaf wecken. 

Langsame, dumpf abgemischte Tracks mit dröhnigen Bässen untermalen eine sehr abwechslungsreiche Mischung aus modernen Songs (Tom Waits u.a.), die von den Sängern  verhalten, vorsichtig und mit viel Ausdruck dargeboten werden. Da wurde der Sound dem Zeitgeist geopfert. Der Produzent T-Bone Burnett sollte sich eventuell mal bei Interpreten wie Jennifer Warnes oder Rickie Lee Jones umsehen, wie schöne Stimmen richtig in’s Licht gesetzt werden. So aber: Uninteressanter Weichspülpop für Freunde der Hintergrundmusik.

Uninteressanter Sampler ohne Yazoo mit grauenhaftem Sound

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Rating: ★★☆☆☆

Alison Moyet hatte unzweifelhaft mit Yazoo und Vincent Clarke ihre große Zeit. Aber was kam in den 10 Jahren danach? Leider nicht viel Gutes.

Eine sehr umfangreiche Zusammenstellung von Songs der britischen Soul-Röhre, die aus nachvollziehbaren Copyright-Gründen den Schwerpunkt aber ganz klar auf den späteren Soloalben der Künstlerin bei Sony hat. Und diese Titel sind leider (unabhängig vom kommerziellen Erfolg) unterdurchschnittlich. Eine völlig beliebig wirkende Zusammenstellung von Synthiepop-Stücken unterschiedlicher Produzenten, im typischen 80er „Digital-Sägesound“ mit starker Kompression nervtötend abgemischt und Moyet singt dazu auf eine wirklich ermüdende, eintönige Art. Immer volle Pulle, ohne jede Nuancierung oder Abstufung – klingt wie „Hauptsache laut mit Synthiebegleitung“. Offenbar war nur der stille Klangtüftler Clarke in der Lage, die Sängerin in wirklich abwechslungsreichen Synthiepop einzubinden und dafür zu sorgen, dass Moyet auch mal leisere Töne anschlägt. Und so ist es bezeichnend, dass das gesanglich beste Stück Moyets „Ode To Boy“ nicht auf dem Sampler enthalten ist.

Fazit: Entbehrlich! Die wenigen guten Titel von Yazoo lohnen die Anschaffung nicht.

Donnernde Bläser, Wucht und Traurigkeit

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Rating: ★★★★☆

Joe Jackson hatte nach seinem gefeierten Album „Night And Day“ hier ein ganz minimalistisches Konzept versucht. One-Take mit Bläsern, Drums und Band in einer alten Turnhalle, aufgenommen mit wenigen von der Decke hängenden Mikros. – Gelungen!

Es geht los mit krachenden Drums und Bläsern in „The Verdict“ so fett, wie ich vorher noch nie und seitdem selten Bläser gehört habe (die Holzwände des Aufnahmeraums tun dem Sound gut). Dramatisch werden Schuld und Sühne abgehandelt, danach geht es weiter mit einem ironischen, verhaltenen, fast gespenstisch dünn instrumentierten „Cha Cha“, der trotzdem viel südamerikanisches Flair hat. „Not Here, Not Now“ eine todtraurige Ballade zur stimmungsvollen Untermalung durch eine billige Rhythmbox wird von dem extrem funkigen „You Can’t Get What You Want“ abgelöst. Hier kann die glänzend aufgelegte Band mit Vinnie Colaiuta (dr) und Graham Maby (bg) so richtig fetzen. Tolles Gitarrensolo im BeBop-Stil und danach gleich das stampfende, von knallenden Drumschlägen in ein geradezu zwanghaftes Korsett gezwängte „Go For It“ mit wilden unisono spielenden Bläsern.

Danach wird es dann etwas flacher, bis das ironisch-traurige „Be My Number Two“ für mich jedenfalls das Album beschließt.

Joe Jackson hat nicht umsonst jahrelang die musikalische Schulbank im Konservatorium gedrückt. Nach dem Flirt mit Punk (Look Sharp) und Swing/Punk (Jumpin’Jive) und dem großen Rundumschlag von „Night And Day“ sollte es hier großes Drama werden und dicker Sound. Beides gelungen. Und möge sich bitte niemand beklagen über die teilweise spürbare kalte Perfektion des Albums. Joe Jackson ist nie herzlich gewesen in seiner Musik.

Dies ist artifizieller Pop auf höchstem Niveau. Und auch wer nur mal seine Stereoanlage testen will, kann dies mit „Body And Soul“ mit viel musikalischer Freude tun.

Aztec Camera – rasante Gitarren und etwas Melancholie

Rating: ★★★★★

Dieses Album erschien 1983 und ließ mich bis heute nie los. Ein überragendes Pop-Album, zeitlos, elegant und mit viel Stimmung. Roddy Frame, der Mastermind und Singer Songwriter präsentiert hier mit seiner Band melancholischen Folk-Pop mit teilweise sehr extravaganten Gitarrenparts.

Schon der rasante Opener „Oblivious“ zeigt, wo es langgeht: Vertrackte Rhythmen und Harmonieren zu sehr eingängigen und poppigen Melodien, die mit fast traurigem Gesang kombiniert werden.

Roddy Frame ist ein ganz origineller Gitarrist. Ohne große Soundspielereien, dafür aber mit viel Druck und reich an Abwechslungen spielt er wie eine Mischung aus Joe Pass und Stevie Ray Vaughan. Und die Songs haben wirklich große Klasse: „Walk Out To Winter“ überzeugt mit einer bestechenden Hookline und rasantem Zusammenspiel der Band. Ähnlich kommt das melancholische „We Could Send Letters“ daher. In „Release“ driftet Frame sehr gekonnt in feinste Melancholie zur gepflegten Gitarrenbegleitung ab, um bald danach mit dem hymnischen „Back On Board“ das Album drei Songs vor Ende abzuschließen.

Ein Album mit sehr viel Langzeitwert durch die rauen, unverwechselbaren und vertrackten Songs.

Yazoo – You And Me Both (1983)

Highlight vom Mozart der Synthies Vince Clarke und der großen Alison Moyet


Rating: ★★★★★

Ein herausragendes Album in der Sparte Pop/Elektronik der 80er Jahre, die wirklich nicht arm waren an Duo-Projekten dieser Art. Nicht nur eine Folge von Hits, sondern sehr anspruchsvolle und streng durchkomponierte und extrem fantasievolle Musik von Vincent Clarke, der die damals noch recht beschränkten Möglichkeiten der Elektronik voll ausreizte und in einem Interview bekannte, niemals dasselbe Pattern (eine kleine abgespeicherte Phrase) zwei Mal zu verwenden – das hört man:

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Randy Newman – Sail Away (1972)

Randy Newman, der intellektuelle Zickendraht zeigt es Allen,

Rating: ★★★★★

…. mit diesem ungewöhnlichen Studioalbum aus dem Jahr 1972: Vertrackte, bösartige Texte, die sich keinesfalls um Liebe oder ähnlich einfache Dinge drehen dürften. Satire, bösartige Ironie und Bitternis verpackt in kleine kunstvolle Pop-Opern.

„Sail Away“ beispielsweise trieft geradezu vor süßlicher Musikromantik und handelt doch nur Sklavenhandel und Vietnamkrieg ab. Ebenso bösartig und gewollt naiv klagt der Künstler über die Höhe des Startums („Lonely At The Top“) und ganz am Ende kommt mit „You Can Leave Your Hat On“ einer der treibendsten, sexiesten und spannendsten langsamen Rocksongs aller Zeiten. Newman gebraucht diese fantastische Musik eigentlich nur dazu, ein seltsames Beziehungsspiel darzustellen. Und doch wurde dieser überragende Song in der lahmen Interpretation von Joe Cocker (der ja nichts von Ironie versteht) ein Welthit und seitdem auf jeder einschlägigen Veranstaltung gespielt.

Dieses Album ist völlig zeitlos und geradezu ein Klassiker der anspruchsvollen Rockmusik.

Jennifer Warnes – Hunter (1993)

Traumhafte Stimme, großartiger Sound und bunt gemischtes Songmaterial,
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Rating: ★★★★½

Jennifer Warnes ist eine dieser ganz großen Sängerinnen, die mit ihrer Stimme fast Alles können: Säuseln, raunen, schluchzen aber auch strahlend laut und hoch druckvoll singen. Sie wurde berühmt durch ihre Arbeiten für Hollywood-Filme („Up Where We Belong“ mit Joe Cocker verkaufte Platin und brachte den Oscar) und veröffentlichte im Verlaufe ihrer 40jährigen Karriere relativ wenige eigene Alben.

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Richard Hawley – Ladie's Bridge (2007)

Der Roy Orbison von Sheffield liefert klassische Pop-Perlen ab,Lady'S Bridge

Lady’S Bridge

Rating: ★★★★½

Richard Hawley setzt hier seine Folge von gitarrenorentierten Alben mit klassischen Popsongs fort. Das hört sich ähnlich wie bei seinem Vorgängeralbum „Cole’s Corner“ elegant an und klingt sehr nach einer langsamen Version von Roddy Frame und Aztec Camera. Mit der typisch britischen Melancholie und dem kühlen und sonoren Gesang seiner vollen Baritonstimme erinnert Hawley auch an Terry Hall, den großen alten Mann des englischen Popsongs.

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Annett Louisan – Boheme (2005)

Ausgefuchstes Album einer samtigen Kindchenstimme mit tollen Texten,

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Rating: ★★★☆☆

Die Sängerin mit der Stimme wie aus der schwülen Werbung für einen Weichspüler: Samtig, kindlich und dabei immer kontrolliert. Leider fehlen Annett Louisan die kernigen Töne, welche für raue Songs oder Chanson zwingend notwendig sind. Dennoch: Sie kann toll singen, klingt nie bemüht oder peinlich (gute Intonation und Zwerchfellstütze machen’s möglich) und hat einen großen Wiedererkennungswert.

Bemerkenswert die gute Produktion: Nur wenige, sehr abwechslungsreich eingespielte Gitarren und Percussion untermalen überwiegend im 3/4 Takt den Gesang und Texte, deren Genauigkeit und Zynismus von selbst textenden Sängerinnen in deutscher Sprache regelmäßig verfehlt werden. Das hört man immer wieder und dank der Texte auch immer mit einem kleinen Schmunzeln.

Fleetwood Mac's Gitarrist macht Akustik-Pop

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Rating: ★★★★½

Wer das reduzierte, immer klar strukturierte Gitarrenspiel und die erlesene Kompositionen von Lindsey Buckingham von Fleetwood Mac nicht genau beobachtet hat, ist hier überrascht: Akustische Gitarren, absolut virtuos und ausdrucksvoll gespielt, übereinander geschichtet zu kleinen Pop-Sinfonien in der britischen Tradition von Terry Hall, Al Steward und Paul McCartney. Hier zeigt sich, dass Buckingham das melodische abwechslungsreiche und feinsinnige Gegengewicht zu der gut geölten Rhythmusmaschine Mick Fleetwood/John McVie bei Fleetwood Mac war.

Das klingt, als wäre Brian Wilson mit der Elite der britischen Pop-Musiker unterwegs gewesen, um das ultimative Pop-Gitarrenalbum einzuspielen. Einfach überragend. Ich liebe britischen Pop auf diesem Niveau. Mehr davon!

Feine Harmonien mit Zuckerguss – sehr gleichmäßig,

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Rating: ★★½☆☆

Vielleicht war Orange Crate Art ein Versuch, den in einem langen dunklen Tunnel verschollenen Mastermind der Beach Boys wieder zur Musik zu bringen. Brian Wilson singt und Van Dyke Parks, der genialische Soundtüftler komponiert die glatten Pop-Harmonien. Wie hier 4 – 6 Stimmen geführt und zu immer neuen harmonischen Wendungen verwandelt werden, das erinnert an die zauberhaften Songs der Beach Boys und ist gutes Pop-Handwerk. Review bei Amazon.

Supertramp gefällt mir erst heute


Rating: ★★★★☆

In den 80er mochte ich Supertramp nie, weil jeder diese Musik hörte (und ich Blues mehr mochte). Heute zeigt dieser Sampler, dass dies eine sehr professionelle Band war, die durch guten Gesang, die charakteristischen Stakkato-Figuren des Keyboarders und vor allem einen tollen, durchsichtigen, luftigen Sound auffällt.

Aus einer Zeit, als die meisten Pop-Produktionen mit Kompressor zusammengematscht und auf Radio getrimmt wurden (Beispiel: „Let’s Dance“ von David Bowie), haben wir hier eine Klangperle: Interessante Hallräume, verspielte Echoeffekte, krachendes E-Piano, nette Hintergrundgeräusche („School“), donnernde Drums und einen Sänger, dem man von den Lippen lesen kann. Und die Lieder haben durchaus Substanz. Vergleichbar mit Abba sind die Hooklines unglaublich eingängig, jeder Song hat sein Gesicht und die Texte sind auch nicht schlecht. Der Song „Hide In Your Shell“ zum Beispiel ist ein absolut klassischer, toller Pop-Song vergleichbar mit „Yesterday“.

Da stört es mich persönlich kein bisschen, dass dies vielleicht nicht der oberamtliche und repräsentative Überblick über das Gesamtwerk der Band ist.

George Michael verabschiedet das 20. Jahrhundert

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Rating: ★★★★☆

George Michael ist jenseits der Skandale und der schnellen Hits ein ganz hervorragender Sänger, was er hier gut zeigen kann: Schwierige bis schwierigste Arrangements von Songs, die zum Teil sehr bekannt sind. Und der Sänger phrasiert mit der ihm eigenen Glätte, aber immer druckvoll und sehr gekonnt. Auch ist jedes Detail des Textes zu verstehen; eine gekonnteArtikulation ist eben auch hilfreich für den Hörer. Da können sich 95 % aller männlichen und weiblichen Pop-Sternchen eine Scheibe abschneiden. Ich denke da zum Beispiel an den völlig verunglückten Swing-Versuch von Robbie Williams….

Eine wirklich gediegene Auswahl der Songs, Unbekanntes und große, abgenudelte Hits werden gekonnt gemischt. Jede Interpretation bekommt einen eigenen Touch und hört sich ungewohnt, interessant und stimmig an.

Und vor allem: Geniale Orchesterarragements und ein unglaublich transparenter, durchhörbarer und fetter Orchestersound – dieses Album ist eine audiophile Perle, Phil Ramone dem Produzenten sei Dank dafür. Warum nicht 5 Sternchen? Ganz einfach: Kein eigener Song dabei. Dies ist ein y2k (Jahr 2000) Album. Und besser, geschmackvoller und interessanter geht das kaum zu machen.

Dirty Dozen Brass Band – Funeral For A Friend (2004)

Wenn katholische Franzosen und Afroamerikaner Musik machen ,

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Rating: ★★★★★
… kommt so ein wunderbares Album heraus. Die Dirty Dozen Brass Band aus New Orleans spielt hier 2004 mit wechselnden Sousaphonisten ein Album nur mit Standards, Kirchenmusik und Gospel ein. Das wohl interessanteste und schönste Album dieser außergewöhnlichen Band.

Das Album verzaubert, es reißt den Hörer mit und rührt zu Tränen.

Das klingt, als wäre der katholische Kirchenchor mit Afro-Beats infiziert. Synkopisch, oft traurig, immer mitreißend und mit dem fantastischen Sound von 6 – 8 Blechbläsern geht es hier durch die amerikanische Musik „New-Orleans Style“. Da zuckt der Bass, da tremolieren die Bläser, da bleibt kein Auge trocken. Und dank einer hervorragenden Produktion testen pumpende Bässe des Sousaphons und messerscharfe Bläser auch jedes Gehör und jede Stereoanlage bis zum Anschlag. Ein wunderbares Album! Rezension bei Amazon.

Regy Clasen – So Nah (2000)

Ein Album für Dauerjugendliche – sinnfrei, textarm, computerlastig, 16. Mai 2007

Rating: ★★☆☆☆

1 1/2 Seiten Danksagungen auf einem CD-Cover lassen mich Schlimmes ahnen (etwa wie „Schwester, Du bist meine Bester“ und „Mama, toll dass Du mich auf die Erde gebracht hast“). Und leider werden alle schlimmen Erwartungen erfüllt:

Ein dünnes Stimmchen, mit Tonnen elektronischer Effekte aufgemotzt singt zu extrem monotonen Computerbeats absolut sinnfreie Texte, die sich anhören wie aus dem Poesiealbum einer 14jährigen. Da ist selbst Yvonne Catterfeld interessanter und besser produziert. Dagegen ist die auf ein vergleichbares Publikum schielende Produktion von Annett Louisan „Boheme“ professionell, interessant und gut gesungen.

Als Pop zu fad, als Musik zu langweilig, als Gesang zu dünn und als Text – na lassen wir das. Gut, dass die Lyrics absolut unlesbar in Mikroschrift beige auf verwaschen weinrotem Untergrund angebracht sind.

Amy Winehouse – Frank (2004)

Interessante Sängerin poppig gemacht mit grauenhaftem Sound,

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Rating: ★★★☆☆

Amy Winehouse klingt nach Booze und mag wohl auch harte Getränke. Eine interessante Stimme von geringem Umfang (die Sängerin wechselt bei fast jeder Phrase in die Kopfstimme, um die hohen Töne zu „kriegen“). Ein sehr abwechslungsreiche Mixtur aus Lounge-Jazz und R&B mit knalligen Bässen, verschobenen Akzenten und viel Gezappel aus der Percussion-Ecke. Nette, zum Teil akustische Gitarren. Interessant auch die sehr egozentrischen Texte und die jazzigen Licks der Begleitmusiker.

Warum ist das keine überragende Platte in meinen Augen? Zwei Gründe:

1. Vielleicht auf Grund der fehlenden körperlichen Fitness der Sängerin ist der Gesang unelastisch, die Phrasen bewegen immer in denselben dynamischen Abstufungen und verlaufen (wenn wir uns einmal die Töne wegdenken) fast immer völlig identisch – „schubidubi dibidi haaaah“. Das in Verbindung mit dem geringen Stimmumfang der Sängerin führt im Vergleich zur lässigen und elastischen Phrasierung von Madeleine Peroux, zur entspannten Zwerchfellakrobatik von Holly Cole oder zum athletischen Gesang von Malia zu einer schnellen Ermüdung des Zuhörers. Klingt zum Schluss alles gleich.

2. Soundtechnisch eine absolut gehörzerstörende, grauenhafte Produktion: Wie man auf einer etwas besseren Stereoanlage hört, werden hier aufgeblasene Synthiebässe verwendet, um Fülle auf schlechten Anlagen vorzutäuschen. Die Obertöne sind stark mit Harmonizer angereichert und klingen dadurch unnatürlich und schmerzhaft schrill. Das schneidet und zischt ohne Ende. Das alles nur, damit die Sache auch im Autoradio „kommt“. Das dies auch besser geht, kann auf jedem Album der genannten Künstlerinnen erhört werden. Der Produzent und der Tonmeister bekommen 0 Sterne für so einen grauenhaften Schrott.

Ein leider nur durchschnittliches Album mit wenig Langzeitwert, das soundtechnisch nur im Autoradio (vielleicht) ohne Gehörschaden zu genießen ist.

Carmel – Lektionen in Groove mit Sängerin

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Rating: ★★★½☆

Carmel, das Bandprojekt um die gleichnamige Sängerin mit der extrem metallischen Stimme ist seit 1982 zusammen. Und fällt damals wie heute völlig aus dem Zeitgeist. Nur fetter Bass, verspielte Trommeln und Gesang mit wechselnden Begleitmusikern. Kaum Synthesizer und jedes Stück ist eine Lektion in Groove, weil Trommler und Bassist die meisten Stücke mit geschrieben oder adaptiert haben.

Das verspielt südamerikanische „It’s All In The Game“, der krachende Tanzbodenknaller „More More“ und auch eine nett gemachte Adaption eines Grooves von Herbie Hancock klingen interessant und und sind (weil die Grooves der Band absolut lehrbuchmäßig aufgebaut sind, teilweise sogar verkappte Standardtänze wie Rumba, Cha Cha) angenehm zu hören und gut tanzbar.

Die Compilation gibt einen guten Überblick über die Schaffenszeit von 1982 – 1989 und glänzt durch illustre Mitmusiker (Johnny Hallyday in dem wunderbaren Franko-Pop „Je Oublierai..“ oder Stevie Nieve mit toller Orgel ), die auch gebührenden Raum bekommen.

Da stört es kaum, dass die sehr helle Stimme von Carmel, die so gut zu dem basslastigen Sound der Band passt, auf die Dauer manchmal nervt.

Grace Jones kann singen

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Rating: ★★★★½

Grace Jones ist leider als Sängerin nicht so populär wie sonst. Auf diesem Album zeigt sie zum Beispiel mit einer exzellenten Coverversion von „Demolition Man“ von Sting oder auch mit dem rasanten „Pull Up To The Bumper“, was ein singendes Model so auf die Beine stellen kann, wenn die Begleitung und die Produktion stimmen. Shakespeare und Dunbar sorgen für tolle Grooves und der Gesang dieser Autodidaktin ist immer markant, entspannt und sehr kraftvoll. Was man bei modernen Pop-Produktionen von Starlets wie Katie Melua oder Amy Winehouse leider meistens nicht behaupten kann.

Es gibt viele unbrauchbare Compilations von Grace Jones. Dieses und das noch ausgefeiltere und unterkühltere Album „Island Life“ decken aber alles ab. Mehr Grace Jones braucht es nicht. Und mit weniger hätte man eine wirklich interessante Sängerin und gute Produktionen der 80er versäumt.

Norah Jones langweilte mich

Risikoarme Musik für Stimmungshörer – angenehm und nicht weiter interessant,

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Rating: ★★☆☆☆

Ganz chauvinistisch gefragt: Kann eine schöne Frau langweilen? Mit diesem Album allerdings.

Es beginnt mit einem langsamen Walzer – Gitarre mit Cello und Gesang, mittleres Tempo (Wish I Could). Die schlichten Harmonien erinnern an Leonard Cohen. Das Tempo bleibt gleichmäßig und langsam, die Melodien schlicht bis zur Beliebigkeit. Es ist selten, dass ich mich durch ein Album zappe. Hier war es anders nicht auszuhalten.

Das reißt jedenfalls mich ebenso wenig vom Hocker wie das zaghafte zweite Album von Jones. Hier wird Musikdesign betrieben. Gleichmäßige Dynamik und sehr gleichförmige Tempi lassen einen Song wie den anderen erscheinen. Den letzten spannenden und ansprechenden Song der Künstlerin hörte ich auf ihrem letzten Album („Creepin‘ In“ – eine nette Up-Tempo-Nummer mit der glänzend aufgelegten Dolly Parton).

Dieses Album ist sehr gut geeignet für Menschen, die bei Musik nicht gern Überraschungen erleben. Und hat einen sehr angenehmen, ausgewogenen Sound. Ideal zum Autofahren oder als Musik zum Entspannen. Mehr aber auch nicht. Wahrscheinlich verhindert eine einflussreiche Plattenfirma nach dem überragenden kommerziellen Erfolg des Debütalbums hier mit Erfolg künstlerische Eigenständigkeit.

Es ist erstaunlich. Zusammen mit anderen Künstlern ist Mrs. Jones eine selbstsichere, souveräne und wegen ihrer schönen Stimme faszinierende Interpretin. Mit Bonnie Raitt live, mit Herbie Hancock im Studio oder auch mit Dolly Parton auf ihrem zweiten Album „Feels Like Home“ wirkt sie wie befreit vom Druck, die brave sanfte Traumverkäuferin der Plattenfirma sein zu müssen und liefert wirklich feine Musik ab.

Verschollene Coverversionen frisch auf den Tisch,

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Musik: Rating: ★★★★★ Sound Rating: ★★★☆☆

Ry Cooder lebt von und mit der Gitarre. Aber sein eigentlicher Job lässt sich besser als „Musikforscher“ beschreiben. Wie er auf diesem Album völlig obskure Coverversionen (wie beispielsweise „Little Sister“, eine im Original völlig lahme Nummer von Elvis) mit flexiblen, eleganten Gitarrenparts (überragend: Sideman David Lindley), funkigem Bass (Tim Drummond) und elegantem Schlagzeug (Jim „BleibLocker“ Keltner) anreichert, das hat Klasse.

Das verzweifelte, oberauthentische „I Can’t Win“ mit grandiosem Satzgesang, das gospelhafte, vertrackt synkopierte „Trouble, You Can’t Fool Me“ ebenso wie das düster-treibende „Down In Hollywood“ (mit Chaka Khan als Backgroundsängerin) – jeder Song hat schon nach zwei Takten eine eigene Stimmung, Stil, perfekte Interpretation und Klasse. Jeder Song garantiert besser als das Original. Mit solchen Alben empfiehlt sich der Sessionmusiker für Top-Jobs.

Absolut ergreifend und versteckt ganz in der Mitte das rein instrumentale, ruhige und sanft schunkelnde „I Think It’s Going To Work Out Fine“: Besser kann ein einfaches kleines Volkslied nicht interpretiert werden.

Ein Ausnahmealbum mit extremem Langzeitwert wegen der ungewöhnlichen, abwechslungsreichen Songauswahl und der perfekten Interpretation.

Einziges Manko: Dies war angeblich das erste Digitalalbum bei einer Major-Plattenfirma überhaupt. Und das hört man leider (dünne Höhe, manchmal leichte Verzerrungen, farblose Mitten). Aber egal – Sound und Interpretation sind immer noch über fast jeden Zweifel erhaben.

Wilder Ritt durch Pop und Acapella – Produzenten-Meisterstück

Rating: ★★★★★

Dieses Album brachte mich zum Acapella. Mit 10 sehr eigenen, extrem kunstvollen, überproduzierten und fantastisch künstlichen Stücken nur mit der eigenen Stimme und ganz vielen Effekten singt und arrangiert sich der Meisterproduzent durch die gesamte Bandbreite von Rock, Pop und Soul. Und schafft es dabei, jedes einzelne Stück authentisch, originell und kunstvoll zu bringen.

„Johnee Jingo“ beschwört Afrika und schwarze Musik, „Pretending To Care“ schmachtet sich durch die klassische Power-Pop Ballade. Der Kracher „Hodja“ (ein echter Top-10 Hit) klingt kräftiger und gospeliger als 95 % der schwarzen R&B-Nummern der 80er Jahre. In „Something To Fall Back On“ macht Rundgren mit komplexen 4-6stimmigen Chorsätzen Donald Fagen Konkurrenz. Er rührt in „Honest Work“ mit einer schlichten Ballade im Stil der klassischen Folksongs zu Tränen. Und lässt zuletzt noch mit „Mighty Love“, einer klassischen Beach-Boys Nummer mit viel Gospel-Feeling die Pop-Perlen funkeln.

Total überproduziert, mit aberwitzigen Arrangements, einem sicheren Gefühl für die verschiedenen musikalischen Stilarten ist dies wie etwa das fast gleichzeitig entstandene „Back On The Block“ von Quincy Jones eine echt tolle Produzentenplatte – manchmal anstrengend, immer interessant, abwechslungsreich sowieso und absolut stilsicher. Da stört es wirklich wenig, dass Todd Rundgren mit Sicherheit nicht die tollste Stimme der Welt hat.

Carmel – The Drum is everything (

Stilbildendes Jazz-Pop Album mit kleinen Schwächen, 9. Januar 2007

Rating: ★★★☆☆

Carmel war ein Bandprojekt um die Sängerin Carmel Mc Court und die exzellenten Musiker Gerry Darby (dr) und James Paris (upright bass). Mit diesem erstmals 1984 veröffentlichten Album brachten diese Drei, begleitet von dem exzellenten Organisten Peter Saunders auf zum teil recht brachiale Weise („I Thought I Was Going Mad“) Pop, Punk, Lounge-Jazz und Bebop zusammen:

Treibender Kontrabass, nervöse, zappelige Drums, fette Hammond-Orgel und ein sehr transparentes Klangbild. Damit war die Gruppe Vorreiter und Inspiration für viele andere Musiker aus diesem Genre, etwa das Holly Cole Trio.

Die Musik geht „gut ab“, ist teilweise tanzbar mit einem echten Hit („More, More, More“) und interessant zu hören wegen der Virtuosität der Musiker. Nur die etwas schrille, teilweise regelrecht blechern aufgenommene Stimme der Sängerin nervt etwas.

Aztec Camera – High Land, Hard Rain

Rasanter Gitarrenpop mit viel Melancholie, 13. November 2006

Rating: ★★★★★

Roddy Frame, der Mastermind und Singer Songwriter präsentiert hier mit seiner Band melancholischen Folk-Pop mit teilweise sehr extravaganten Gitarrenparts.

Schon der rasante Opener „Oblivious“ zeigt, wo es langgeht: Vertrackte Rhythmen und Harmonieren zu sehr eingängigen und poppigen Melodien, die mit fast traurigem Gesang kombiniert werden.

Roddy Frame ist ein ganz origineller Gitarrist. Ohne große Soundspielereien, dafür aber mit viel Druck und reich an Abwechslungen spielt er wie eine Mischung aus Joe Pass und Stevie Ray Vaughan. Und die Songs haben wirklich große Klasse: „Walk Out To Winter“ überzeugt mit einer bestechenden Hookline und rasantem Zusammenspiel der Band. Ähnlich kommt das melancholische „We Could Send Letters“ daher. In „Release“ driftet Frame sehr gekonnt in feinste Melancholie zur gepflegten Gitarrenbegleitung ab, um bald danach mit dem hymnischen „Back On Board“ das Album drei Songs vor Ende abzuschließen.

Ein Album mit sehr viel Langzeitwert durch die rauen und vertrackten Songs, welche leider nicht alle das ganz hohe Niveau der genannten- haben.

Working Week – Working Nights (1985)

Brillianter Bläser-Pop aus den 80ern, 25. Oktober 2006

Rating: ★★★★½
Wenn zwei talentierte und ausgebuffte Bläser mit Jazz-Hintergrund mit einer ausdrucksvollen Sängerin mit Soul-Hintergrund ein gediegenes Pop-Album machen, hört sich das genau so an. Eine Scheibe, die keinerlei Staub angesetzt hat und wohl in 20 Jahren noch modern ist: Feinste Bläsersätze, die selbst auf meinem Vinyl gut und durchsichtig rüber kommen. Rollender Bass und eine Sängerin, die unsentimental, mit viel Druck und leicht metallischer Altstimme den Songs jeden Kitsch nimmt.

Inner City Blues ist zwar ein Standard, aber selten so gut arrangiert wie hier. Sweet Nothing windet sich mit unisono gespielten Passagen und fließendem Tempo in jeden Gehörgang – da verblassen Sade und ähnliche Retortenbands aus den 80ern wohl für immer. Ethno Einflüsse werden perfekt in ein modernes Popgewand umgesetzt.

Habe dieses zauberhafte Album gerade auf Viny wieder entdeckt und kann es nur jedem empfehlen, der Bläser und Gesang mag.

Diana Krall – Blond, kommerziell und hier ganz nachdenklich

Dianna Krall macht Pop mit Jazz-Outfit oder umgekehrt.  Die meisten mir bekannten Musiker (vor allem Frauen) hassen sie wegen der klischeehaften Vermarktung ihrer Tonträger – Schlitz im Kleid und tiefer Ausschnitt auf das Sofa geräkelt mit Weichzeichner. Das wäre so ein typisches Krall-Cover. Dabei ist dies (nach Meinung vieler Kenner des Gesamtwerks) ein besonders nachdenkliches und wenig kommerzielles Album der Künstlerin.

Rating: ★★★☆☆

Aber zur Musik. Krall hat ihre Lektionen gelernt und nicht umsonst jahrelang Unterricht bei großartigen Musikern und Musikpädagogen genommen. Ihr Klavierspiel ist enorm funky, sparsam und immer geschmackvoll. Gut zu hören beispielsweise auf dem Joni Mitchell Cover , wo das Original an Stimmung, Spannung und Stils fast noch übertroffen wird. Ihr Gesang ist mit einer stark timbrierten Altstimme (was viele Menschen angenehm und erotisch finden) nicht platt oder kurzatmig, wie bei vielen weniger geschulten Sängerinnen aus demselben Fach, sondern immer kontrolliert, etwas spröde und klingt sehr konzertant. Handwerklich bessere Musik als diese – wird man in diesem Genre kaum finden.

Und trotzdem: Alles wirkt irgendwie schaumgebremst. Ich habe beim Hören Assoziationen von Bar-Jazz, Auftragsmusik, Hintergrundmusik – es fehlt mir die Spannung, die Dynamik und manchmal auch das etwas weniger Kommerzielle. Für Hörer, die <richtigen> Jazz nicht gewöhnt sind, ist dies jedoch ein hervorragender Einstieg. Und auf dem Cover zeigt die Künstlerin uns zum Glück auch nicht das ganze Programm.

Herwig Mitteregger – Die besten Songs 1983 – 1993

Top Pop – Sahne Texte nah am Schlager , 11. Oktober 2006

Rating: ★★★★☆

Herwig Mitteregger ist ja eigentlich Österreicher. Daher vielleicht diese lakonischen, knappen, treffenden Texte, die nahe an der Alltagssprache sind und trotzdem Bilder erzeugen, die einfach einmalig sind.

Er ist auch 10 Jahre Profimusiker gewesen, als seine Solokarriere begann. Das führt zu einem Produktionsniveau, welches im Sound modern und im Arrangement unglaublich sicher und geschmackvoll ist. Seine knalligen elektronischen Drums und die nuschelige Stimme halten diese breite Palette von Liebesliedern, Beobachtungen, Kurzdramen, Chansons und Schlagern zusammen. Im Gegensatz zu ähnlichen Produktionen: Nicht so bemüht wie Manfred Maurenbrecher, nicht so kitschig und verquast wie Grönemeyer, nicht so belanglos und beliebig wie Danzer, Ambros und Co.

Für mich mit Abstand die besten deutschen PopNahAmSchlager-Songs eines deutschen Solokünstlers. Herr Mitteregger hätte als Schlagerproduzent ein Vermögen verdienen können – gut, dass er Rocker geblieben ist.

Spliff – 85555, Sagenhaft gewitzter Deutschrock und Top-Produktion

Kaum eine CD einer deutschen Band umfasst so eine Bandbreite an interessanten, witzigen und spannenden Songs. Auch jenseits von Zeitgeist (davon hat dieses Album reichlich): Die Songs haben Hit-Qualitäten ohne Ende. Die Texte sind schlicht genial („ich kenne ein Land, wo alte Männer regiern, da kann man nicht bleiben, weil da darf nichts passiern“) und niemals gleiten die Songs in dumme Gefühligkeit a’la Grönemeyer oder platten Schlager ab.

Rating: ★★★★★

Allein für das Songwriting gibt es bei mir schon 5 Punkte.  Aber: Die Band hat einen unverwechselbaren, auch heute noch modernen Sound. Tolle Keyboards (Georg Heil) mit unverwechselbaren Sounds, Bernd Potschka spielt eine unglaublich kühle und schwere Rockgitarre, Manne Präker sorgt für kleine Verschiebungen im Bass und Herwig Mitteregger, der wohl die meisten Texte zu verantworten hat, hält mit knalligen Drums das Ganze zusammen.  Und dann noch: Eine Sahne-Produktion. Toller Sound. Dichte Hallräume, erlesene Studioeffekte, da merkt man die 15 Jahre Band- und Produzentenerfahrung, welche die Musiker später mit großem Erfolg auch anderen Interpreten angedeihen ließen. Für mich eines der besten deutschen Rock-Alben (mit Hang zum Poop) – auch heute noch.

Michael Jackson, Bad – Top Produktion, Meilenstein, hörenswert

Nach Thriller kam BAD und dann? Nun ja: Auch dieses Album setzt (wie das noch ungleich innovativere Album Thriller) Maßstäbe, aber in anderen Bereichen.

Rating: ★★★★★

Mit „Man In The Mirror“ wird hier ein Song-Genre geschaffen, das ich mal als PowerBalladenHymne bezeichnen möchte und seither zigfach ohne große Veränderung kopiert wurde: Leises Schnipsen, raffinierte Bassdrum, bedächtiger Gesang (mit einem tollen Text übrigens, der von Selbstzweifeln, Überwindung und Triumph erzählt) und dann von Strophe zu Strophe mit knalligem, dichten Sound eine gospelartige Hymne, bei der allein schon die mächtigen Chöre vorher in dieser Form nicht gehört wurden.

Auch ansonsten zeigt die dichte und raffinierte Produktion, dass seit dem Erstling Thriller die Samplertechnik weiter gekommen ist. Manchmal sind die Soundeffekte fast schon zu aufdringlich, ordnen sich aber immer dem Song unter. Und „Leave Me Alone“ sowie das rohe, rotzige „Another Part Of Me“ nehmen mit ihrem erdigen, rauen Sound die späteren Funk-Orgien von Prince und Anderen vorweg.

Schon wegen der Produktion lohnt sich diese Scheibe für jeden, der Pop hört.

Die Top Produktion im R&B, Meilenstein,


Rating: ★★★★★
Thriller ist ein Meilenstein. Eine solche Produktion mit grandiosen Samples, tighten Beats und rasanten Studiotricks hatte die Welt Anfang der 80er Jahre noch nicht gesehen.

Die Songs haben jeder für sich ein ganz charakteristisches Sounddesign, höchstmöglichen Wiedererkennungswert und Michael Jackson klingt noch wie der Peter Pan der schwarzen Musik (und nicht wie eine Karikatur). Die Songs decken stilistisch eine enorme Vielfalt ab bis hin zum glatten, durch Paul Mc Cartney veredelten Popsong. Und die dichten druckvollen Synthieflächen von Billie Jean reichen aus, um jede bessere Steroanlage zu testen und beim Hörer Gänsehaut hervorzurufen.

Die Videos zu dieser Produktion setzten ebenso Maßstäbe wie das Songwriting. Es gibt an dieser Platte nicht auszusetzen, eine der 10 besten Pop-Produktionen überhaupt.

Auf die Interviews mit Quincy Jones, dem Mann an den Reglern hätte ich persönlich verzichten können. Aber dies ist eben eine Fan-Edition.

Miles Davis – You're Under Arrest

Man Miles Goes Pop – aber wie, 9. September 2006

Rating: ★★★☆☆
Ein unglaublich treibendes, funkiges, spannendes, nervöses…. Popalbum. Ja, dies ist kein Jazz mehr. Und geht ab wie die Lucie.

Eine schier unglaubliche Rhythmusgruppe (am Bass ist hier Darryl Jones zu hören, der sich seither wohl bei den Rolling Stones täglich langweilt) knallt den Funk raus und MD streut sparsam, mit perfektem Timing und unglaublich pointensicher seine knappen Trompeteneinwürfe.

Time After Time ist ein absolutes Highlight, besser als das Original, melancholisch, verwehend, die Improvisation eines alternden Jazzmeisters über einen zeitlosen Popsong. Aber die geräuschhaften „street scenes“ und der sparsame Song „katia“ sowie ein anderer Pop-Klassiker „Human Nature“ sind auch Perlen. Einen Punkt Abzug, weil nicht alle Songs so gut und gültig sind wie die hier genannten-; teilweise zerfasert die Platte in Geräuschcollagen und Fragmenten – da wurden in meinen Augen Plattenminuten gefülltt.

MD hatte wohl bereits gesundheitliche Probleme, als diese Platte gemacht wurde. Wenige Jahre später sah ich ihn im Konzert – immer noch die perfekte Band, aber Trompete spielen ging kaum noch.

So hat die Platte bei aller Vitalität auch einen Hauch von Abschied und Schmerz in sich.

Brian Wilson – Live At The Roxy (2002)

Mehr Pop, Stimmung und Handwerk geht einfach nicht, 24. August 2006

Rating: ★★★★★

Brian Wilson live nach langer Krankheit und tiefer Depression mit einer ausgebufften Live-Band. Diese beiden Live-CDs sind mit das beste Stück LIVE, was es in der Popmusik überhaupt gibt.

Brian Wilson ist der Mozart des Pop. Und diese extrem komplex arrangierten Songs überhaupt live zu singen, grenzt handwerklich gesehen schon an an einen Husarenritt. 5stimmiger Gesang, einfach brilliante Arrangements, da stören einige schräge Töne vom Meister und seinen Freunden nicht. Und die schrägen Ansagen „.. oh, eight cigarette lighters tonight..“ sind ein schnuckeliges Extra.

Was bei den Studio-Produktionen der Beach-Boys unter Tonnen von zeitgeistigem Band-Müll teilweise verschwindet. Und was bei den Studioplatten an Spontanität, an zartem Gefühl für Musik fehlt – hier ist es. Glanz, Emotion, Hitqualität, Perfektion – alles, was Pop ausmacht in einem Livealbum. Für mich ist Little Feat „Waiting for Columbus“ die handwerklich perfekteste Live Doppel-CD im Rock. Und dies die schönste Live-Pop-Platte. Geeignet für jeden von 6 bis 60 und selbst Klassikfans werden daran ihre Freude haben.

Richard Hawley – Coles Corner (2005)

Warme Ambient-Music ohne Synthi – Song und Sound,

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Rating: ★★★★☆

Richard Hawley hat den selben Vertrieb wie beispielsweise Depeche Mode und Yazoo, nämlich das renommierte Label Mute Records. Das zeigt schon ganz gut die Richtung: Dies ist eine Sammlung von Songs, die von den Texten wie Miniaturen kommen. Kleine Beobachtungen, kleine Gefühle, kurze Statements. Die Musik ist der reine Sound.

Richard Hawley ist ein Gitarrist und Soundtüftler vor dem Herren. So eine Wand von geloopten, gesampelten, getüftelten, geklöppelten Gitarren und anderen Saiteninstrumenten habe ich noch nicht vorher gehört. Er singt mit warmer Stimme in einer absolut perfekten Produktion. Ein Klangerlebnis, aber für meinen Geschmack etwas zu gleichförmig langsam bedächtig – eben für Winterabende und nix für den Sommer.

Richard Hawley – Late Night Final (2002)

Der klassische Pop-Songwriter für stille Stunden,

Rating: ★★★★☆

Richard Hawley ist ein britischer Gitarrist aus Sheffield, auf den ich über sein drittes Album Cole’s Corner gestoßen bin. Er produziert hier durchgängig ruhige, stark der klassischen Songstruktur verhaftete Stücke, die sich durch einen sehr warmen, extrem gitarrenlastigen und geräuschhaften Sound sowie die heisere nuschelnde Stimme des Künstlers auszeichnen.

Mir gefallen einfach die Sounds. Da werden Hawaigitarre und verfremdete Jazzbesen durch die Echokammer genudelt, singen Megafone mit klassischen Acoustikgitarren um die Wette und immer hört es sich etwas an wie Daniel Lanois, als der noch richtige Songs gemacht hat und nicht depressiv klingende Soundcollagen. Feine Stücke, interessante Sounds, auch ganz gute Texte und immer etwas zu gut für den Hintergrund. Nur wegen des etwas zurückhaltenden Gesamtkonzepts gibt es keine vollen 5 Punkte, der Mann könnte mehr!