Bobby King surprises after 55 years

This album

is my discovery of 2014 so far: Acompanied mostly by bass , guitar and some keyboards plays and sings the virtually unknown studio musician and producer Bobby King through a set of completely different and original songs: The driving swing of „Driftin‘ Now“ recalls not only because of Kings pleasant, slightly husky voice of Nick Lowe’s great „I Am over 50“ – albums. The witty, self-deprecating lyrics (the pop-rock number „Talkin ‚ To The Dog“, which could be a solid hit, if it had some airplay), the authentic production (deep Soul as the Grand Master Al Green at „Eight Wonder Of The World“) – always it sounds clever, relaxed and absolutely officially. King as the stylistically similar Lyle Lovett covers virtually every American music style from country to soul, dramatic ballad, swing – this album is for almost every musical taste. And always it is sounding clever, unique and completely relaxed. The well-known hustle in many first-albums by good musicians does not happen here. Any listener who is into artists like Shelby Lynne, Lyle Lovett, Nick Lowe and anyone who loves singer-songwriter stuff with more than one harmonic or melodic style will fall in love with this album.

Bobby King took more than 55 years to produce this excellent album – it’s his first one. A largely unknown studio musician, who also has one of the most common American names – so he is hardly found and known. A pity really. More of this, please!

Rating: ★★★★☆

Albert Lee rocks the nursing home

Albert Lee & Hogan’s Heroes yesterday played a full two hour set at Berlin Club Quasimodo – what a joy. Attended by an audience mainly older than me (i’m 55 now) and partly as old as 70 year-old Lee himself (that grandma in the blue shirt was really rocking and dancing). Lee and his bandmates started some fast country-rockers, moved over to rockabilly (which seems to be the biggest musical influence to all band-members) and never let down. Some softer ballads in between, where Lee played a wonderful sounding Yamaha CP-70 and his keyboarder Gavin Povey showed his skills in singing.

Lee has the unique gift of playing his licks incredibly fast without ever letting us feel this. Even at the highest tempo (and this is a really really fast band) it always sounds, as if every note has to be that way – no tricks, no showmanship and no doodling. The most amazing moments of this gig were the parts, when the musicians took over in the middle of the verse, the piano continuing the ultra-fast lick Lee started with pedal-steel closing the Weiterlesen

Willie Nelson und das Wüstenalbum – Teatro (1998)

Überwiegend eigene Songs aus der langen Karriere von Willie Nelson werden durch die stimmige Produktion von Daniel Lanois zu einem sehr homogenen und überzeugenden Album.

Lanois hat schon Bob Dylan (Oh Mercy) und Emmylou Harris  (Wrecking Ball) zu besonderen, die Karriere der Künstler zierenden Alben verholfen. Das gelingt auch hier. Die von scheinbar zufällig dahin groovenden Drums und einem dezent treibenden Bass zusammen gehaltenen Songs mit ihren halligen, verspielten Gitarrenbegleitungen kommen ohne Ausnahme im Tex-Mex Sound daher: Rumba, Salsa, hier klingt es stark nach Mexico und Texas. Emmylou Harris begleitet auf fast allen Titeln den knorrigen Schräg-Gesang Nelsons. Sie kann das wunderbar, wie man schon etwa 25 Jahre früher auf Bob Dylans famosen Album „Desire“ bewundern konnte.

Durch die einfühlsame und stimmige Produktion, das gute Songmaterial und die begnadeten Backing-Vocals von Emmylou Harris eines der besten Alben von Willie Nelson.

Vergessene Perlen – Patty Griffin Silver Bell (2013)

Wenn so ein Album nach mehr als 10 Jahren aus den Archiven einer Plattenfirma auftaucht, ist irgend etwas falsch gelaufen:

Geplant war dieses Album als Nachfolger des rockigen und ziemlich sperrigen Albums „Flaming Red“ – es wurde bereits ca. 2000 aufgenommen. Durch den Wechsel des Labels blieben die im Studio von Daniel Lanois aufgenommenen Stücke über 10 Jahre im Archiv der Plattenfirma liegen – es ist der Wahnsinn.

Denn dies ist ein wirklich gutes Album. Es enthält mit „Truth #2“ einen der stärksten Songs Weiterlesen

Jam Odysee 2013

There was some pretty fine music this year as you can hear here. I discovered Shelby Lynne, Doris Day (her Jazz and Swing works) and Al Green, suddenly liked Willie Nelson, felt sad for the death of JJ Cale, Lou Reed and others, heard tons of #acapella and Little Feat & some #swing, #rockabilly – in the end i realized, that only a few musicians were much younger than me (and many a lot older).

Dive into my jams 2013

 

Countrysong rückwärts

Gestern im Admiralspalast lieferte Emmylou Harris mit Rodney Crowell und ihrer Band einen soliden Gig vor einem begeisterten Publikum ab. Gespielt wurden nach der Pause überwiegend Titel vom neuen Album der beiden, die sich seit 40 Jahren kennen.

Und doch musste ich hinterher immer an den Witz von Richard Belzer denken, der den Detective John Munch in der Fernsehserie Homicide spielte; frei übersetzt geht das so:

Weißt Du was passiert, wenn man einen Countrysong rückwärts abspielt?

Zuerst kommt der Hund zurück, dann kommt der Job zurück und zuletzt kommt die Frau zurück.

Es ist das Problem mit diesem doch sehr konservativen Genre. Die Themen sind beschränkt und es läuft vielfach genau so ab, wie der charismatische und obercoole Texaner Rodney Crowell nach mehreren solcher Songs lakonisch meinte:

And now another heartache-song. Emmy, i think we are doing entertainment by heartache here, right?

Eine großartige Band begleitet ein extrem professionelles Konzert (das übrigens auf die Minute pünktlich beginnt und ebenso exakt nach einer Stunde in die Pause geht), bei dessen Songmaterial allerdings der gemeine Witz von Richard Belzer durchaus zutreffend ist. Und als Harris unmittelbar nach der Pause solo zur eigenen Gitarre ein eigenes Lied singt, mit dem der Tod ihrer Freundin Kate McGarrigle beklagt wird, hätte allerdings auch der Zyniker John Munch die Luft angehalten. Harris ist eine der beeindruckendsten Sängerinnen der Gegenwart und braucht vielleicht nur noch Songmaterial, wo der Hund fortläuft, die Kinder rebellieren, der Sekt zu gut schmeckt und die Krankenversicherung nicht zahlt. Einfach wegen der Abwechslung.

Willie Nelson – Rothaarig und 80

Willie Nelson – Red Headed Stranger (1975) *

Willie Nelson wird am 30. April 80 Jahre alt. Und ist mit seiner querköpfigen Art, seinem seit Jahren kultivierten Hippietum über alle Moden hinweg ein Unikat geblieben. Und dies ist eines der zentralen Alben in der langen Reihe von Willie Nelson Alben. Der Mann, der immer sofort eine Platte aufnimmt, wenn man ihm ein Mikro vor die Nase hält. Er hat hier mit einer ungehobelten, manchmal wie Homerecording wirkenden Produktion, unglaublich eindringlichem Songwriting, seinem völlig unorthodoxen (und doch immer sehr anrührenden-) Gesang und wenig, dafür aber immer sehr markanter Begleitung 1975 ein Ausnahmealbum eingespielt. Eine Kette kleiner, sehr sorgsam vertonter Gedichte, die klingt, als seien sie von einer Gruppe Cowboys am Lagerfeuer eingespielt. So ursprünglich wie (1966 und auf andere Weise) Bob Dylans „Blonde On Blonde“. Ein völlig zeitloses Album, das durch seine rohe Weiterlesen

Jon Randall – Walk Among The Living (2005)

Qualitätsballaden vom sanften Countryman *

Es gibt Alben, die nicht wirklich spektakulär sind, aber immer wieder und bei jeder Gelegenheit überzeugen. Dieses 2005 vom amerikanischen Musiker Jon Randall veröffentlichte Album mit dem düster-zweideutigen Titel ist so eines. Jon Randall, der seine Karriere in Emmylou Harris Band Nashville Ramblers begann und mit dieser das grandiose Live-Album Live at the Ryman einspielte, legt hier einen sorgfältig produzierten und sehr gefühlvoll eingesungenen Strauß von Balladen vor. Mit seiner wunderschönen und sehr weichen Stimme klingt er dabei ebenso authentisch wie sein vielseitiges, immer originelles Gitarrenspiel. Ob klassische Liebesballade wie im Opener „Baby Won’t You Come On Home“, ob finsteres Trennungsdrama wie das Weiterlesen

Nanci Griffith, One Fair Summer Evening (1998)

Nanci Griffith live – CountryFolkPop einer schönen Stimme

Nanci Griffith veröffentlichte schon 1978 ihr erstes Album und ist mit einer brillianten Singstimme gesegnet, die ihren Gesang durch den Druck und die sanfte Härte geradezu zwangsläufig in die Nähe des Country rückt. Und sie ist eine sehr aktive und überzeugende Songwriterin, deren Songs wie „Love At The Five And Dime“ durch lebensnahe Bilder und Poesie sowie cleveres Songwriting überzeugen. Der ganz große kommerzielle Erfolg blieb ihr wohl nur versagt, weil ihre Alben mit Ausflügen in Pop und Folk schlicht und einfach in kein Formatradio passen und damit bei den „normalen“ Countryhörern nicht ankommen.

Auf diesem 1998 entstandenen Live-Album bringt sie neben einigen eigenen Songs auch interessantes Fremdmaterial. Ihre leise und nachdenkliche Interpretation der Ballade „From A Distance“ ist ebenso überzeugend wie der Opener „Once in a very blue moon“ – Titelsong ihres Albums von 1984. Es wird nie kitschig, nie langweilig und immer wieder faszinierend der Unterschied zwischen Sprech- und Singstimme: Leise und fast quiekig die Ansagen und voll, getragen und durchdringend der Gesang. Griffith begleitet sich (wie ich finde sehr geschmackvoll und gekonnt) selbst auf der Gitarre mit einer sehr umsichtig-zurückhaltenden Band – ein wunderbares Live-Album und zugleich ein guter Einstieg in das Werk dieser völlig unterschätzten Künstlerin.

Allison Moorer, Alabama Song (1998)

Gediegenes Debütalbum mit großartiger Saitenarbeit

Dieses Debütalbum der Schwester von Shelby Lynne hat alle Merkmale einer sehr sorgfältigen Produktion eines Major-Labels. Moorer singt, was sie damals am besten konnte, nämlich (mit wenigen Ausnahmen) langsame Balladen. Ihre warme Altstimme, die sparsame Modulation und der insgesamt eher unsentimentale Ansatz tun den recht schwerblütigen, ausnahmslos von Moorer selbst getexteten Songs gut. Manchmal wünscht man sich allerdings etwas weniger Sentiment oder auch nur eine herzhafte Uptempo-Nummer. Oder auch etwas weniger Pedal-Steel, aber was will man von einem Album aus 1998, als die Dixie Chicks mit Wide Open Spaces gerade aufbrachen und New-Country noch nicht die Fesseln des klassischen Arrangements abgestreift hatte, schon erwarten.

Was dieses Album deutlich über den Durchschnitt hebt, ist der zutiefst geschmackvolle Einsatz von Saiteninstrumenten: Produzent und Gitarrist Kenny Greenberg hatte ebenso wie Gast-Star Buddy Miller ein glückliches Händchen mit den im konventionellen Genre so wichtigen Details: Das ganze Album wird durchzogen von einer Fülle von kleinen und manchmal nur wenige Takte kurzen Licks und Übergängen auf Gitarre, Dobro, Banjo, Pedal-Steel und Strings, die jeweils für sich Oberklasse sind und gerade die getragenen Balladen weiter bringen. Wer einmal zwischen die Gesangsstrophen hört, findet ein Füllhorn von phantasievollen und superben Einsprengseln, die fast schon allein für sich Spaß machen. Und der Sound ist so transparent und natürlich, wie das bei anspruchsvolleren Country-Alben im Gegensatz zur Dutzendware üblich zu sein scheint. So ist das ein wirklich zeitloses Album, das durch seine gute Produktion nicht gealtert ist.

Mit Bluegrass zur Unsterblichkeit

Ein ehrgeiziges Projekt verfolgte Steve Earle hier: Mit einem einzigen Bluegrass Album zur musikalischen Unsterblichkeit. Bluegrass ist überschaubar und der Versuch gelang mit

Rating: ★★★★½ DR = 7

1999 und mit ausschließlich eigenen Songs ohne Probleme. Mit der Del McCoury Band und so grandiosen Musikern wie Sam Bush (Fiddle) lässt es Earle von Anfang bis Ende krachen und schmalzen. Rau, erdig, manchmal richtig roh wie beim stampfenden Irish-Folk von

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Goodbye – Earle & Harris

Heute ist es so kalt, da kommen die Balladen wieder aus der Ecke. Und eine der schönsten Balladen ist „Goodbye“ von Steve Earle, grandios im Duett mit Emmylou Harris – allein schon diese angehauchten Silben:

Und ein schönes Paar ist das doch auch auf der Bühne – oder?

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Steve Earle – Sidetracks (2002)

Ein Flickenteppich mit vielen Perlen ist diese Sammlung 6 eigener und 7 fremder Songs, auf der Earle Material verwertet, welches sich in zehn Jahren Arbeit angesammelt hatte:

Da haben wir krachenden Irish Folk wie bei „Dominick St.“ – so swingend und akustisch wie direkt von der grünen Insel. Es kommt Filmmusik wie das kernige Stück „Time Has Come Today“ mit einem Gastauftritt von Sheryl Crow, nicht verwendete Versionen anderer Alben (wie die beklemmende Ballade „Ellis Unit One“, wo Earle in Begleitung der Freshfield Four so beklemmend vom Gefängnis singt, als säße er immer noch drin) – das Stück war „über“ vom großartigen Album „I Feel Alright“ und Coverversionen vom Feinsten. Ob krachender Rock wie bei „Breed“ von Nirvana oder in „Time Has Come Today“; ob exzentrischer Akustik-Rock wie bei „Creepy Jackalope Eye“ – Earle findet immer den richtigen Stil, die richtige musikalische Sprache für jedes Material. Kein Wunder, wenn seine Produktionen etwa für Lucinda William für deren Grammy Winner „Car Wheels On A Gravel Road“ (1998) so rund und stilsicher sind.

Wie Earle beispielsweise „Willin“, die Truckerhymne des großen Lowell George erdet und sich knurrend aneignet und damit auch vom leichten Schmalz der Originalversion befreit. Oder „Johnny Too Bad“, ein unglaublich schwerer Reggae, der klingt, als wäre halb Texas im jamaikanischen Roots-Reggae versackt. Oder „My Uncle“ von den Flying Burrito Brothers in einer Live-Version – da werden die Kriegsdienstverweigerer im Bluegrass-Stil besungen. Zuletzt wringt Earle aus „My Back Pages“ von Bob Dylan jedes Stückchen Text aus dieser moralischen Ballade und eignet sie sich buchstäblich an – obwohl praktisch im Original-Arrangement immer auf seine Art.

Immer auf seine Art – ein gelungenes Album mit Sidetracks, die bei anderen Künstler selten im Verlauf einer ganzen Plattekarriere zusammen kommen. Eine der lohnensten Sammlungen von „B-Sides“, die ich kenne.

Good Morning, Trio (Emmylou Harris, Linda Ronstadt, Dolly Parton)

Das Projekt Trio der drei großen Damen des Country war ebenso außergewöhnlich wie einmalig. Drei doch sehr unterschiedliche Künstlerinnen tun sich zu einem akustisch begleiteten Gesangstrio zusammen, bei dem jede Künstlerin Songmaterial und Lead-Stimme beisteuert. Das ganz begleitet von den besten akustischen Musikern der damaligen Zeit. Durch die wirklich sehr unterschiedlichen Stimmen der Drei und auch das sehr breit gefächerte Songmaterial entstand daraus mit dem Album Trio
eins der besten Country-Alben aller Zeiten. Zeitlos, modern und mit Interpretationen, die jede für sich so gekonnt, einfühlsam und angemessen daher kommen wie ein kleine schöne Perlen.

Das Nachfolgealbum Trio II war dann nicht mehr ganz so überragend in meinen Augen, obwohl die Damen weiterhin nichts von Ihren überragenden Fähigkeiten eingebüßt hatten.

Sehr schön zu sehen auf diesem uralten Video – die immer wieder überragende Linda Ronstadt singt die Wolken herunter und wird dabei begleitet von einer sehr reserviert-vollbusigen Dolly Parton, einer geradzu ergriffen sich zurückhaltenden Emmylou Harris und im Hintergrund schwingt Sam Bush die Mandoline zusammen mit einigen dezenten Herren, die gekonnt die Saiteninstrumente bedienen.

Ist doch ergreifend, oder?

Lyle Lovett – Natural Forces (2009)

Covers, Kunkel und wenig Eigenes. Das neue Album von Lyle Lovett

Lyle Lovett hat zu diesem Album nur etwa die Hälfte der 11 Songs selbst oder als Co-Autor beigesteuert. Seine eigenen Stücke wie der Titel-Track oder die musikalisch krachende und textlich witzige Nummer „Pantry“ oder auch der vertrackt-moderne Swing von Farmer Brown mit seinen vielen Tempo- und Rhythmuswechseln gefallen mir etwas besser als die Coverversionen von Townes van Zandt, Elskes und Ball, die doch mehr im Modern-Country stehen und mir im Text oft viel zu pathetisch daher kommen.

Was dieses Album gut macht, ist vor allem die Musik: Mitreißend, abwechslungsreich und gekonnt bauen der langjährige Drummer Lovetts Russ Kunkel und Victor Krauss (Bruder von Bluegrass-Star Alison Krauss) mit seinem abgrundtiefen, rollenden und orgelnden Kontrabass auch die kompliziertesten Grooves auf. Einsätze und Tempowechsel wie von einem anderen Stern – treibend, filigran und abwechslungsreich. Pianist Matt Rollings markiert mit seinen typischen Stakkato-Figuren und seiner rollenden Begleitung das Gerüst, auf dem sich Lovett mit seiner minimalistisch-gekonnten Akustikgitarre, Dean Parks sehr geschmackvolle E-Gitarrensounds sowie Stuart Duncan mit seiner ausdrucksvollen Geige tummeln. Duncans Violinspiel ist so tragend und melodiös, dass Sam Bush -selbst ein Superstar mit der Geige- auf diesem Album ausschließlich Mandoline spielt. Und das kommt gut, denn Bush ist mit seinem präzisen Spiel und seinem Rock-Feeling auf der Mandoline eine echte Bereicherung für jede akustische Band. Dies ist eine der besten vorwiegend akustischen Bands derzeit.

Und der Sound dieses Albums ist eine absolute Perle – wie macht Lovett das bloß? Jedes seiner Alben klingt besser als das andere: Durchsichtig das Klangbild, fein ziseliert die Saiteninstrumente, grollend der Bass. Und das Schlagzeug von Russ Kunkel klingt, als würde es im heimischen Wohnzimmer stehen. Das hört man die Becken schwingen und der sanfte Punch der Bassdrum bewegt hörbar ein Trommelfell und nicht einen Sampler. So macht überwiegend akustische Musik richtig Spaß. Und vielleicht gibt es das nächste Mal ja wieder ein paar mehr der lakonischen Songs von Lovett selbst.

Lyle Lovett – Road To Ensenada (1996)

Swing, Walzer, Country – Groove und brilliante Songs

Lyle Lovett ist der einzige mir bekannte swingende Texaner. Auf diesem Album lässt er den Schwermut und den Zynismus beiseite und widmet sich mal ernst (Who Loves You Better – diese Frage musste ein Mann ja mal stellen) und mal entspannt und heiter („Don’t Touch My Hat“, „That’s Right (You’re Not From Texas“) den kleinen und großen Themen des Lebens. War bereits auf seinem grandiosen Album Pontiac schwerster Swing die Grundlage, so taucht dieses Stilelement hier noch häufiger und in faszinierenden Variationen auf: Der brutal schnelle Groove von „Thats Right“

ist neben einigen ähnlichen Werken von Brian Setzer und Joe Jackson wohl der verdammt schnellste und treibenste Swing im Pop überhaupt. Und der konzentriert gleichmäßige, langsam treibende Groove von „Her First Mistake“ treibt auch einen Opa mit Krücken 6:28 Minuten lang voran. Bessere Rhythmusarbeit (Russ Kunkel und Lee Sklar besorgen das) gibt es selten. Und das sind alles keine Jazz-Musiker! Vielleicht mag ich die herzhaften Grooves dieses Album deswegen so sehr.

Der lakonische Humor (diesmal ganz entspannt bei „That’s Right“, wo es wirklich nur um Texas geht), aber auch die zauberhaften kleinen Beobachtungen (der elegante Walzer von „Christmas Morning“) – hier ist Lovett ganz entspannt und ganz bei sich. Seine Band liefert dazu feinste Musik in überragender Klangqualität – wie immer bei Lovett auch 5 Sterne für den Sound und die Produktion.

Lyle Lovett – Pontiac (1987)

Meisterwerk zwischen den Stühlen

Lyle Lovett veröffentlichte mit Pontiac 1987 erst sein zweites Album und bestätigte damit endgültig, dass er zu den ganz großen Songwritern gehört. Der bissige Witz (M-O-N-E-Y), die zarte Romantik ohne jede Sentimentalität (If I Had A Boat), auch einmal harte Worte über die Frau zu ganz schwerem Swing (She’s No Lady) – jedes Lied findet sofort seine Stimmung, ist unverwechselbar und musikalisch feinste Arbeit.

Verblüffend auch die musikalische Vielfalt. Es beginnt mit klassischem Modern-Country und wandert danach durch Gospel und Swing: Große Ballade (der Opener und I Loved You Yesterday), vertrackter Gospel (Money), schwerstmöglicher, geradezu waffenscheinpflichtiger Swing mit wunderbaren Bläsern (She’s No Lady, She’s Hot To Go). Kein einziger Füller, kein schwacher Song dabei.

Das Album sitzt entspannt zwischen den Stühlen. Fast unnötig zu erwähnen die sehr hochwertige Produktion mit einem feinen Sound – Lovett macht das immer so. Viele halten dieses für das beste Album von Lovett. Das ist nicht ganz falsch, tut jedoch den übrigen Werken Unrecht – von den ersten 6 Alben Lovetts ist jedes unbedingt hörenswert und gelungen.

Albert Lee – Road Runner (2007)

Brit-Pop, Nashville und Rock mit 60+

Albert Lee hat in den 50 Jahren seiner Karriere mit der halben Welt gespielt und Platten aufgenommen. Das reicht von Chris Farlowe über Eric Clapton direkt nach Nashville und zu Emmylou Harris, in deren legendärer Hot Band Lee neben seinen zahllosen Studiojobs er jahrelang wirkte. Bei einem so berühmten und viel beschäftigten Gitarristen würde man sofort denken: „Dies ist wieder so ein Virtuosenalbum..“ – aber nicht hier:

Lee schlägt die Brücke von seinen Wurzeln im Britischen Pop und Blues zum modernen Country so gekonnt, so lässig und so entspannt, dass der Hörer keine Sekunde überhaupt merkt, dass hier mit Lee und der Legende Buddy Emmons an der Steel Guitar zwei Virtuosen unterwegs sind. Die technischen Fähigkeiten der Musiker ordnen sich vollständig unter die Musik. So lange Du nicht versuchst, etwas von diesem Album nachzuspielen, bekommt man nur die Musik mit:

Wunderbare, entspannte Rhythmen, Klangwände aus vielen Gitarren, die sich in überraschenden Harmoniewechseln zu dem von Brian Wilson, Paul McCartney und J.S. Bach gehüteten Olymp des Pop aufschwingen. Das Songmaterial reicht von den 60ern bis heute. Und ordnet sich musikalisch ein zwischen den Everly Brothers, Clapton, Paul McCartney und Emmylou Harris eigenen Werken. Kein Wunder: Lee hat mit diesen Musikern (bis auf den Beatle) viel gearbeitet. Sogar Songwriter John Hiatt ist vertreten. Und doch klingt es immer nur nach guter Musik. Lee ist nicht der größte Sänger vor dem Herren. Aber seine Musik landet so gekonnt zwischen Brit-Blues, Pop, alternative Country und Nashville  – es ist die reine Freude. Und dass Sound und Produktion über jeden Zweifel erhaben sind, versteht sich bei DEM Künstler von selbst. Gut gefallen haben mir die unauffälligen, aber immer songdienlichen Vocal-Supports: Jon Randall mit seiner wunderschönen Stimme, Mark S. Cohen und Bekka Bramlet geben den Songs Farben mit, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Ein sehr rundes, entspanntes und musikalisch praktisch perfektes Album – altersweise und doch frisch.

The last acoustic Waltz – Emmylou und die Nashville Rambler nehmen Abschied

Momentan höre ich fast nur Live-Musik und da ist der Live-Mitschnitt auf DVD dieses Konzerts der großen Emmylou Harris und ihrer damaligen Band aus dem Jahr 1995

gerade richtig. Nach ihrem großartigen Live-Album ging Harris mit ihrer Live-Band vier Jahre lang ständig auf Tournee und erarbeitete sich in dieser Zeit ein riesiges Repertoire; die Set-List für dieses Konzert umfasst mehr als 40 Titel und dies ist -wie Harris mehrfach grinsend und glaubhaft versichert- nur ein kleiner Ausschnitt aus dem wechselnden Programm der Band. Nie zuvor hatte ich Gelegenheit, ein so langes Live-Konzert als Mitschnitt zu sehen. Und selten sah ich so gute Musiker:

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Lyle Lovett macht kleine Musik ganz groß

Rating: ★★★½☆

Lyle Lovett versammelt hier im wahrsten Sinne eine „Large Band“ um sich, um ganz „kleine“, einfache Songs mit einer buchstäblich gigantischen Produktion einzuspielen. Und kultiviert seinen Hang zu sehr abwechslungsreichem „Stilbruch“ auf höchstem Niveau. Dass die Songs mit einer Ausnahme neu und von Lovett selbst sind, hört man nicht unbedingt heraus. Klassische Themen der amerikanischen Volksmusik (Heimat, Liebe, das schöne Mädchen) werden erst durch den knappen, präzisen Erzählstil und den sarkastischen Humor Lovett’s modern.

Unglaublich und faszinierend abwechslungsreiche Arrangements unter Einsatz praktisch sämtlicher Instrumente und Sounds, die moderne amerikanische Musik zu bieten hat:

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Randy Newmann mit Gitarre – eine musikalische Perle


Rating: ★★★★½

Lyle Lovett ist in Europa weniger als Musiker bekannt denn als Ex-Ehemann von Julia Roberts und interessanter Schauspieler in einigen Filmen von Robert Altmann (The Player, Short Cuts, Cookie’s Fortune) – völlig zu Unrecht. Mit einem ganz bösen Humor, genauer Beobachtung und sehr reduzierter, dafür umso eindringlicherer Sprache entwirft er hier in 18 Songs eine kleine Welt für sich.

Liebe zum Pinguin, das fette Mädchen und warum Lyle Lovett jeden liebt (der Titelsong) bestechen als Songs durch Überraschungseffekt, Authentizität und erinnern mehr an Randy Newman, Townes Van Zandt und ähnliche Singer/Songwriter als an Country, worunter Lovett üblicherweise abgelegt wird.

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The Three Pickers – Doc Watson, Earl Scruggs, Ricky Scaggs

3 ältere Männer mit Saiteninstrumenten und das live,

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Rating: ★★★☆☆

Ältere Männer mit Saiteninstrumenten: Ricky Skaggs (* 1954) ist der Jüngste an Gitarre und Mandoline mit nur 45 Jahren Erfahrung als Musiker; der legendäre Earl Scruggs (*1924) am Banjo und der nicht minder legendäre Doc Watson (* 1923) an der Gitarre spielen ganz entspannt mit einigen Gästen ein Live-Konzert nur mit traditioneller Bluegrass-Musik.

Längere Ansagen wechseln sich ab mit zum Teil rasend schnellen, manchmal auch überragend schön gesungenen Folk- und Countrynummern. So jugendlich frisch und rasant ist das meist, dass es einen vom Hocker reißt. Höhepunkte des Konzerts sind die Titel mit der famosen Alison Krauss (Stimme und Geige). „The Storms are On The Ocean“ und vor allem das fantastisch Acapella eingesungene „Down To The River And Pray“ verströmen auch durch den Kontrast der etwas belegten Stimmen der älteren Männer mit dem unaufdringlich schönen Sopran von Krauss eine solche Wärme und Leidenschaft, wie es nur in einem gelungenen Live-Gig möglich ist. Das Publikum geht richtig mit, es kommt zu einem abwechslungsreichen Miteinander von Künstlern und Publikum, das ein gutes Live-Konzert auszeichnet.

Und für die Freunde virtuoser Saitenmusik ist das Album auch ein Muss: Earl Scruggs hat die amtlichen Schulbücher für Banjo geschrieben und spielt so abwechslungsreich und tricky wie ein junger Gott. Ricky Scaggs steht dem in nichts nach. Und wie Doc Watson mit angenehm fließenden Läufen auch in höchstem Tempo für die Begleitung sorgt – einmalig.

Das Album ist auch als DVD mit dem gesamten Bildmaterial erhältlich – ein außergewöhnliches Konzert.

Nick Lowe – At My Age (2007)

Der britische Punkrocker macht amerikanischen Countryrock,

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Rating: ★★★½☆

Nick Lowe ist britisch bis in die Sohlen. Er kokettiert mit seinem Alter von knapp 60 Jahren und liefert ein komplettes Album mit entspannten Liebesliedern ab, die alle nach akustischem Country-Rock klingen und sich fast ausnahmslos um Frauen und Liebe drehen. Langweilig? Altbacken? Keineswegs!

Als erfahrener Produzent und legendärer Bassist weiß Lowe ganz genau, wie diese Mixtur aus traditioneller amerikanischer Musik und abgegrasten Themen durch Ironie, etwas Punk-Attitüde und handwerklich hervorragende Musik am Kochen gehalten werden kann. Und schafft das so gut und gegen jeden Zeitgeist, dass wir dieses Album immer wieder hören. Wie der wesentlich jüngere Richard Hawley schafft sich Lowe mit sehr britischer Zurückhaltung eine eigene kleine Musikinsel und grinst von dort auf den Rest der mühsam sich abstrampelnden Zeitgeistmusiker. Speziell. Gut!

Emmylou Harris – Elite Hotel (1972)

Eine unglaubliche Sängerin mit einem unglaublichen Album, 14.05.2007
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Rating: ★★★★★

Emmylou Harris nahm sich mit diesem Album Großes vor: Songs der Beatles (das absolut ergreifende und in Zeitlupe gesungene „Here, There“) ebenso wie Country Standards und -kracher („Amarillo“, „Together Again“ und „Jambalaya“).

Die Gratwanderung ging auf: Zeitlos gültige Interpretationen von bekannten Songs. Mit einer Stimme, die alle Register zieht. Glockenhell, verrucht, lasziv, verträumt oder romantisch. „The Voice of Country“ könnte Telefonbücher singen und hat hier sogar noch gutes Material. Und eine musikalisch traumhaft gelungene Einspielung außerdem, mit einem kleinen Trick: Jeder Song hat das falsche Tempo. Die Kracher einen Tick zu schnell, die Schnulzen einen Tick zu langsam. Das erhöht die Eindringlichkeit und macht diese Einspielungen traum- und vorbildhaft.

1975 im Lastwagen vor dem eigenen Haus entstanden ist dies (auch mit dem soundtechnisch gelungenen Remastering) ein Album fürs Leben.

Dixie Chicks – Fly (1999)

Raffiniertes Nachfolgealbum der cleveren Chicks, 12. Mai 2007

Rating: ★★★★½

Mit ihrem Vorgängeralbum „Wide Open Spaces“ räumten die Dixie Chicks auf dem Gebiet des traditionellen Country ab. Und produzierten hier nur ein Jahr danach ein fantastisches Folgewerk, mit dem Popfreunde und Anhänger des Alternative Country ebenso Freude haben. Die Zutaten (solide und filigrane Saiteninstrumente, viel Satzgesang, tolle Leadsängerin) blieben gleich.

Aber bei der Songauswahl haben wir mit dem zutiefst ironischen „Cowboy Take Me Away“ von Bandmitglied Martie Seidel einen echten Megahit. In „Goodbye Earl“ wird grimmig witzig der prügelnde Ehemann verabschiedet (Frauenpower lässt grüßen). In dieselbe Kerbe schlägt das witzige „Let Him Fly“ am Ende. Und mit „Some Days You Gotta Dance“ enthält das Album einen der schärfsten Gitarrenkracher (etwa 10 verschiedene Gitarren bauen ganz filigran einen unglaublichen Groove auf) aller Zeiten. Dass dieses Lied auch noch einen witzigen (leicht männerfeinlichen-) Text hat, vergrößert nur den Spaß. Ein rundum gelungenes Album für alle Alters- und Gesellschaftsschichten. Und musikalisch überaus spannend und interessant, obwohl (wie man beim Mitspielen merkt) das gesamte Album in ganzen drei Tonarten gehalten ist.

Dixie Chicks – Wide Open Spaces (1998)

Bahnbrechendes Country-Pop Album – Frauentrio mit viel Power, 12. Mai 2007

Rating: ★★★★★
Die Dixie Chicks musizierten schon 10 Jahre zusammen, als sie mit diesem Album 1998 zum Weltruhm kamen. Was war geschehen? Leadsängerin Natalie Maines mit ihrer unglaublich glatten, metallischen und druckvollen Stimme war zur Band gestoßen und veredelte die Interpretationen der Schwestern Martie Seidel und Emily Erwin (tolle Instrumentalistinnen an Fidel, Banjo und allen Saiteninstrumenten) zu echten Perlen.

Und weil die Songauswahl und die Bandchemie passten, erleben wir hier großartige Interpretationen guter (fremder-) Songs. Filigrane Gitarrenarbeit, toller Satzgesang, eingängige Hooklines und eine großartige Leadsängerin – so wird eine Band auch mit fremdem Material berühmt. Denn das Album enthält nicht einen eigenen Song der cleveren Chicks!

Ein absolut zeitloses Album, das mit Songs wie „There’s Your Trouble“ auch Pop und selbst Jazzfreunde begeistert.

Emmylou Harris – (Live) At The Ryman

Magisch – das wohl beste Live-Album im female Country,

Rating: ★★★★★
Bis die Dixie Chicks das ultimative Live-Album einspielen, trägt diese Aufnahme bei mir die Krone in der Sparte „Female Country – Live“. At The Ryman – das ist der „echte“ Titel dieses Ausnahmealbums. Benannt nach dem Ort des Geschehens, 1991 in einer kleinen, holzgetäfelten Halle, in der früher die legendäre „Grand Ole Opry“ untergebracht war. Ein rein akustisches Set mit einer sorgfältig zusammen gestellten Band aus Musikern, die wegen der sehr schwierigen mehrstimmigen Vocals vor allem auch gut singen können müssen. Mit einem fachkundigen, begeisterten Publikum und einer glänzend aufgelegten, heiteren Emmylou Harris.

Es beginnt mit dem fetzigen „Guitar Town“, einem Country Hit von Steve Earle. Es folgt „Cattle Call“, ein zutiefst traditioneller Cowboy Song, der durch gekonnten Satzgesang geadelt wird. Mit „Guess Things Happen That Way“ begibt sich die Band auf moderne Country Gleise, rührt Acapella mit „Hard Times“ auch Steine zu Tränen. Und gleitet dann mühelos und mit perfektem Swing und Satzgesang durch eine breite Auswahl überwiegend traditioneller Country-Songs, aus denen vor allem „Lodi“ von John Fogerty heraus sticht – lakonischer, trauriger und schmissiger haben das auch CCR nicht gespielt.

Großartige Live-Atmosphäre, gekonnte Interpretation, abwechslungsreiche Songauswahl, ein aufmerksames Publikum und ein toller, durchsichtiger Sound machen dieses Album zeitlos und gut.

JJ Cale & Eric Clapton – Road To Escondido (2006)

Ups and Downs, sehr Mainstream und zu wenig JJ Cale – langweilig,

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Rating: ★★½☆☆

Kann eine solche Kombination von Coolness und Routine gut gehen? Nur selten, leider. Zwar hat JJ die meisten Songs beisteuert, einige wichtige Gesangsparts übernommen und die Auswahl der Musiker seinem eigenen Musikstil perfekt angepasst. Solide Handwerker mit Gespür für den federnden Backbeat wie Albert Lee sorgen für einen lockeren und präzisen Background, vor dem sich die beiden Gitarreros austoben dürfen. Das Album leidet aber unter deplazierten Gitarrensoli von Clapton, die dem gesamten Sound nicht angemessen sind und viel Gesang von Clapton, der zum Stil von JJ Cale ebenfalls nicht recht passen will.

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No Country – müder Kommerz von zwei Ausnahmekünstlern


Rating: ★½☆☆☆

Nein, dies ist keine Country Platte. Country ist Steave Earle, Dixie Chicks, Emmylou Harris, Loretta Lynn oder Hank Williams. Dies ist eine auf Mainstream und Radiotauglichkeit für warme Sommerabende designte Produktion, bei der offensichtlich Herr Knopfler die ungute Idee hatte, die wohl renommierteste Sängerin des Country zu benutzen, um einen Crossover-Effekt zu erzielen.

Müde Songs, fast ausnahmslos Slow-Motion, durchschnittliche Gitarrenarbeit des Herrn Knopfler, dessen E-Gitarrenspiel sich anhört wie ein britischer Bluesrocker, der einen VHS-Kurs Country belegt. Das Schlagzeug schleppt (ist wahrscheinlich alles aus der Ferne produziert) und die wenigen Momente, wenn Emmylou mal nicht nur die Backings für Herrn Knopfler, sondern selbst vortragen darf, sind viel zu selten.

Emmylou Harris wäre gut beraten, mal wieder selbst eine Platte zu machen. Wer Country will, halte sich zum Beispiel an die oben stehenden Künstler.

Bluegrass nach vorn – handgemachtes Sommeralbum

Rating: ★★★½☆

Die Del McCoury-Band legt hier DAS Sommeralbum des Jahres 2006 für Freunde handgemachter Musik vor. Zwei helle Stimmen im Satzgesang, eine perfekt eingespielte Band mit Kontrabass und diversen Saiteninstrumenten und Auswahl frischer, überwiegend schnell und treibender Songs klingen, als hätte Elvis Presley seine Sun-Sessions in 2006 mit Hilfe modernerer Musiker eingespielt. Lassen Sie sich durch das Etikett Bluegrass nicht abschrecken: Das ist handgemachter Roots-Rock aus der Country-Ecke und für jedes Autoradio brauchbar; erfrischend und handwerklichlich perfekt. Übrigens: Wie bei dieser Sorte von Musikern üblich eine Produktion, die klangtechnisch keine Wünsche offen lässt.

Etwas befremdend allerdings für mich die christlichen Texte: „It’s Suprising, what the Lord can do. Make a sinner almost new..“ – das ist die christliche Waschanlage für Gebrauchtwagen, die mich als weniger christlichen Menschen nicht so anspricht. Andererseits erreicht die uralte Geschichte von David und Goliath „Five Flat Rocks“ doch ein gospelhaft Intensität, die bemerkenswert ist.

Lucinda Williams – Car Wheels On A Gravel Road

Singer/Songwriter Meisterwerk von Lucinda Williams, 15. Juli 2006

Rating: ★★★★★

Lucinda Williams gehört zur lebendigen „neuen“ Country- und Roots-Rocker Szene in den USA wie auch der Produzent dieser CD Steve Earle. Sie schreibt ihre Songs ausnahmslos selbst über Themen wie Trennung, Einsamkeit und auch den ewig schwätzenden Langeweiler. Mit rauer, brüchiger Stimme, eingebettet in feine, extrem abwechslungsreiche Gitarrenarbeit und einer erlesenen Auswahl von Songs. Eine unglaublich durchsichtige und durchhörbare Produktion mit exzellenten Begleitmusikern, vor allem Steve Earle, der einige Songs im Duett mit bestreitet.
Dies ist eine CD für Texthörer, Gitarrenfreunde, Chansonliebhaber, Romantiker und auch Rootsrocker – fantastisch!

Country Girls für Jeden

Rating: ★★★☆☆

Diese Compilation ist ein guter Querschnitt durch den zeitgenössischen Country, soweit dieser von Frauen interpretiert wird. Die Auswahl der Songs deckt die gesamte Bandbreite dieses jetzt auch in Europa zunehmend populären Musikstils ab:

Von der traditionellen Bluegrass-Nummer über die (für mich immer wieder unerträgliche-) Schmachtballade mit Geigen und Texten wie „Frau gehört an den Herd und wartet nur auf den Cowboy“ bis hin zu großartigem, textlich und stimmlich ambitionierten Contemporary-Country. Und letzteres ist nach Dolly Parton, Emmylou Harris und den alten Damen für mich die große Freude.
Ganz großartig und perfekt wie meistens Deanna Carter (ja, die Tochter von June C.). On The Cover Of The Magazine ist einfach witzig, toll arrangiert und und vor allem auch durch wirklich bediente und perfekte Gitarrenarbeit geadelt. Und wer Country für blöd und langweilig hält, soll doch bitte einfach mal diese kleine Perle nachträllern. Wir sprechen uns wieder 🙂

Auch Sioubhan Maher-Kennedy und diese (wie heißt Sie noch?) Braut von Bruce Springstein kommen modern und gut rüber.

Für einen Sampler (der ja immer einige Durchhänger hat) – kaufenswert!

Steve Earle – Mandoline und Marshall vorwärts!

Rating: ★★★★½

Steve Earle sieht auf dem Liner-Photo noch nicht wieder so richtig erholt aus. Aber die 12 runden und tiefen Songs dieses Albums zeigen, dass der Künstler auf dem Weg nach vorn ist.

Es geht mit „Christmas in Washington“ dramatisch – fast todtraurig – los; so viel Tiefe in Text und Gesang mit einer Akustischen habe ich schon lange nicht mehr gehört. Gleich der zweite Titel ist BLUEGRASS – das glaubst Du nicht! Und wie das abgeht. Es folgen ein paar der besten Rocksongs, die ich außerhalb der „echten“ Bands in letzter Zeit gehört habe. Aber immer seltsam instrumentiert – mindestens drei Gitarren, Mandoline, handmade eben. Poison Lovers hat dann wieder diese magische Tiefe. Und Ft. Worth Blues am Ende ist schwarz, schwärzer…

Steve Earle pflügt sich gekonnt durch die amerikanische gitarrenlastige Songwriter-Tradition; ein leicht sperriges, aber sehr schönes Album aus einem Guss.